Privatissimum

Bei ihrem historischen Treffen in Erfurt 1808 soll der russische Zar Alexander I. den französischen Kaiser Napoleon gefragt haben, ob er eine der ...

Bei ihrem historischen Treffen in Erfurt 1808 soll der russische Zar Alexander I. den französischen Kaiser Napoleon gefragt haben, ob er eine der mitgereisten Schauspielerinnen der Comédie Française zu seiner Geliebten machen solle. Das sei kein Problem, aber wenige Tage später wüsste ganz Paris, wie der Zar von Kopf bis Fuß gebaut sei.

In Paris wird geklatscht. Von den letzten drei Präsidenten konnte man in diversen Salons und Zirkeln allerlei über deren Privatleben erfahren. Affären und außerheliche Kinder, alles wurde fröhlich weitererzählt (und das meiste davon schien sogar zu stimmen). Aber nie konnte man dergleichen in der Presse finden, auch nicht in Enthüllungsblättern wie dem Canard Enchaîné. Das Privatleben der Politiker ist nicht politisch. Berichte über Affären würden auch niemals schaden. Wie einst die Könige scheinen die französischen Präsidenten eine besondere Form der Zuwendung zu ihrem Volk zu kennen, die in der Verfassung nicht vorgesehen ist, aber doch einen heimlichen sozialen Zweck erfüllt. Wie schade, dass das in Deutschland nicht auch so sein kann.

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