Ick hab de Schnauze voll!

Berlin werbefrei Wie die Initiative BERLIN WERBEFREI etwas Unvorstellbares schaffen will.
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An jeder Bushaltestelle, auf jeder Straße in der Stadt, mal blinkend, mal großformatig, mal hausfassadengroß begegnet man ihr. Eigentlich will man das gar nicht. Aber aufgrund ihrer Omnipäsenz drängt sie sich auf. Winkt, lächelt, schreit, blinkt, starrt, kreischt. Werbung.

Ein Stichwort, schon singst du den Jingle weiter – Werbung wirkt.

Werbung im öffentlichen Raum beeinflusst uns, begleitet unseren Alltag, schleicht sich in unsere Erinnerungen ein, ganz perfide. Wir lesen sie, wir sehen sie, wir nehmen sie wahr, selbst im Vorbeirennen. Das ist der Grund, warum unvorstellbar hohe Summen von Konzernen investiert werden: Sie möchten, dass KonsumentInnen sich mit Ihren Produkten vertraut fühlen. Marken etwas sind und bleiben, was ein wohliges Gefühl von Vertrautheit und nach Hause kommen in uns schafft. Und natürlich, vor allem geht es aber hier um unendlichen Wachstum. Profit, Gier, dem wunsch nach immer mehr Konsum.

Nun wissen wir ja alle, dass wir kein unendliches Wachstum in einer Welt mit endlichen Ressourcen haben können. Und, dass jedes Höher, Schneller, Weiter und noch mehr, und noch mehr, irgendwann scheitern muss und wird. Doch die bunte Fakewelt der Werbung verschweigt das.

Eine Gruppe von engagierten Menschen, AktivistInnen, WerbemacherInnen, TexterInnen wollen zusammen mit dem Juristen Fadi El-Ghazi, dem Dauerwerbegeballer im öffentlichen Raum Berlins nun ein Ende setzen. Und dafür brauchen sie ein Volksbegehren. Fadi El-Ghazi hat einen Gesetzentwurf (siehe Verlinkung unten) verfasst. Gerade sind sie in die heiße Phase des Unterschriftensammelns für das Volksbegehren gekommen, über welches dann, wenn alles gut geht, im Abgeordnetenhaus abgestimmt wird.

Ziel ist, kommerzielle Produktwerbung im öffentlichen Raum einschränken und aus Kitas, Schulen und Universitäten verbannen.

Die wichtigsten Änderungen sind:

  • Produkt- und Dienstleistungswerbung ist nur noch an der „Stätte der Leistung“ (Läden, Gaststätten etc.) zulässig

  • Veranstaltungswerbung und gemeinnützige Aushänge sind an Litfaßsäulen, Haltestellen und besonderes ausgewiesenen Flächen zulässig

  • Keine digitalen Werbeanlagen im öffentlichen Raum

  • Das Land Berlin darf Sanitäranlagen und Haltestellen durch Produkt- und Dienstleistungswerbung für einen begrenzten Zeitraum refinanzieren.

  • Werbeverbot in Kitas, Schulen und sonstige öffentliche Einrichtungen. Sponsoring an Schulen und Hochschulen ist nur dann zulässig, wenn eine Einflussnahme auf die Institution ausgeschlossen ist und der Grundsatz der Transparenz gewahrt wird.

  • Werbeanlagen dürfen nicht für herabwürdigende oder diskriminierende Werbung genutzt werden

  • Im Fazit: Werbung für Fastfood, Smartphones und sexistische Werbung wird fast vollständig aus dem Straßenbild verschwinden. Fußballspiele, Konzerte, Kunstausstellungen und Straßenfeste erhalten dagegen mehr Aufmerksamkeit, ebenso wie Einzelhändler und Fachgeschäfte.

Wer kann das denn bloß nicht gut finden?

Es gibt auch Gegenstimmen. Und diese nicht nur von denen, die mit Werbung Gewinne machen. Nicht selten wird die Frage gestellt, "ob Berlin keine anderen Probleme hätte!?"

Dabei sind Gewinne durch Werbung in Relation zum gesamten Haushaltsetat in Berlin nur marginal. Ob es das also nicht wert ist.

Es gibt bereits Städte, die Werbung aus dem öffentlichen Raum entfernt haben: Sao Paulo und auch Grenoble, wo nun Bäume statt Werbetafeln stehen.

Das hat Vorbildcharakter. Vieleicht wird Berlin die erste deutsche Stadt, die Außenwerbung abschafft.

An wem es bisher vorbei ging, dass Konzerne sich manipulativ in unsere Köpfe einschleichen und wir unterbewusst von Werbebotschaften, explit solchen, im öffentlichen Raum, denen wir uns nicht willentlich entziehen können, beinflusst werden - hat jetzt eine Chance, sich damit auseinander zu setzen, ob er das weiterhin möchte. Wem noch nicht bekannt war, dass Konzerne auch IN Schulen werben und, dass Deutschland das einzige Land in der EU ist, in dem Tabakaußenwerbung nicht verboten ist, kann sich hier zum Beispiel ein Bild davon machen

Lobbycontrol informiert zudem über Hintergründe.

... Und dann selbst entscheiden, ob das neue Gesetz, das Außenwerbung in Berlin einschränken will, Deine Unterschrift verdient hat.

Hintergrundrecherche und Collage, aus der Sendung Stilbuch vom Rbb.

Viele weitere Infos sowie den Gesetzentwurf, Hinweise zu den Sammelstellen und Auslageorten für die Unterschriften, findest Du auf der gut sortierten Website.

Und @alle BerlinerInnen: Ihr könnt mitmachen!

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13:51 09.02.2018
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magna

Feministin. Aktivistin. Yogini. Gelegenheitsautorin.
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