Das Geheimnis des Glücks

Blück Wenn wir heute vom Glück sprechen, so meinen wir meist ein unbeschwertes und ­sorgenfreies Leben, angefüllt mit angenehmen Ge­fühlen.
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Der moderne Mythos vom Glück gaukelt vor, dass dieses irgendwo dort draußen nur darauf wartet, erjagt zu werden. Die Werbung liefert hierzu schillernde Bilder frei Haus und kreiert unab­lässig neue Wünsche, deren Erfüllung das ersehnte Glück in Aussicht stellt. Doch paradoxerweise scheint es gerade dieses rastlose Streben zu sein, das der Lebenszufriedenheit im Wege steht. „Ja, renn nur nach dem Glück, doch renne nicht zu sehr, denn alle rennen nach dem Glück, das Glück rennt hinterher“, dichtete deshalb wohl Bert Brecht in seiner „Ballade von der Unzulänglichkeit des menschlichen Planens“.

Wir erhoffen von äußeren Bedingungen, dass sie uns dauerhaft glücklich machen: die schöne Wohnung, die Beförderung, der neue Partner, die neue Partnerin an unserer Seite. Nur um schon bald feststellen zu müssen, dass der Glücksschub nicht lange anhält. Denn wir Menschen haben ein erstaunliches Talent darin, uns an Veränderungen zu gewöhnen. Und so wird das, was eben noch Glück versprach, allzu schnell wieder fad.

Erst wenn wir erkennen, dass die äußeren Bedingungen letztlich nur einen geringen Teil zu unserer Lebenszufriedenheit beitragen, werden wir die Glücksjagd einstellen. Groß angelegte Studien aus der Psychologie belegen, dass Lebensumstände lediglich zu 10 Prozent das Glücksempfinden beeinflussen. Entscheidend für dieses sind vielmehr zwei andere Faktoren: die eigene Lebensanschauung sowie eine genetische Veranlagung. Es scheint also weit weniger von Bedeutung zu sein, was in unserem Leben geschieht, sondern mit welcher Einstellung und inneren Gestimmtheit wir darauf reagieren.

Meine Freundin Michaela ist ein Glückskind. Ausgestattet mit einer fröhlichen Natur und einem unverwüstlichen Optimismus, scheint für sie die Sonne heller zu strahlen als für die Menschen um sie herum. Bei gemeinsamen Ausflügen am Ostseestrand bin immer ich es, die die dunklen Wolken am Himmel erspäht, während sie noch ihr Gesicht behaglich den letzten Sonnenstrahlen entgegenstreckt. Michaelas genetische Anlagen begünstigen offenbar, dass in ihrem Körper die „Glückshormone“ Serotonin, Dopamin und Morphin eine gelungene Allianz eingehen können. Circa 50 Prozent unseres Glücks­potenzials, so belegen wissenschaftliche Forschungen, sind tatsächlich diesem vererbten Glückscocktail und dem von diesem ausgelösten Wohl­befinden geschuldet.

Doch müssen wir anderen, die von Haus aus nicht mit diesem sonnigen Gemüt gesegnet sind, uns nun damit abfinden, dass Wolken unseren Lebenshorizont überschatten? Keineswegs! Denn es bleibt uns ja immer noch gut die zweite Hälfte des Glückspotenzials zur ­freien ­Verfügung. Und dieses, so die amerikanische Psychologieprofessorin Sonja Lyubomirsky, wird von unserem eigenen Denken und Handeln bestimmt. Auch wenn meine Gene also nicht mit diesem Sonnenfaktor ausgestattet sind, so kann ich mich doch dafür entscheiden, mein Gesicht der Sonne zuzuwenden. Das habe ich mir von meiner guten Freundin über die Jahre abgeschaut und dabei festgestellt: Ja, Glücklichsein kann man tatsächlich üben. Denn es hängt maßgeblich von unserer Entscheidung ab, worauf wir blicken.

14:30 11.09.2018
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Geschrieben von

Manuela Böhm

Literatur über Leben & Liebe
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