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Mach mit! Wer will, dass wir was über unsere Körper denken - und warum?
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Seit 13 Jahren gibt es das Format „Germanys next Topmodel“. Seit gefühlt zehn Jahren gibt es Kritik an diesem Format, die seit den letzten zwei, drei Jahren deutlich hörbarer wurde. Zunehmend öfter melden sich Gegenstimmen zu Wort, wie z.B. Nora Tschirner oder PinkStinks und legen offen, was sie von diesem Wettbewerb und dessen Jury-Frontfrau Klum halten. Auch Adbusting kann ein probates Mittel zur Kritik sein.

Parallel dazu gibt es immer mehr fundierte wissenschaftliche Studien, die sich damit befassen, inwiefern Werbung und Medien Einfluss auf das Körperbild von sehr jungen Frauen nehmen. Nicht nur Frauen – aber vor allem Frauen. Das ist wiederum ein strukturelles, gesellschaftliches Problem.

Doch: Ist die Sendung überhaupt ein Problem? Und wenn ja, was tun wir dagegen? Heidi bereitet „ihre Mädels“ doch nur auf die harte Realität der Fashionbranche vor. Und "nicht jede kann Gemanys next Topmodel werden“, jedes Jahr nur eine. Und bis dahin fallen auf dem Catwalk nach oben, rechts und links die Mädels runter und bekommen dabei gesagt, das etwas an ihnen nicht stimme. Sie nicht genug seien. Dabei schauen dann sehr viele (Zielgruppe des Magazins für das Format sind junge Mädchen zw. 8-14 Jahren) Mädchen zu und fragen sich womöglich, was dann an ihnen eigentlich alles nicht stimmt. Und selbst, wenn sie das nicht so bewusst und aktiv machen, werden sie von einem Schönheitsvorbild geprägt, das ihnen nicht nur im TV präsentiert wird, das unrealistisch ist.

In Frankreich müssen mit Photoshop bearbeitete Werbebilder gekennzeichnet werden. Warum gilt dieses Gesetz bisweilen nur in Frankreich? Warum erkennen nicht alle Länder die Brisanz der Lage?

Über 50% der 15-Jährigen Mädchen fühlen sich zu dick. Es gibt immer mehr Menschen mit Essstörungen. Aber hierzu sei ergänzt: Das sind komplexe seelische - und lebensgefährliche – also sehr ernst zu nehmende Erkrankungen, mit ebenso komplexen Ursachen. Hier sind es nie NUR die Bilder der Werbeindustrie und Formate wie GNTM, die das auslösen. Bei manchen fällt dies jedoch auf den Boden eines geringen Selbstwerts und anderen Problemen zusammen mit individuellen Persönlichkeits-Strukturen, die vielleicht dann auch die Entstehung von Essstörungen begünstigen. Dass dies jedoch so ein wachsendes Problem in Industrienationen ist und zunehmend häufiger diese Diagnosen fallen, steht in einem Zusammenhang mit der medialen Dauerpräsenz von unrealistischen, weiblichen Körpern. Doch auch emanzipierte, reflektierte Frauen können sich dieser unterbewusst wirkenden Suggestion nicht entziehen. Es lebt letztlich eine riesige, mächtige Industrie davon, dass Frauen – und zunehmend auch mehr Männer - viel Energie und Zeit darein investieren (sollen) sich einem vermeintlichen Ideal anzunähern. Und warum machen sie das? Um geliebt zu werden. Um „richtiger“ zu sein und aus dem Empfinden heraus nicht genug, nicht richtig genug zu sein. Es sind aber mehrere Faktoren, die zusammen kommen bis eine Essstörung entsteht (auch fehlender familiärer Halt, durch den Druck einer Leistungsgesellschaft, in der weniger Zeit für die wirklich wichtigen Dinge zu sein scheint – oder falsche Prioritäten gesetzt werden). Und dies ist nie "nur eine Macke“ oder „nur der Wunsch dünn zu sein“ … Auch sei hier betont, dass es viele Formen von Essstörungen gibt und nicht alle auf den ersten Blick so sichtbar sind, wie Anorexie.

Dabei ist jeder Mensch genug. Einfach, in dem er ist und weil er ist.

Was ist denn schön?

Wer bestimmt was schön ist?

Wer sagt, dass wir dem dann zustimmen müssen?

Und: Wer will, dass ich was denke und warum?

Das ist persönlich aber ich sage es, weil ich daran glaube, anderen Frauen damit helfen zu können: Mir ist im Zuge der aktuellen Debatte nun wieder, seit den letzten Jahren alljährlich, zum neuen Staffel-Start von GNTM noch mal bewusster geworden, dass mich auch heute noch grade die Äußerungen von meinem Vater doch sehr beeinflussen und immer prägten, wenn er andere Frauen aus einem männlichen - und ja, proletenhaften Blick heraus bewertet: "Hat die dicke Oberschenkel/ die hat Cellulite/ am besten lernt man eine Frau im Schwimmbad kennen, wenn da mal das Make up ab ist“ (…), usw. Und auch heute noch bringt er manchmal solche Sprüche. Und vielleicht gefällt er sich dabei gar nicht in dieser Rolle. Vielleicht reichen meine Anmerkungen aber dennoch nicht aus, um diese zu reflektieren. Und vielleicht hindert es mich tatsächlich auch heute noch, mich ganz und gar anzunehmen.

Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet.

Christian Morgenstern

Da sind Erziehung, frühe innerfamiliäre Erlebnisse - und weitere Prägungen, die wir durch die Medien und in unserer Sozialisation erfahren - und die wirken. Und trotz des Goldstücks von Mann an meiner Seite, der alles andere als "weiblichkeits-verneinend" ist und dem nie solche Worte aus dem Mund kämen, der so nicht denkt und trotz meines Wissens und meines erwachsenen Reflexionsvermögens: Ich merke, wie prägend das war und wie mich das noch heute prägt. Und ich frage mich, wie man sich - mit Emanzipation und einer feministischen Haltung - selbst damit neu finden kann. Und ich weiß, dass ich auch damit eine unter sehr, sehr vielen Frauen bin. Darum schreibe ich darüber.

Du bist nicht (nur) dein Körper - Du wohnst in einem. Das ist ein unglaubliches tolles Gerät. Und das Wertvollste, was du besitzt. *Bewerte ihn nicht - Dein Körper ist einfach und er ist gut, wie er ist und ein wahres Wunder.*

Und ich sage das, weil ich vor allem einen mutigen Diskurs darüber befeuern möchte. Es braucht öffentlich geführte Diskurse wie #metoo, wie #aufschrei, UND es ist nötig das alles in einen Gesamtkontext stellen, das ganze riesige strukturelle Problem aufzeigen. Und ich wünsche mir immer mehr Frauen, die sich trauen und genau darüber reden und nicht mehr schweigen und immer mehr Männer, die mitziehen, verstehend, dass Gleichberechtigung für alle gut ist.

Ein Kunstwerk ist nicht schön, weil es schön ist, sondern weil es schön gefunden wird. Und Menschen, die sich schön fühlen, sind nicht (nur) schön, weil sie sich so fühlen, sie sind vor allem schön, weil ihr Selbstbewusstsein auf andere so schön wirkt.
Body-Positivity allein ist kein Beitrag zu einer besseren Welt. Aber sie ist ein richtig guter Versuch und als solcher ehrenwert.
Schönheit ist das, was Du draus machst.

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15:02 22.02.2018
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Geschrieben von

Magna

Feministin. Aktivistin. Yogini. Gelegenheitsautorin.
Magna

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