Wie ich des grauen Stars ledig wurde

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Bericht zur Inkenntnissetzung interessierter Mitglieder der Freitagskommunität.

Alles ist weniger erschröcklich als vorher befürchtet und in schlafloser Nacht ausgemalt. Man begiebt sich in eine Tagesklinik. Vorher darf man gefrühstückt haben. Kurz vor dem Aufbruch hat man im Abstand von einigen Minuten viermal Tropfen ins Auge verbracht, welche die Pupille dermaßen weiten, dass ein gewisser kameliendamenmäßiger Belladonna-Effekt entsteht. Angekommen im Etablissement gesellt man sich einer Gruppe zu, welche da schon sitzt und aus einer ähnlich großen Pupille auf den Ankömmling blickt. Über dem geweiteten Auge ist ein Pflaster platziert, das Verwechselungen ausschließen soll.

Auch mir wurde ein solches Pflaster zuteil, worauf weitere Tropfen, Tropfen, Tropfen folgten. Das währet so eineinhalb Stunden.

Solchermaßen vorbereitet steigt man in ein Kellergeschoss hinab, woselbst sich der Operationsraum befindet. Dort nimmt man Platz und wird von einem hurtig nahenden Anästhesisten erneut nach aktuellen oder überwundenen Gebrechen befragt und um Auskunft über zur Behebung selbiger in Gebrauch befindlicher Arzneimittelersucht . Ich konnte nicht dienen, was den medizinischen Meister zu frohen Scherzen veranlasste. Trotz leichter Irritation wollte ich meines zur Erheiterung beitragen, aber das stieß auf Befremden. In diesen Katakomben ist der Mediziner auch der Meister der Kalauer.

Alsbald wird ein Schläuchlein in die Vene verbracht und wohltuend beruhigende Flüssigkeiten applizieret. Wenn man in dieser Weise sedieret ist, naht die Ärztin und kündigt an, dass es gleich am Auge piekt. Und wenn es das getan hatte, gilt es, aufzustehen damit man zur Operationsliege geführt werden kann, auf welcher man sich ausstrecken darf. Dann muss man Auskunft geben, ob man noch was verspürt und wenn man dieses verneint, kriegt man ein Tuch übers Gesicht mit einer Öffnung. Darauf kommen wohl – wie man denken kann – Mikroskop und die zum Austausch der Linse notwendigen Geräte.

Man tritt jedoch nicht weg, sondern blickt andauernd sinnend, aber völlig schmerzfrei in helles Licht, hört auch die Anweisungen der Operierenden, was einem aber ziemlich gleichgültig ist wofür die durch die Adern rinnenden Mixturen verantwortlich sind. Die Medizin hat – man ist darob sehr dankbar – doch einen wohltuenden Fortschritt zu verzeichnen. Nachzwanzig Minuten wird man vom Tüchlein befreit, das Auge verklebt und kann unterstützt durch helfende Geister von der Liege wieder in den anderen Raum gelangen, woselbst man aber auch nicht lange verbleiben darf, denn es ist dort lebhafter Betrieb. Auf Nachfrage wurde mir beschieden, dass an diesem Tage siebzehn solche Operationen durchzuführen waren. Der Eingriff selbst ist wohl kurz, hingegen die Vorbereitungen lang, wie auch ich konstatierte. Nach all diesen Umständen und Inkommodationen begiebt man sich langsamen und vorsichtigen Schrittes wieder in die Oberwelt, wo ein Tisch mit Kaffee und Keksen des Patienten harrt. Freude kömmt auf.

Allerlei Erläuterndes wird einem noch zu Ohren gebracht und dann gilt es des- offensichtlich schon im Bus unterwegs seienden Gatten per Handy habhaft zu werden, damit er zur Abholung schreitet. Und dann muss man – so man kein eigenes Gefährt hat - mit dem Taxi heimreisen. Am nächsten Tag muss man wieder hin und es wird der Verband entfernt und allerlei überprüft, was aber alles zur Zufriedenheit ausfiel. Man sieht aus, als hätte es Ehekrach gegeben, scherzte ich im Bus. Was aber den Meinen so erzürnte, dass er drohte, sich woanders hin zu setzen, wenn ich noch mal so was laut sage.

Und dann muss man tropfen und salben – und wenn man Glück hat, wie ich (unberufen, toi, toi, toi) schon erwähnte - sieht man, was man vorher alles nicht gesehen hat. Man sieht, die Welt ist heller als auf dem anderen noch getrübten Auge und auch die Falten im eigenen Angesicht scheinen deutlicher. So war das und soll hier vermeldet werden.


11:29 08.08.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

Kommentare 14

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rahab | Community
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meisterfalk | Community
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