ZDF: Beutezug-Ost

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Seltsam aufgeregt sind bei der FAZ die Kommentare ,

mit denen auf die sehr mäkelige und selbst Zweifel nährende Ankündigung des heute beim ZDF gelaufenen Beitrags frontal21-Beutezug-Ost reagiert wurde.

Die Leser können es nicht glauben, man will es nicht fassen. Die DDR-Wirtschaft hatte tatsächlich Potenzen, es wäre manches möglich gewesen,

Wenn es nicht diese Beutezug-Mentalität gegeben hätte, wenn man nicht nur dabei gewesen wäre, potentielle Konkurrenten abzubügeln. Allein die Vorgänge um die „Abwicklung“ des DDR-Verlagswesens sind dafür ein sprechendes Beispiel.

Christoph Links

Wenn nicht der Anreiz, sich unrechtmäßig und gefahrlos schnell zu bereichern, zu groß gewesen wäre und dabei noch die Straffreiheit bei eventuellen Fehlentscheidungen garantiert.

Wenn technische Staatskredite-Ost nicht in reale Schulden an inzwischen privatisierte Banken West umgewandelt worden wären.

Wenn man den Wert vonBetrieben realistischer und auch "redlicher" eingeschätzt hätte.

Es ist leicht mit „Wenn“ und „Hätte“ zu arbeiten, aber ein Wissenschaftler wie Prof. Rudolf Hickel und andere Experten haben schon damals gewarnt und auf die Folgen verwiesen. Es hatte keinen Sinn. Die Aufbruchstimmung-Ost fiel der Goldgräberstimmung-West zum Opfer. Seit Jahren mehren sich die Kritiken an dieser damals gebetsmühlenartig als alternativlos dargestellten Praxis.

Und seit Jahren wird das Mantra von der maroden, nicht sanierungsfähigen Wirtschaft Ost gemurmelt, die alles aber auch alles an vereinigungsbedingten Fehlentscheidungen erklären und rechtfertigen soll.

Nein, die DDR war nicht pleite, die DDR konnte sich - so der Ost-Banker Edward Most - durchaus noch allein erhalten. Es war der Umtauschkurs, es war die politisch gewollte Regelung "Rückgabe vor Entschädigung" und viele andere - rein ideologisch grundierten Entscheidungen, die für die Bürger in Ost und West bis heute gravierende Folgen haben.

Ganz sicher ist es so, dass ein Unterfangen wie die Deutsche Einheit, ohne Vorbild war und Fehlentscheidungen unvermeidbar . Aber die gnadenlose Ignoranz, mit der vorgegangen wurde, sucht ihresgleichen und hat die Ostdeutschen deklassiert und demoralisiert.

Es ist gut, das darüber jetzt auch einmal ausführlich im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen berichtet wurde und nicht nur in den vielen inzwischen erschienenen Sachbüchern, die das Thema lange schon behandeln.

Hier noch ein Link zum sehr kompetenten Buch von Olaf Baale:Abbau Ost

22:43 14.09.2010
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Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

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