Tag 13 – Ein Buch, bei dem du nur lachen kannst

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Nur lachen? Allenfalls die Frage ist lachhaft. Wer hat denn solche Bücher? Schluss mit lustig. Ich habe nichts Derartiges im Regal stehen. Meine Heimat ist die Melancholie, der unterschwellige Humor. Ich bin ein Magnet für Verstimmte, zu jedem Serotoninwiederaufnahmehemmerprodukt dieser Welt kenne ich einen, der es nimmt.

Passend hierzu dann auch das lustigste Buch, das ich in meiner Wohnung finden konnte. Es ist von David Foster Wallace, und wie witzig der die Welt ohne Medikamente fand, ist bekannt.

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In Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich schreibt Foster Wallace über eine Luxuskreuzfahrt in der Karibik, die er tatsächlich selbst unternahm. Es wimmelt darin von Gehässigkeiten, schlimmen Menschen und sehr viel Fußnoten, ja manchmal nimmt die Fußnote mehr Raum ein als der Buchtext oder sie geht gleich über mehrere Seiten.

Im Buch kommt all dies zusammen, was man im Urlaub nicht erleben möchte – dabei hatte gewiss jeder einmal die illusorische Vorstellung, es könne interessant hergehen auf solch einer Kreuzfahrt. Ich beispielsweise durchschritt die Sozialisation mittels Das Traumschiff, wo man über Figuren wie Sascha Hehn lächelnd hinwegsah, weil doch das Meer und die fernen Ländern und so. Na gut, das ist zum Glück lange her. Und jetzt: Captain's Dinner!

"Natürlich entspringen gerade die Distanzierungsversuche meinerseits einem komplexen und teilweise ziemlich arroganten Selbstdarstellungsprogramm, das wiederum typisch ist für die amerikanische Oberschicht. Diesem inneren Konflikt entgehe ich auf dieser Reise keine Minute. Denn was ich auch tue, ich bin und bleibe eben Amerikaner und das ist nicht immer angenehm. Seinen Höhepunkt erreicht dieses Dilemma regelmäßig in Häfen, in denen die Nadir festmacht. Egal, ob unten im Gewusel des Hafens oder ganz oben an der Reling von Deck 12, ich werde das dumme Gefühl nicht los, dass ich ein amerikanischer Tourist bin und dadurch per se ein stiernackiger, lauter, vulgärer, großkotziger Fettsack, eitel, verwöhnt, gierig und zugleich gepeinigt von Scham und Verzweiflung. In diesem Sinne ist der amerikanische Tourist wirklich einzig auf der Welt: ein bovines Herdentier und ein Fleischfresser."

23:13 04.11.2010
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