Netzschau: Über das Eintuppern von Alltag und Kultur

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Bevor wir uns der Konservierung zuwenden, noch ein Blick zurück zu den bereits in der letzten Netzschau erwähnten Internet-Memes, denn seit gestern greift bereits ein neuer Mitmachscheiß um sich. Dieses Mal auf Facebook, wo die User dazu aufgerufen sind, ihre Profilbilder entsprechend eines bestimmten Mottos zu verändern. Kein neuer Mechanismus: Waren es vor einer ganzen Weile bereits Prominente, mit denen man angeblich schon einmal eine Ähnlichkeit attestiert bekam – was zum Teil seltsame, realitätsferne Eitelkeiten zutage brachte – geht es nun immerhin weitaus niedlicher zu, denn die Ansage lautet, sein Profilbild durch das einer Comicfigur aus der Kindheit zu ersetzen, was dann zu Statusmitteilungen wie dieser führt:
(Ganz abgesehen davon, dass jemand Luggis Identität geklaut hat!)

http://www.ruhepuls.ws/freitag/facebookmeme.jpg

Vorhin wurde ich gefragt, was das denn überhaupt solle. Draußen ist November und es ist grau. Spaßmachen und Buntsein genügen mir da also durchaus als mögliche Sinndeutung.

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Nun aber zum Aufbewahren: Vor ein paar Tagen las ich nickend einen Tweet von @goncourt: "Youtube, diese einzigartige Quellensammlung zur Kulturgeschichte"
Man muss diesen Satz ja aber längst nicht auf diesen einen Online-Service beschränken und gestern geisterte prompt ein Blog durch die deutsche Online-Welt, in dem bemerkenswerte Google-Streetview-Bilder gesammelt werden. "Spätestens wenn man sich an den leicht prostitutiven Konzeptschwerpunkt des Blogs gewöhnt hat, erkennt man den großartigen alltagsethnografischen Wert von Google Streetview" kommentiert Sascha Lobo auf Facebook, und ich finde, da hat er recht.

Wer es lieber ein wenig künstlerischer mag und ein Herz fürs Kino hat, der ist besser in diesem Blog aufgehoben, wo vermeintliche Standbilder aus Filmen gesammelt werden, die dann aber doch irgendwann.. ach das guckt man sich doch am besten selbst an.

Ein paar Nummern größer ist da schon die Arbeit der Weltkulturorganisation UNESCO, die gestern die Liste des immateriellen Kulturerbes, das eines dringenden Schutzes bedarf, um viele schöne Dinge erweitert hat, und um welche es sich da genau handelt, ist hier nachzulesen. (Dazu gehört unter anderem die Mittelmeerdiät – nein, ein Witz ist das nicht.)

Obwohl hoch und heilig versichert wurde, dass die Bilder von Nacktscannern wiederum nicht für die Nachwelt erhalten bleiben, sind hier nun bereits die ersten an die Öffentlichkeit gelangt. Es spricht für das Internet, dass sie immerhin hübsch aufbereitet wurden.

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Wie wichtig das Internet den deutschen Hauptinsassen ist, merkt man daran, dass die heute zum Verkauf freigegebenen 500 Early-Bird-Tickets für die im Frühling 2011 stattfindende re:publica innerhalb von zwei Stunden ausverkauft waren. Ohne Programmankündigung. Dazu herzlichen Glückwunsch!

15:53 17.11.2010
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