Sozialpolitik mit fragwürdiger Gewaltstruktur

Unser Wertesystem Der Respekt des Staates und der Politik gegenüber der Erde als Lebensraum aller Menschen geht verloren. Diese Menschenfeindlichkeit produziert neuen Hass und neue Kriege.
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Michel Friedmann beschreibt in Die Welt:
"dass die Menschenhasser das Judentum und die Freiheit verachten, die Gleichheit aller Menschen, die Demokratie und unser gesamtes Wertesystem".


Statt uns jedem Rassismus, jeder Menschenfeindlichkeit und dem Antisemitismus zu stellen, lassen wir Angriffe auf unser Wertesystem - von innen und von außen - in grobfahrlässiger Weise zu. Wenn wir dem Antisemitismus den Boden entziehen wollen, müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass jeder Hass, gegen jede Menschengruppe nicht als "salonfähig" gelten darf.

Der Staat, seine Oberhäupter oder seine Regierungen erinnern uns gerne in Sonntagsreden an die individuelle und persönliche Pflicht und Verantwortung jedes Einzelnen.

Aber gleichzeitig tritt der Staat selbst die Menschenrechte mit Füßen. Einzelne Gruppen werden wieder ausgegrenzt.

Zum Beispiel, indem er jahrzehntelang nicht die Opfer vor "Menschenhassern" besser verteidigt. - Indem er die Freiheit, Menschenwürde, Gleichheit und Teilhabe aller Menschen eben nicht schützt. - Indem gleiches Recht eben nicht für alle gilt. - Und indem die demokratischen Grundrechte eben nicht für alle gleichermaßen gelten.

Allein die fragwürdigen, gewollten Gewaltstrukturen unserer Sozialpolitik, haben unsere Gesellschaft nachhaltig verändert und gespalten.

Die finanziellen Vorteile oder Nachteile, die sich für einzelne Personen oder Gruppierungen dadurch ergeben haben, sind heute nicht das Thema - und auch keine blöde Neiddebatte.

Viel dramatischer sind die Auswirkungen auf die Gesellschaft zu bewerten. Und zwar das, was den betroffenen Menschen auf beiden Seiten - durch den Staat - angetan wurde und wird. - Den Opfern und den Tätern.

Die entrechteten Opfer fühlen die Ohnmacht, den Schmerz und auch die Ausweglosigkeit gegen den "(Un)Rechtsstaat" - und viele gehen daran zugrunde.

Die ausführenden Täter sind gleichzeitig auch Opfer. Die Anständigen unter Ihnen versuchen es wenigstens, die Menschenrechte einzuhalten. Die Menschenschinder allerdings haben kein Problem damit, die politischen Vorgaben noch willkürlich zu überschreiten.

Und das Schlimmste daran ist, dass sich die Persönlichkeitsstruktur dieser (im staatlichen Auftrag) handelnden Täter nachhaltig verändert. - Und mit Ihnen verändert sich auch das allgemeine Sozialverhalten der Täter und der ganzen Gesellschaft.

Wenn sich das Rechtsbewusstsein auch in der Justiz entsprechend verändert hat, dann ist das Unrecht generell zum neuen "Recht" geworden.



Die Methoden dieser strukturellen Gewalt sind geeignet Menschen zu "vernichten" und ihren Willen zu brechen.

Es geht nur um die Erklärung der offensichtlichen Zusammenhänge mit dem Blick auf diese neuen Gefahren! - Es geht nicht um das unvergleichbare Leid, das den Juden von meinen Vorfahren angetan wurde.

Wir waren auf einem guten Weg, alles zu tun, dass sich diese Vergangenheit nie mehr wiederholen kann. Die Sonntagsreden aller Politiker gaukeln uns das regelmäßig wohlformuliert vor. - Aber unser mühsam erarbeitetes Wertesystem ist zunehmend in Gefahr. Das ist an vielen Stellen klar zu erkennen, in der Sprache, in Taten, auf der Straße und in der Politik und durch viele politische Handlungen und Unterlassungen.

Der Respekt des Staates und der Politik gegenüber der Erde als Lebensraum aller Menschen geht verloren.

Diese neue Menschenfeindlichkeit produziert neuen Hass und neue Kriege.

Wenn unser Staat - nach innen und nach außen - konsequent nach unserem angeblichen "Wertesystem" handeln würde, dann könnte sich sehr viel mehr zum Guten bewegen. - Da dem nicht so ist, stimme ich Michel Friedmann zu: "(Fast)" nichts hat sich bewegt."

Der Aufsatz von Michel Friedmann/Antisemitismus erinnert an neue Gefahren. Die Gewaltstrukturen unserer Sozialpolitik seit 2003 sind den Mechanismen der Zeit vor 1945 sehr ähnlich.

22:03 04.08.2014
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Geschrieben von

Manfred Fröhlich

Ich twittere gelegentlich als Fenschtergucker @Kulturbuendnis
Manfred Fröhlich

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