Weiter Warten auf den Reformpapst

Papstwahl, Konklave Die liberalen bürgerlichen Journalisten versuchen, einen Reformpapst, noch dazu möglichst aus Übersee, herbeizuschreiben. Am Ende werden sie enttäuscht sein.
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3,1 Millionen - diese Zahl zitiert die deutschsprachige Wikipedia als die Anzahl der römisch-katholischen Gottesdienstbesucher. Mit einem gewissen Aufschlag für die, die den Gottesdienst nicht besuchen können, obwohl sie wollen, ist man vielleicht bei 5 Millionen und hat damit ziemlich gut die Zahl der gläubigen Katholiken in Deutschland erfasst. Die restlichen 20 Millionen Beitragszahler kann man getrost außen vor lassen, denn sie sind strenggenommen zum größten Teil keine Gläubigen im Sinne des Heiligen Stuhls, weil sie die reine Lehre anzweifeln, nicht unbedingt papsttreu sind, die Ökomene mit den evangelischen Sektierern predigen, Abtreibung nicht als Todsünde betrachten oder beleidigt wären, würde man sie als Kannibalen bezeichnen. Dies nur, um mal ein paar Glaubenssätze hervorzuheben, die eigentlich jeder Katholik verinnerlicht haben müsste.

Die tatsächliche Bedeutung der anstehenden Papstwahl für Deutschland ist also recht überschaubar. Natürlich wird sie fast unabhängig vom Wahlausgang Kritik bei zahlreichen katholischen Laienorganisationen (die qua Religion niemals Kritik üben dürften) oder berufsmäßigen Kirchenkritikern (nomen est omen) hervorrufen. Ansonsten bedeutet sie für Deutschland aber recht wenig. Die übermäßige Berichterstattung muss daher als Relikt aus der Zeit gesehen werden, als große Teile Deutschlands so katholisch waren wie das Eichsfeld oder das Oldenburger Münsterland.

Wie schon beim letzten Konklave wird seitens der gesellschaftlich mehrheitlich liberalen bis beliebigen Medien wieder tatkräftig darüber spekuliert, wer denn der nächste Papst sein könnte. Bevorzugt wird dabei der Reformbedarf der Kirche hervorgehoben und quasi nach einem Messias gerufen, der die mittelalterlichen Moralvorstellungen und zahlreichen Skandale beseitigen und durch eine zeitgemäße Religion ersetzen könnte. Ein besonders gutes Beispiel dafür bot der letzte Weltspiegel am vergangenen Sonntag, in dem ein brasilianischer und ein philippinischer Kardinal hoch gehandelt und als populäre Heilsbringer angepriesen wurden. Es sei Zeit für einen Südamerikaner oder gar einen Schwarzen, um den Muff von den Talaran zu verscheuchen.

Am Ende jedoch werden die Journalisten enttäuscht sein: Sie vergessen, dass es den Hütern des römischen Katholizismus nicht darum geht, zeitgemäß zu sein, sondern die Religion richtig auszulegen. Es geht nicht um Proporz, sondern um knallharte Machtkämpfe. Wie in der Politik auch gibt es verschiedene Fraktionen, die um den Papststuhl kämpfen, weil sie ihre Vorstellungen von der katholischen Kirche durchsetzen wollen, und denen Herkunft oder Popularität ziemlich egal sind.

Ich sehe neben einer sicherlich vorhandenen konziltreuen Fraktion, insbesondere eine ungeschwächte, gerade durch die steigende Zahl der Katholiken in den Entwicklungsländern eher gestärkte erzkonservative Fraktion. Diese hat immerhin die letzten beiden Päpste gestellt.

Ja, Johannes Paul II. war ein Hardliner, auch wenn er im Umgang mit Menschen sehr gewinnend war. Er hat die radikalen Konservativen z. B. in Opus Dei nicht geschwächt, sondern sogar befördert. Und Josef Ratzinger als sein Chefideologe war nichts weiter als der logische Nachfolger, der Johannes Pauls Erbe auf seine ihm eigene - weniger gewinnende - Weise sicherlich ausgebaut hat. Nicht zu vergessen bleibt der Einfluss, den er ganz unvermeidlich auf die Wahl seines Nachfolgers ausüben wird. Neben den ehrlichen gesundheitlichen Motiven und der ihm laut einigen Medien innewohnenden Abneigung gegen ein öffentliches Siechtum wie bei seinem Vorgänger dürfte auch strategisches Denken Benedikt XVI. zu diesem Schritt bewogen haben.

Schließlich wird es noch eine wachsende Fraktion derjenigen geben, die endlich wieder einen Italiener als Bischof von Rom sehen wollen. Schließlich handelt es sich immer noch um ein italienisches Bistum, das traditionsgemäß von einem Italiener zu besetzen ist. Man stelle sich einmal vor, dem Erzbistum Köln stünde in beständiger Folge ein Ausländer vor!

Man sehe sich nur die List der - wie ich unterstelle - vorwiegend traditionell denkenden europäischen und nordamerikanischen Kardinäle an und lege sie vergleichsweise neben die der übrigen Kardinäle. Die Länge der ersten übertrifft die der zweiten spielend bei weitem.

Nein, der neue Papst wird voraussichtlich ein konservativer, nicht gerade weltbekannter und auch nicht sonderlich populärer Italiener werden, auch wenn es die deutschen Medien sich anders wünschen. Danach geht es aber eben nicht.

Abschließend noch eins, bevor man mich wieder vorschnell in irgendeine Ecke stellt: Dieser Kommentar stellt nicht meine Wünsche dar, wer der nächste Papst werden soll. Das ist mir völlig egal. Es geht nur darum, eine Lageeinschätzung aus meiner Sicht zu liefern.

00:07 26.02.2013
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Geschrieben von

Malte D.

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