Magda
04.04.2017 | 10:36 16

Zurück zur Natur

Love me gender Es gibt Meinungsäußerungen, die haben was sehr Inspirierendes. So auch einer, - mal wieder - zu Genderfragen. Danke dafür, er hat mich zum Kichern gebracht.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Magda

Zurück zur Natur

Foto: privat

Manchmal muss man sich gut zureden.

Also: Der Winter ist lange vorbei, das Wetter ist ganz schön, die Sonne scheint zuweilen

  • Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie soll verbessert werden, kündigt die zuständige Ministerin an. Es soll – bei gewonnener Wahl - ein Familiengeld geben. Kann man kritisch beobachten.
  • Der Equal Pay Day im vergangenen Monat – ein erfolgreicher Appell, die Lücke zwischen den Geschlechtern wenigstens zu verkleinern – war ein Erfolg.
  • Genderfragen bleiben im Gespräch, auch wenn das immer mal aus dem Ruder läuft. Prima.
  • Ergo: Man darf sich nicht aufregen, wenn es Leute gibt, die überhaupt nicht wissen, wovon sie sprechen oder schreiben, das Wort ergreifen und die Welt mit Weisheiten beschenken, auf die diese nicht gewartet hat.

Was gibts sonst noch Schönes? Menschliche Dummheit kann man nicht per Quote verteilen. Gottseidank. Man muss aber feststellen, dass es immer wieder Männer gibt, die einen Überhang zugunsten ihres eigenen Geschlechts produzieren, den - per Quote - zu verändern nicht das Ziel von Frauen sein sollte.

Aber, Aber, Aber ....

  • Da geht so ein Bischof durch die Lande und verkündet, dass Gender des Teufels, dass die Genderideologen den Leib verachteten, dass sie skurrile Dummheiten verbreiteten und viele andere wegweisende Dinge mehr.
  • Damit die Quote stimmt, führe ich hier auch noch eine gewisse Gabriele Kuby an, die ihr Wirken bis nach Polen expandiert hat und der dortigen erzkonservativen Gemeinde erklärt, was es mit Gender auf sich hat. Gender als Polenschreck

Das alles ist wenig erfreulich, aber dabei kann mans leider nicht belassen.

Linker

Antigenderk(r)ampf

All jene, die darüber lächeln oder auch befremdet berichten, kennen die „progressive“ Variante des Kampfes gegen „Gender“ noch nicht. Die linken Kampfgenossen des schrägen Klerusvertreters.

Da gibts Leute fordern, dass Wissenschaft naturbelassen bleiben muss oder sie ist keine solche. Wahrscheindlich muss sie auch noch vegan sein. Ich weiß nicht, was die Soziologen, die Literaturwissenschaftler, die Historiker usw. dazu sagen.

Die Geisteswissenschaften müssen weg, vor allem die gender studies (die sind wahrscheinlich gemeint). Tja und das böse, böse Gendermainstream muss weg. Gemeint ist wahrscheinlich „Gendermainstreaming“, aber das muss man heutzutage nicht mehr so genau nehmen. Heute genügen Andeutungen. Gender... Ihr wisst schon, das Böse unter der Sonne und nicht naturwissenschaftlich. Pfui Spinne. Dann muss man noch Judith Butler anführen, obwohl die mit Gendermainstreaming nun ihrerseits gar nichts am Hut hat, aber das macht nichts. Mehr muss man nicht wissen....

Unglückliche Liebe zur

Naturwissenschaft?

Gender als Synonym einer unnatürlichen Ordnung wüten Klerus und Regierung in Polen. Genau. Gegen die Natur kann man nichts machen, sagt der Naturwissenschaftler oder einer, der sich der Naturwissenschaft möglicherweise in unglücklicher, nicht erwiderter Liebe verbunden fühlt. Nur so jemand kann behaupten, allein die Natur sei etwas, worüber wissenschaftlich zu forschen sich lohnt.

Menschen mit derlei Idiosynkrasie sei Hilfe angeboten - Das komplizierte G-Wort und warum zunehmend „Rechte“ es so vehement bekämpfen, erklärt hier Thomas Gesterkamp im Freitag erneut. Es gibt eine Menge andere, gute Beiträge dazu.

Zurück zum Anfang: Gut zureden ist gar nicht nötig. Trost kommt in einer großen Stadt wie Berlin meist schon an der nächsten Ecke.

Es stellt sich heraus, dass zunehmend sowieso die Frauen das Kämpfen übernehmen. Manche Männer lamentieren über die falschen Fragen, falschen Flaggen und werden dabei zu falschen Flaschen.

Eingebetteter Medieninhalt

FRAUENKAMPF IST KLASSENKAMPF

Hier ein Absperrzaun an der Neumannstraße, wo ich gestern einkaufen ging. Sehr beruhigend: Die Wahrheiten finden sich am Bauzaun und die Dummheit gehört abgesperrt. Danke Zufall.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (16)

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Ehemaliger Nutzer 04.04.2017 | 11:32

klasse🖒auch dieser artikel von der kipping:

"So richten sich die Affekte einiger Vertreter weniger gegen die andere Klasse, gegen die Superreichen und Konzerne, sondern eher gegen Feminismus, Antirassismus und Umweltschutz. Ich spreche deshalb auch von einem neuen Anti-Feminismus und Anti-Ökologismus mit vorgeschobenem Bezug auf „DIE Arbeiter“."

Wirklicher Klassenkampf statt Angriff auf die Errungenschaften von `68

Charlie Schulze 04.04.2017 | 13:28

Logisch, das: Es sollen ja auch die Naturwissenschaften ein Werk des Teufels gewesen sein, vormals.

In diesem Zusammenhang erinnere ich gerne noch

a) an einen scharfsinnigen ZEIT- Artikel von 2015: "Schafft doch gleich die Geisteswissenschaften ab!" regte die Autorin an, und fragte, ihres a-feministischen Großvaters gedenkend:

Was wohl mein Großvater dazu gesagt hätte, auf seinem Standpunkt des Gentlemans in der traditionellen Geschlechterordnung? Den Neuerungen hätte er sich verweigert, und die 15 Gender-Lehrstühle wären ihm herzlich egal gewesen. Den Radikalfeministinnen wäre er zärtlich zugetan und würde, natürlich ohne Gegenleistungen zu verlangen, ihre Miete bezahlen. Doch eine Sache hätte ihn, den freien Unternehmer, den protestantischen Mittelständler, den Kaufmann, wirklich umgetrieben und aufgeregt: Wie viele Lehrstühle für Wirtschaftswissenschaften gibt es heute in Deutschland? Hundert, fünfhundert, tausend? Und was machen die dort eigentlich?

...und, b), immer wieder an den fröhlichen Ohrwurm "Baby, ich hab Genderwahn" - mit einer Empfehlung an den teufelsfürchtigen Herrn Laun: Wenn man es rückwärts laufen lässt, hört man Satan persönlich sagen: "Nu chill mal, Alter!"

Rüdiger Heescher 04.04.2017 | 16:18

@Magda

Ich habe deinen Artikel gelesen. War keine Antwort auf mein Pamphlet. Deine Auseinandersetzung dreht sich um religiöse Benutzung von Biologismus. Ich habe aber als Linker ausdrücklich gesagt, dass eine Binärdenke, wie sie von linken Intellektuell_Innen geführt wird, genau dazu führen wird und wird dieses unterlassen sollten.

Wir haben ein Denkproblem und falsche Prämissen, die uns zu falschen Schlussfolgerungen führen. Wir haben bei Intellektuell_Innen eine hermeneutische Denke, die in Umkehrschlüssen denkt. Das ist nicht in der Logik erlaubt.

Umkehrschlüsse sind falsche Schlüsse in der Logik.

Darum geht es.

Labolg 04.04.2017 | 17:00

Allerdings ist bei weiterer gender-ideologischer Gleichmacherei zu erwarten, dass die Hauptleidtragenden die Frauen sein werden. Die Wandlung der Grünen von der Umwelt- zur Sexualitätspartei wird den Frauen besonders auffallen, wenn die Zahl der "Männer" in den Unisex-Toiletten zunimmt. Auch nehmen andere Gefahren durch diese Ideologie zu: Frau wird zur Ware (Leihmutter, Eizellenlieferantin, Prostitution usw.) und - wie in einem kürzlich mit Mehrheit akzeptierten EU-Zwischenbericht (NOICHL-Bericht) betont - zu "Humankapital", dessen "umfassende Nutzung" geboten sei. Ohne aus medizinischer Sicht auf gravierende Probleme und Gefahren näher einzugehen, wird sogar mit einer erschreckenden ökonomisch , feministischen Denkweise neuerdings von einer Fortpflanzungsindustrie gesprochen mit Eizellabgabe, Eizellenarbeiterinnen, Uterusverleih und Reproduktionstourismus.

(siehe Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 6. Auflage, Logos-Verlag, Ansbach, 2014: ISBN 978-3-9814303-9-4)

poor on ruhr 05.04.2017 | 06:51

Danke. Gerne gelesen. Solche ueberraschende auftauchenden Spruch, die mich beeindruckt haben, ist mir auch schon mal passiert. Hier habe ich wohl Verstaendnisprobleme warum Frauenkampf Klassenkampf sein soll, weil sich der Kampf der Frauen ja durch alle Klassen zieht oder zumindest ziehen sollte, aber wir sind hier ja nicht in der Schule, obwohl ich das an dieser Stelle begruessen wuerde. Gender ist schwer und mir nicht so vertraut, wie ich frueher vielleicht dachte. Auch leuchtet mir nicht so richtig der Zusammenhang zu den Naturwissenschaften ein. Na ja, ich habe Gender dann wohl doch nicht erfunden. Viele Gruesse poor on ruhr

goedzak 05.04.2017 | 08:59

Die sexistische Querfront marschiert. - Ich ganz persönlich bin ja der Meinung, dass nieMANd und auch keine Frau Linke sein können, der/die sich an der anti-feministischen und anti-antisexistischen Polemik beteiligt. Aber der Begriff "links" ist ja sowieso seit langem beliebig geworden. - Und jetzt hat ja nun auch Augstein sein "irgendwie links", was ich mal ganz brauchbar fand, in's Grenzenlose gedehnt...

Magda 05.04.2017 | 09:24

Lieber poor,

gute Frage. Der "Zusammenhang" mit den Naturwissenschaften hat mit meinem - nicht verlinkten - Bezug zu einem anderen Blog zu tun. Der behauptet ziemlich verquirlt - gender studies (er nennt das Gendermainstream) sei keine Wissenschaft. Nur Naturwissenschaft sei überhaupt wissenschaftlich. Das habe ich ein bisschen satirisch in Bezug zum "Natur"-Begriff gesetzt und mich darüber lustig gemacht. Denn: mit Natur und biologischen Gegebenheiten operieren - am anderen Ende der politischen Skala - vor allem Konservative und rechte Leute, die sich mithin mit den naturwissenschaftlich argumentierenden, sich "links" nennenden Anti-Gender-Leuten gleich zusammentun könnten. (Uffff .-)))

Der Spruch "Frauenkampf ist Klassenkampf" hat - wie ich denke - durchaus einen Bezug zu der Behauptung, die Frauen lenkten mit ihren Forderungen andauernd vom wirklichen Kampf gegen den eigentlichen Hauptfeind ab. Dazu hat Hammerfakt weiter oben einen prima Link gesetzt, der sich damit befasst.

gelse 05.04.2017 | 11:40

>>Hier habe ich wohl Verstaendnisprobleme warum Frauenkampf Klassenkampf sein soll, weil sich der Kampf der Frauen ja durch alle Klassen zieht…<<
Na ja, wenn ein paar Frauen „gehobenen Mittelschicht“ Pöstchen in Konzernvorständen erobern wollen, dann hat das natürlich nichts mit Klassenkampf zu tun: Karrierist/innen konkurrieren um die raren Plätze an der Hierarchiespitze, mehr ist da nicht.

Um mal einen Fall zu nehmen, der vor ein paar Jahren durch die Medien ging: Für die Verkäuferin, die einen vom Kunden achtlos liegengelassen Pfandzettel an sich nahm, ist es vollkommen egal ob sie von einem Personalchef oder einer Personalchefin gefeuert wird. Der Klassenkampf wird sichtbar wenn man feststellt, dass der Pfandzettel als Anlass genommen wurde eine unbequeme Betriebsrätin loszuwerden. Und das wird die Ehefrau des damaligen Besitzers der Ladenkette nicht anders gesehen haben als ihr Göttergatte.

Wichtig ist, dass sich unterhalb der Herrschaftsebene nicht Frauenkampf und (männlicher) Arbeitskampf gegeneinander ausspielen lassen. Denn das wäre wieder mal das alte Prinzip: Teile und herrsche.

anne mohnen 08.04.2017 | 21:58

Sie haben einen derartigen Blödsinn als Blog eingestellt und besitzen nun auch noch die Humorlosigkeit auch hier dafür zu werben.

"Wir haben bei Intellektuell_Innen eine hermeneutische Denke, die in Umkehrschlüssen denkt. Das ist nicht in der Logik erlaubt.", da frage ich mich, ob sie nach einer 'Einführung in die Logik-Vorlesung', meinetwegen Hermeneuti-Lektüre, an ihre intellektuellen Grenzen gestoßen sind und ihr Blog ein Hilfeschrei ist.