RE: Für immer Pappkopie | 24.05.2018 | 16:34

Ich verstehe nicht ganz den Sinn des Artikels. Die Argumentation ist eher dürftig, die Missgunst (?) des Autors dagegen umso markanter. Beispiele:

"Dagegen haben Leute, die etwas davon verstehen – sagen wir mal, der international renommierte Kritiker und Kurator Hou Hanru –, schon länger betont: „Als Künstler ist er völlig uninteressant.“"

Argumentum ad verecundiam. Können Sie, Herr Schmidt, argumentativ darlegen, was Ai als Künstler "uninteressant" macht?

"Tatsächlich hegt er eher schlichte politische Vorstellungen, die sich zumeist darauf beschränken, dass der Staat ein Feind der Kreativität und Freiheit sei, und deshalb zu bekämpfen. Damit kommt er besonders gut bei Leuten an, die ähnlichen neoliberalen Thesen anhängen."

Was macht diese Ansichten, abgesehen von Ihrer versimpelten Darstellung, im konkret chinesischen Fall schlicht oder gar neoliberal (linke Anarchisten dürften eine recht ähnliche Auffassung vom Staat vertreten)? Was müsste Ai denn konkret politisch fordern, um von Ihnen als "großer politischer Denker" anerkannt zu werden? Die kommunistische Revolution kann es ja nicht sein...

"Das größte Missverständnis aber ist, dass Ai ein echter Dissident sei (...) Aufgrund der Stellung seines Vaters durfte sich Ai Weiwei in puncto abweichender Meinungsäußerung immer deutlich mehr erlauben als andere"

Auch privilegierte Personen können zu politischen Dissidenten werden. Wo sehen Sie darin einen Widerspruch?

"Doch auch nach dieser kurzen Haft passierte ihm kaum etwas (...) Ai kann immer noch jederzeit nach Peking fliegen, was er von Zeit zu Zeit auch tut, unter anderem, weil dort die Frau, mit der er verheiratet ist, seine Liegenschaften verwaltet."

Das mag auch auf die internationale Aufmerksamkeit zurückgehen, die ihm zugute kommt. Und nein, auch der Verweis auf Ais Liegenschaften ist kein starkes Argument gegen seinen Dissidentenstatus.

Do you have an axe to grind, Mr. Schmidt?

RE: Er kitzelt den Drachen am Schwanz | 18.05.2018 | 17:16

Na, immerhin scheint man so langsam auch in Deutschland zu realisieren, dass Israel keineswegs Opfer, sondern vielmehr - kraft seiner Lobby - gemeinsam mit den USA Hauptverursacher des Großteils der vergangenen und gegenwärtigen Kriege in der Region ist (von den eigenen Massakern ganz zu schweigen). Diese Erkenntnis ist überfällig, da das Ganze bereits Ende der 90er absehbar war (PNAC) und spätestens mit dem Erscheinen der "Israel Lobby" 2007 auch der deutschen Öffentlichkeit vorliegt.

PS.: Wer nach dem Buch von Mearsheimer und Walt googelt, wird auf Artikel namhafter deutscher Zeitungen und Websites aus dem Erscheinungsjahr stoßen, in denen auf die eine oder andere Weise versucht wird, den Autoren des Buches Antisemitismus anzuhängen. Da sich diese Vorwürfe wie gewohnt als unhaltbar erwiesen, scheint man mittlerweile zu einem konsequenten (Ver-)Schweigen übergegangen zu sein. Die Tragweite von Bibis Schwanzkitzeleien wird man jedoch nur dann verstehen können, wenn man sich den Einfluss der Israel-Lobby vergegenwärtigt.

RE: Wir wollen einfach eine Zukunft | 17.05.2018 | 02:13

Das verwundert mich leider auch nicht mehr. Der deutsche Philosemitismus - denn als solcher präsentiert sich der hiesige, nichtjüdische Zionismus nahezu durchgängig - agiert eben wie sein antisemitisches Gegenstück: "Die" Juden werden zu einem einheitlichen Block zusammengeschmolzen und mit spezifischen Eigenschaften und Interessen bestückt, welche zufälligerweise mit jenen Israels kongruieren. Wer aus der Reihe tanzt, wird als Anomalie, als jüdischer Antisemit bzw. selbsthassender Jude identifiziert und politisch/medial/juristisch bekämpft. Dass dadurch auch in Teilen der deutschen Bevölkerung Juden als solche mehr und mehr als Repräsentanten der israelischen Politik wahrgenommen werden, nimmt man wohl (bereitwillig?) in Kauf.

Mit Blick auf den organisierten Zionismus in Deutschland sollte man meiner Auffassung nach zwischen den wahren Gläubigen, den Opportunisten und den eigentlichen Profiteuren (in Politik, Wirtschaft etc.) unterscheiden. Viele "linke" Zionisten scheinen mir in die zweite Kategorie zu fallen. Die öffentliche Huldigung der Ethnokratie wird von diesen als Ticket zur Macht begriffen, der sich bekanntlich jede Moral unterzuordnen hat. Aus demselben Grund konnte ein gewisser BAK Shalom über Jahre hinweg nahezu ungestört in der Partei wüten, obwohl er sich mehr als einmal als "Feind im Inneren" zu erkennen gab. Diese "Linken" sind weder an einer Lösung des Konflikts interessiert noch wären sie zu einer Mitarbeit diesbezüglich imstande, da sie durch ihr karrieristisches Agieren Teil des Problems sind.

"When you are part of the problem in these lands, you cannot produce a solution. And yes, indeed, you are part of the problem." (Sezai Temelli, HDP an die Adresse der AKP, was leider auch auf die deutsche Politik zutrifft.)

https://anfenglish.com/kurdistan/hdp-co-chair-palestine-turned-into-propaganda-material-in-turkey-26703

RE: Wer ist schuld am Antisemitismus? Netanjahu! | 04.04.2018 | 12:39

Die Erwähnung der "Vorliebe für teure Zigarren und Champagner" als antisemitisch zu beurteilen ist ebenso irrsinnig wie es die derzeitigen Antisemitismusvorwürfe gegen Corbyn sind. Aber anders als in England ist diese Hysterie hierzulande wahrlich nichts Neues.

Selbstverständlich trägt die koloniale und rassistische Politik Israels eine entscheidende Mitschuld an der Stärkung judenfeindlicher Ansichten. Dies anzusprechen ist nicht antisemitisch, sondern trägt lediglich der Entwicklung der Judenfeindlichkeit seit 1945 Rechnung.

Und ja, Israel hat eine Sonderrolle. Schließlich ist es vor nicht allzu langer Zeit durch eine massive, von außen forcierte und die Interessen der einheimischen Bevölkerung missachtende Einwanderung europäischer Juden entstanden. Die Staatsausrufung ging einher mit der Ermordung palästinensischer und britischer Zivilisten sowie der Vertreibung eines Großteils der nichtjüdischen Bevölkerung. Diese ethnische Säuberung wird bis heute in Form des Baus illegaler jüdischer Siedlungen auf palästinensischem Land fortgeführt. Darüber hinaus okkupiert Israel seit Jahrzehnten libanesisches und syrisches Staatsgebiet, wodurch es der syrischen Bevölkerung das ihr rechtlich zustehende Trinkwasser abgräbt. Zudem weigert sich Israel bis heute, seine Staatsgrenzen in einer geschriebenen Verfassung zu definieren, wodurch Expansionsbestrebungen (Stichwort: Großisrael) quasi keine Grenzen gesetzt sind. Dass sich nun ausgerechnet ein solcher Staat über die "Eindringlinge" aus Afrika empört, welche die "jüdische Identität" Israels ins Wanken brächten, ist schlichtweg bezeichnend.

Und nun erklären Sie mir bitte, was die Regierungen "Ungarns, Tschechiens oder Polens" in den letzten Jahrzehnten Vergleichbares vollbracht haben, das den von Ihnen vorgenommenen Whataboutism rechtfertigt.

Es gibt viele Juden und Nichtjuden, denen eine Differenzierung zwischen der Ethnokratie Israel und "den Juden" an sich kurioserweise gar nicht so schwer fällt, wie dies von interessierter Seite stets suggeriert wird. Falls Sie, Frau Koester, und Ihre "Mitstreiter" zu Derartigem nicht fähig oder nicht willens sind, ist das nicht die Schuld einer wie auch immer gearteten antisemitischen Verschwörung, sondern spiegelt lediglich Ihre eingeschränkte Weltsicht wider. Angesichts dessen verstehe ich nicht, inwiefern Sie sich berechtigt fühlen, anderen Menschen die Spielregeln für eine nichtantisemitische Israelkritik vorzuschreiben.

Ich für meinen Teil werde mich in meiner Kritik an Israel sicherlich nicht von Ihrer mangelhaften Vorstellung von Antisemitismus leiten lassen.

RE: Furcht vor klugen Köpfen | 21.11.2016 | 20:04

Richtig. Das, was einige Linke zugunsten einer intensivierten Anti-Haltung fallengelassen zu haben scheinen, beinhaltet nicht zuletzt die internationale Solidarität. Man agitiert lieber gegen (reale oder fiktive) "Eliten", anstatt sich für die Menschen stark zu machen, die sich tatsächlich und bereits seit Jahren für die "Elenden" des globalisierten Zeitalters einsetzen (zu denen eben auch nationale, ethnische, religiöse etc. Minderheiten zählen) und der Präsidentschaft von Trump mit m. E. berechtigter Sorge entgegensehen. Ob es mit Clinton besser aussähe, ist dabei irrelevant.

Aus einer eurozentrischen Sichtweise mögen die Betonung der (immer noch unklaren) außenpolitischen Agenda Trumps und das Ausblenden seiner innenpolitischen Vorhaben durchaus sinnvoll sein. Ein derartiges Kalkül sollte jedoch niemals mit linker Politik identifiziert werden.

Wahlen sind eben nicht alles. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich auch ohne parlamentarische Mehrheit für benachteiligte, vergessene Menschen und gegen ungerechte gesellschaftliche Zustände einzusetzen. Würde ein größerer Teil jener Menschen, die den gegenwärtigen Verhältnissen in der Welt kritisch gegenüberstehen, einen kleinen Teil dieser Möglichkeiten in Anspruch nehmen, fiele es den vielen Trumps womöglich nicht mehr so leicht, sich als tatsächliche, alternativlose Alternative zu präsentieren.

RE: Was heißt hier „Schuld an Trump“? | 19.11.2016 | 19:15

"Bäääh, alles russophobe Idioten! Putput hilf!"

Außerdem:

"Here is an incompetent thin-skinned ignorant boorish fraudulent omnihypocritical demagogue with no idea how to run a country, whose philosophy of governance basically boils down to 'I’m going to win and not lose, details to be filled in later'"

Aber Hauptsache nicht russophob und gegen die pösen"Eliten", gell?

RE: Was heißt hier „Schuld an Trump“? | 18.11.2016 | 22:11

"Aber ich möchte Sie in ihrer ideologischen Gewissheit nicht weiter erschüttern."

Ha ha ha. What a story, Mark.

Na, dann wünsche ich Ihnen auch weiterhin süße Träume. Aber nicht zu spät aufwachen, sonst verpassen Sie noch was.

RE: Darth Trump und das Empörium | 18.11.2016 | 21:59

Na, Sie sind mir ja einer. Den "Verrat" haben Sie doch mit ins Spiel gebracht. Ich darf Sie zitieren:

"Der Verrat der Intellektuellen an der sozialen Bewegung hat kurz nach 1989 eingesetzt."

Zum Übrigen:

"Die Neocons haben sich als relativ geschlossene Sekte vom Trotzkismus zur neofaschistischen Ideologie des Straussianismus gewendet. Eine hasserfüllte Feindhaltung zur UdSSR hatten sie schon als Trotzkisten, insofern stellt die Russophobie eine Kontinuität dar."

Och, die Bösen! Nachdem man sie wie Hunde gejagt und ihren Anführer ermordet hat, haben sich diese Blödies von Mütterchen Russland und der realsozialistischen Sekte abgewandt! Russophobie pur! *facepalm*

"Die US-Aussenpolitik war auch, bevor sie von den Neocons gehijackt wurde, nicht friedlich. Sie war aber die meiste Zeit über realistisch und kannte Mässigung."

Die Koreaner und Vietnamesen können ein Lied davon singen. ...in welcher Welt leben Sie noch mal?

"Auch Obama spricht von 'Exzeptionalismus'"

Die Idee eines amerikanischen Exzeptionalismus existiert ja auch schon seit dem 19. Jahrhundert. Die hat nicht Ihre PC-Trotzkisten-Neocon-Neoschießmichtot-Verschwörung hervorgebracht.

"Das ist eine Herrenvolkideologie, die von der nazistischen nicht weit entfernt ist."

Und deswegen brauchen wir einen Weißnationalisten wie Trump, der das Rad der Geschichte auf den Stand von 1945 zurückdreht, Mütterchen Russland glücklich macht und es den blöden Eliten mal so richtig zeigt! ...indem er sie in sein Kabinett holt.

Und das Ganze hat auch irgendwie mit PC zu tun... oder so.

Sie Ärmster... Ich kann nur für Sie hoffen, dass Ihre Blase bald und nicht zu spät platzt. Je höher der Flug, desto härter der Aufprall auf dem Boden der Tatsachen.

RE: Darth Trump und das Empörium | 18.11.2016 | 03:09

Pardon, "antikommunistische Masche"? Zählt denn für Sie jeder, der nicht Ihrer hier angedeuteten (auf dem ersten Blick recht angestaubt erscheinenden) Weltanschauung anhängt, zum "Antikommunismus"? Muss ich Sie nun im Gegenzug des Stalinismus bezichtigen? (Gott bewahre!)

Wenn ich Sie also richtig verstehe, haben sich diese intellektuellen "Verräter" angesichts der Umsturzerscheinungen im Realsozialismus 1989 gegen den Marxismus und das Proletariat verschworen und den (bereits in den 70ern von der amerikanischen Linke gestarteten) PC-Diskurs noch einmal erfunden, um... ja, wozu eigentlich? Egal.

Die trotzkistischen Verräter haben hingegen raffinierterweise bereits Jahrzehnte vor der Wende den Übergang zum Neokonservatismus vollzogen, um dem "Neofaschismus" zur Macht zu verhelfen. ...was auch irgendwie mit dem PC-Diskurs zusammenhängt...

Und deswegen braucht es einen waschechten Mann des Volkes wie den Milliardär Trump, der den ganzen PC-Neocon-Neofaschismus-whatever-Laden zumacht und sein Volk von dem Joch der Elite, zu der er selbst garantiert nicht gehört, befreit. (Ich weiß ja, ich lege Ihnen Worte in den Mund.)

Wie ich sehe, gibt es noch ganz andere Blasen, in denen sich gewisse "Linke" pudelwohl fühlen...

RE: Was heißt hier „Schuld an Trump“? | 18.11.2016 | 01:30

Oh my, Sie brauchen mein Posting nicht persönlich zu nehmen. Aber sei's drum, sehen wir uns einmal Ihre "Argumente" an.

"Für ihn sprechen die aufgeregten Tiraden der neofaschistischen Neoconsekte in beiden Parteien."

Da ist Ihr Informationsstand offenbar etwas veraltet, da diese "neofaschistische" (inwiefern faschistisch?) Neocons gerade dabei sind, sich in die trumpsche Mannschaft zu schleimen. Bolton ist eben nicht nur von Ihnen "beeinflusst", sondern einer von ihnen. Zur Erinnerung: in der Obama-Administration waren sie so gut wie gar nicht vertreten (ohne der Kriegseifer einen Abbruch zu tun, wie es scheint).

"Es wird sich zeigen, wie sehr der Präsident seinen im Wahlkampf und davor gegen Widerstände und opportunistische Erwägungen (Freunde in den Eliten hat ihm das nicht gebracht) vertretenen Pragmatismus durchsetzt."

Wie zuvor erwähnt, werde ich nicht versuchen, Sie von Ihrer Wolke herunterzuholen. Zur Anregung könnten Sie sich aber diese Liste anschauen:

https://www.documentcloud.org/documents/3217279-2016-11-10-Transition-Team-List.html

Von Coca-Cola bis Verizon sind alle vertreten. Von Sheldon Adelson und seiner großzügigen Unterstützung gar nicht anzufangen. Sieht so Anti-Establishment aus?

"Eins hat Trump erreicht, nämlich den Wunsch nach Änderungen aufrechtzuerhalten, der in der Ära Obama so deprimierend beerdigt worden ist."

Änderungen, auf die Sie interessanterweise nicht näher eingehen. Sprechen wir doch mal über Trumps Chefstrategen Stephen Bannon. Dieser betreibt eine Seite, welche nicht nur als Lautsprecher der Weißnationalistischen Bewegung sowie als Spielplatz von Antisemiten und anderen Rassisten dient, sondern zudem einen derart rechten Zionismus in der Außenpolitik propagiert, dass selbst ein Netanyahu dagegen moderat erscheinen könnte. Konsequenterweise wurde Bannon kürzlich von Personen wie David Horowitz und Alan Dershowitz in Schutz genommen, welche jemandem, der von "Neoconsekte" schreibt, nicht fremd sein dürften. Der trumpsche Pazifismus bekommt Risse...

"Politiker wie Sen. Sanders und Sen. Warren werden ihn da beim Wort nehmen und erbarmungslos grillen, wenn er auch da vor den Eliten zurückweicht."

Auf die Gefahr hin, Sie in Ihrem Wunschdenken zu stören: Was sollte Trump dazu zwingen, auf die von Ihnen erwähnten Senatoren zu hören? Und mit welcher Macht wollen diese ihn "grillen"? Sowohl der Senat als auch der Kongress sind republikanisch dominiert und gefüllt mit jenen, die Sie hier als "Elite" betiteln. Oder denken Sie etwa, der Milliardär Trump wird sich ohne Zwang von seinem sozialistischen "Klassenfeind" leiten lassen und seiner eigenen Schicht edelmütig den Rücken kehren? Derselbe Trump, der sich fest vorgenommen hat, massive Steuererleichterungen für die oberen 1% (welche wohl in Ihrer Definition von "Eliten" nicht vorkommen) in Angriff zu nehmen?

Aber genug, ich möchte nicht weiter stören.

PtS