Homophob bei Maischberger

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In der Sendung Sandra Maischberger „Schwule und Lesben an die Macht!“, die ich gerade sah, beschwerte sich Norbert Geis über Diskriminierung der Heterosexuellen durch aggressive Homosexuelle, die bei seinen Auftritten, zum Beispiel in Wahlkämpfen, lautstark und zahlenmäßig in z.T. beträchtlicher Menge protestierten. In der Gedankenwelt eines einem stark reaktionären Familien- bzw. Ehebild (Klaus Wowereit über Geis in der Sendung) anhängenden CSU-Politikers, muss ein solcher Protest diskriminierend anmuten. Zumal, dass sagte Geis auch noch, die protestierenden gleichgeschlechtlichen Damen und wohl vor allem Herren „aus der ganzen Republik zusammengekarrt worden sind“. Das kennt man ja sonst nur von rechtsradikalen Demonstrationen – beispielsweise seit einigen Jahren anlässlich des 13. Februar in Dresden. Da war er wieder, der obligatorische Nazi-Vergleich (wenn auch sehr subtil).

Norbert Geis war außerdem der Meinung, dass die Diskriminierung Homosexueller in Deutschland spätestens seit der Abschaffung des § 175 passé sei und darüber hinaus ohnehin die Meinung der Stammtische, also die Witzeleien über Schwule sich nie ändern werden. Das stimmt zweifellos. Aber auch die Witzchen über Frauen (Mario Barth), Ausländer, Ossis, Wessis, Ostfriesen, Behinderte etc. werden erzählt und weiterhin gemacht werden. Ein wahrlich Geis´sches Spitzenargument.

Laut Geis ist soweit alles in Ordnung bzw. wird seit der Abschaffung des o. g. Paragraphen gnadenlos zurück diskriminiert – durch die Homos versteht sich. Wir armen Heteros haben es also inzwischen ziemlich schwer. Danke Herr Geis für Ihr Verständnis und Ihren Kampf.

Die Diskussion wurde mit der Frage begonnen, ob anlässlich der inzwischen in höchsten Ämtern angekommenen homosexuellen Politiker – Wowereit war selbst als Gast anwesend – nicht die Gleichstellung der verschiedenen sexuellen Orientierungen in Deutschland längst Realität sei. Ich glaube das nicht. Solange ein Westerwelle nicht wegen seiner expliziten Rolle als FDP-Vorsitzender und nunmehr Außenminister kritisiert und beurteilt wird, sondern gesagt wird, dass es ja immerhin der erste Schwule in diesem Amt sei und das als Wert an sich gilt, dann läuft etwas falsch. Wenn ein Gesundheitsminister Rösler, wie geschehen, als Aufsteiger explizit auf seinen Migrationshintergrund reduziert und in den Himmel gehoben wird, dann läuft etwas falsch. Wenn Frau Merkel, nur weil sie eine Frau und ostdeutsch ist, einer kritischen Betrachtung entgeht, dann läuft etwas falsch.

Vielleicht ist es angesichts der Realitäten in unserer Republik (noch) naiv. Aber ich möchte gern Beurteilungen der Akteure öffentlichen Handelns, welche völlig frei von solchen Kategorien sind. Ich wünsche mir beispielsweise eine Rezeption und Interpretation politischer Leistungen oder eben Nichtleistungen einer Angela Merkel, die unabhängig von Geschlecht und Herkunft stattfindet. Genauso möchte ich dies bei einem Guido Westerwelle. Ich begrüße jeden, der sich mit Westerwelle und seinem asozialen und populistischen Politstil kritisch oder satirisch auseinandersetzt. Aber ich möchte nicht, dass dies im Zusammenhang mit seiner sexuellen Orientierung geschieht. Denn diese hat nichts, aber auch gar nichts damit zu tun! Wenn überhaupt genauso viel oder so wenig, wie bei jedem anderen, welcher zwischenmenschliche Beziehungen pflegt und bestimmte sexuelle Orientierungen sein eigen nennt.

Geis ist ein Überzeugungstäter. Er geht allein und ohne „Mitstreiter“ in eine solche Sendung. Dies ist vielleicht das einzig bemerkenswerte dieses Abends, dieser Sendung. Insofern auch ein wenig Anerkennung für den religiös-moralisch verirrten Norbert Geis. Da er der einzige zu sein scheint, der sich mit seiner Meinung und offenen Homophobie in die Öffentlichkeit, ins Fernsehen traut. Stellvertretend für viele Protagonisten der deutschen Öffentlichkeit, die sich das nicht trauen würden, aber insgeheim „aufleuchten“, wenn einer wie Geis es tut. Wir sind noch weit entfernt von einer Normalität in dieser Hinsicht. Das hat die Sendung dann doch gezeigt.

02:02 04.11.2009
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Geschrieben von

mahung

Ende der 80er Jahre aus Halle-Neustadt zugereister Dresdner mit starker Affinität zur schönen Stadt Leipzig. Aber nunmehr in Berlin ...
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