Pädophilie ist vergleichbar mit einer chronischen Krankheit

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Diese Aussage traf ein medizinischer Experte in dem soeben in der ARD gesendeten Film „Sexobjekt Kind“.

Ein interessanter und wichtiger Film, da er versucht dem Thema mit der hier nötigen emotionalen Distanz auf den Grund zu gehen, ohne jedoch die emotionale Seite völlig auszublenden. Dies gelingt durch die Auswahl der Protagonisten. Opfer, Täter, Experten – gesellschaftlich mehr oder minder verantwortliche Akteure. Nüchtern objektiv die einen, emotional aber trotzdem sachlich die anderen. Sehr bewegend war das Statement eines inzwischen 15jährigen Mädchens, welches Opfer des neuen Freundes der Mutter wurde und im Interview alle potenziellen Peiniger dazu aufrief, sich ihrer Krankheit zu stellen, einzusehen, dass sie an einer gefährlichen Krankheit leiden. Sich helfen zu lassen bevor etwas passiert. Bewegend fand ich das deshalb, weil aus diesem Opfer, diesem Kind, dessen Kindheit früh jäh zerstört wurde, alles andere als Hass und Rache sprachen. Sogar ihrem eigenen Peiniger gegenüber brachte sie damit, zumal als Opfer, ein fast unglaubliches Verständnis auf. Wo doch gerade Betroffenen, Angehörigen bzw. Freunden undifferenzierte Hassgefühle und die besagten Rachebedürfnisse vollumfänglich zuzugestehen sind. Freilich enthüllt der Film auch, dass die gravierenden Defizite im deutschen Justiz- und Rechtssystem vieles verhindern, was im Sinne der Prävention notwendig wäre. Man setzt nach wie vor auf härtere Strafen, die keine Probleme lösen.

Ich greife das Thema deshalb auf, weil ich vor beinahe einem Jahr einen längeren Beitrag zu einem ähnlichen Thema schrieb „Todesstrafe für Kinderschänder“ und just sporadisch Kommentare von aufrechten „Kinderschützern“ erhielt, deren einzige Antwort darin bestand, sogenannte Kinderschänder vom Leben zum Tode zu befördern, um damit das pädophile Phänomen ein für allemal und endgültig zu beseitigen. Im hier beschriebenen Filmbeitrag sehe ich eine Ergänzung bzw. Erweiterung des angesprochenen Themas um weitere wichtige Aspekte. Was könnte die Bundesrepublik Deutschland tun, um präventiv wesentlich wirksamer, effektiv verhindernd, Sexualstraftaten an Kindern zu begegnen? Der Film erhellt: lebenslang wegsperren (Gerhard Schröder), aufhängen und vierteilen (Volksmund), können und werden nicht die Lösung sein.

Ich hoffe diese Reportage, verantwortlich der NDR, erscheint demnächst noch in der Mediathek und kann dort noch angeschaut werden.

Zum Schluss thematisiert der Film noch etwas augenzwinkernd die Internetsperren der Ursula von der Leyen. Ein Stoppschild bedeutet: anhalten, nach links und rechts schauen und wenn frei ist weiterfahren. Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.

23:09 19.04.2010
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Geschrieben von

mahung

Ende der 80er Jahre aus Halle-Neustadt zugereister Dresdner mit starker Affinität zur schönen Stadt Leipzig. Aber nunmehr in Berlin ...
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