resolut

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RE: An die Nachgeborenen der RAF | 16.07.2012 | 08:06

Ich habe lange überlegt, ob ich hierzu einen Kommentar abgeben soll.

Einerseits bin ich einer der 'Nachgeborenen der RAF', also aus der Generation, die als Heranwachsender unter Terror und Gegenterror zu leiden hatte (und mir ist wirklich wurscht, welche Seite hier wie John Rambo der Meinung ist, das erste Blut hätte nicht er vergossen), der schon als Kind auf allen damals zur Verfügung stehenden medialen Kanälen vorgeführt bekommen hat, zu welchen Ungerechtig- und Abscheulichkeiten ein Staat fähig ist, wenn er sich auch nur in seiner satt-zufriedenen Vergangenheits-Verdrängung gefährdet sieht, egal ob als Institution oder in Form von rechtlichen Konsequenzen bzw. möglichen Karriere-Defiziten 'staatstragender' Individuen.

Wir (aus dieser Generation, die bei Wagenkontrollen noch die Maschinenpistole vors Gesicht gehalten bekommen haben, auch wenn sie als erkennbare Teenager auf dem Rücksitz saßen) haben aber auch gesehen, zu was eine messianische Paranoia (auch hier lasse ich mich gern über den 'richtigen' Fachausdruck belehren, solange es den Inhalt trifft) führen kann: Menschenverachtung und Perpetuum-Mobile-Brutalität. Die völlige Verkennung der in der Gesellschaft verbreiteten Meinung und Bereitschaft, eben diese Vergangenheit minutiös aufzuarbeiten, Lehren daraus zu ziehen und ggf. Täter (und nicht vergessen: Mittäter!) zu bestrafen hat doch nur zu einem Lagerkoller und einer Realitätsferne geführt, den man gut bei extremen Sekten nachvollziehen kann.

Was nun den Artikel betrifft, so verniedlicht er mir zu stark. Nett gemacht, der Einstieg mit dem gefeuerten Freund, das Gruselbild des Molochs Überwachungsstaat, der sogar entlassene versicherungsangestellte zu Tür begleitet.

Ich habe aber damals schon gelebt und die Heldenverehrung selbst ernannter Robin Hoods, die angeblich bereit waren, ihren Körper und ihr Leben in Wagschalen zu werfen, widert mich an. Zuallererst haben sie mal das Leben der von ihnen definierten 'Untermenschen' (aka Schweine) riskiert und darin gleichen sie den Alt-Nazis und Kollaborateuren, gegen die und gegen deren Lobby sie ja mal ursprünglich vorgehen wollten. Und wenn sie so heldenmütig und uneigennützig waren, für die Befreiung der Gesellschaft - also uns - den Tod in Kauf zu nehmen, warum können sie dann nicht mal zugeben, wer denn nun wirklich was getan hat? Weil immer noch Knast droht? Knast, schlimmer als der Tod für 'die Sache'?

Na, darin gleichen sie dann ja wohl auch wieder ihren Vätern und Großvätern. Bunkermentalität, Korpsgeist, Mauer des Schweigens. Nur Legenden und Heldenverehrung, keine Schwächen oder gar Fehler zugeben, niemals Verantwortung übernehmen. Da ist eine Geheimgesellschaft wie die andere, egal ob Sekte, Mafia oder Extremisten-Partei. Erst wurden gesellschaftlich definierte Sündenböcke eingesperrt und vernichtet, dann Polizisten und Politiker gejagt und erschossen, heute schicken sie Selbstmord-Attentäter auf Marktplätze. Interessant ist, dass die, die die Deutungshoheit für sich beanspruchen, meist überleben. Und nicht genug Arsch in der Hose haben, Verantwortung zu übernehmen.

Hat sich schon mal irgendwer gefragt, warum die Studenten in den Achtzigern angeblich so unpolitisch waren? Nur Hedonismus und Selbstverwirklichung, mit ein wenig 'no future' gemixt? Ich meine, wenn man als Kind bis Jugendlicher die Gesichtslosigkeit und Beliebigkeit beider gesellschaftlichen Extreme gleichzeitig so drastisch demonstriert bekommt, wie in den späten Siebzigern und frühen Achtzigern, hat sich das mit dem Welt retten von vornherein erledigt.

Also feiern Sie Ihre Helden noch ein bisschen im Sympathisantenkreis, bestätigen Sie Sich ruhig gegenseitig, dass die Folgen, besonders die, die Ihrem Weltbild nicht entsprechen, nicht schwer wiegend wären, dass Sie alle nichts falsh gemacht haben.

Aber versuchen Sie nicht, uns zu erklären, wie es damals war und was es gebracht hat. Das wissen wir schon, das sind wir selbst, damit und vor allem darin leben wir und damit müssen wir zurecht kommen.

Mit Ihren selbstgerechten, unkritischen Rechtfertigungen verbiegen sie höchstens noch die nächste Generation, die diese Helden ja schon als Pop-Ikonen in Film, Funk und Fernsehen feiern darf. Bravo. Autor auf die Bühne.

RE: Deutschlands Feministin | 27.03.2012 | 20:36

Nein, tut mir leid, aber in die Fanfaren kann ich nicht einstimmen. Frau Schwarzer kennt nur noch einen Gott: Sich selbst.
Sie dürfen es gern als 'abarbeiten' - soll das eine Diskriminierung sein? - bezeichnen, und ja, ich bin ein Mann. Darf ich deswegen nichts dazu sagen? Wenn ja: Sexistin.
Aber wenn Sie die Leistungen, die Frau Schwarzer vor Jahrzehnten unbestritten für die damalige Frauenbewegung erbracht und erlitten hat, mit der selbst ernannten, omnipräsenten Mutter Gottes von heute verwechseln, ignorieren Sie meiner Ansicht nach leider die Dynamik, die Persönlichkeiten im Laufe ihres Lebens durchleben. Wie Fußballfans, die noch vom Sieg ihrer Mannschaft 1973 schwärmen, wenn die Mannschaft längst abgestiegen ist. Ruhm und Ehre, ja, aber wie vielen Helden möchte man zwanzig Jahre später den Heldenstatus wieder entziehen.
Frau Schwarzer hat spätestens seit ihrer Tätigkeit für 'Bild' den Titel 'konservativer alter Sack ehrenhalber' verdient, und sie befindet sich da in einer (wenig) ruhmreichen Reihe mit einigen anderen verdienten Helden der Revolution.
Lernen Sie bitte, sich von der aktuellen Feministen-Barbie zu verabschieden und selbst was auf die Beine zu stellen.
Sollten Sie noch Fragen haben: barspiegel.blogspot.de/

RE: Wenn einem Hannover gefällt … | 14.12.2011 | 23:06

>Wiglaf Droste kann der Satz zugeschrieben werden: "Wenn's dir in Hannover gefällt, gefällt's dir überall."

Hab ich als: "Wer Hannover kennt, dem gefällt's überall" Anfang der Achtziger live von den 3 Tornados gehört. Tat mir schon ein bisschen leid für die Niedersachsen ausse "tiefe Bene", die von den alternativen Durchblickern ins 'Café Einstein, da müssen sie hin' geschleppt wurden. Hat halt jeder sein Bündel zu tragen.

Grüße aus der Hauptstadt Weihnachten im Satire-Blog: barspiegel.blogspot.com/