Zwischen Prinzipienethik und Spieltheorie

ein Gedankenbrocken: Harmonie vs. Konflikt
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Spielt man ein Spiel, so ist der Endzweck dieses Spiels stets der Sieg über den Kontrahenten. Das Spiel selbst und die in ihm gesetzten Handlungen sind bloßes Mittel zum Zweck. Zwar mag ein Spiel zweifellos seinen Zweck haben entweder als bloßer Zeitvertreib oder als Weg die eigenen Fähigkeiten zu verbessern. Ist ein Spiel jedoch auch moralisch in dem Sinne, dass seine Regeln, den Kontrahenten zu besiegen, auch außerhalb seiner Rahmenbedingungen wünschenswert, ja erstrebenswert sind?

So würde wohl niemand behaupten, dass Lügen eine gute Sache ist. Auch der ertappte Lügner hätte wohl Probleme seine Tat damit zu rechtfertigen, dass er ja selbst auch kein Problem damit hätte belogen zu werden. Es ist denkunmöglich die Lüge als allgemein gültige Regel anzuerkennen. Anders jedoch ist es in einem Spiel, hier ist es zuweilen sinnvoll den Kontrahenten zu täuschen. Ja, es ist sogar notwendig jederzeit damit zu rechnen selbst in die Irre geführt zu werden, denn jeder Spieler kann sich in Bezug auf seinen Gegner nur einer Sache sicher sein, dass dieser siegen will und seine ganzen Handlungen darauf ausrichtet, dies immer auf Kosten des Kontrahenten.

Eine Gesellschaft, die dieses spielerische Denken zur Maxime erhebt, ist eine Gesellschaft, deren Mitglieder sich in einem permanenten Wettkampf miteinander befinden. Der Kampf ist nicht länger eine Ausnahme, die in mehr oder weniger gelenktem Rahmen in Erscheinung tritt. Nein, der Kampf, als Kampf aller gegen alle, wird zum gesellschaftsbestimmenden Lebensinhalt. Die Frage, die sich daraus ergibt, ist, ob dieser Lebensinhalt gleichsam ein Wesensmerkmal des Menschen ist oder ob nicht jede Handlung gemessen an ihrer Tauglichkeit als allgemeingültige Regel und die daraus resultierende kooperative Gesellschaft dem Wesen des Menschen viel eher entspricht? Nimmt man Letzteres an, dann bestimmt sich der moralische Wert einer Handlung nicht durch ihren unmittelbaren Nutzen.

Die abschließende Entscheidung, welche dieser beiden Lebensformen dem Menschen am ehesten zukommt, mag eine ideologische sein. Was jedoch feststeht, ist, dass der Mensch bzw. die Menschheit selbst die Freiheit hat zu entscheiden, welches Wesen seiner Gesellschaft letztlich zukommt. Und das weder die eine oder andere Art zu leben unser Wesen ausmacht, denn es ist die Freiheit, die bestimmt aber gleichsam auch verantwortlich macht, ob wir im Kampf aller gegen alle unsere Zukunft sehen oder in einem friedlichen Miteinander.

16:12 11.09.2016
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