Marcel Schütz

forscht in Organisationen und experimentiert blogweise mit nicht uninteressanten Angelegenheiten mittlerer Reich- und Tragweite.
Marcel Schütz
RE: Unverzichtbare Anwesenheit | 10.07.2017 | 11:01

Danke MAGDA für diese Ergänzungen. Ich finde, das Video ist ein wirklich schöner Beleg für den Charme eines protokollgerechten Gipfeltreffens; und die Beharrlichkeit einer Gastgeberin.

RE: Fast schon Erste Liga | 31.01.2016 | 09:09

"ubiquitäre Klammersetzung". Diese Wendung gefällt mir. Die Klammersetzung ist eine gefährdete Art. Sie verdient daher gelegentliche schutzhafte Anwendung. Aber zur Erhellung, sodass man verstünde: das eine ist nicht das andere.

RE: Fast schon Erste Liga | 29.01.2016 | 21:01

"Stadt des Grauens". Welch' gar nicht mal so uncharmante Form der Mythenbildung. Was aus Nicht-Berlin-(=Bielefeld-)Perspektive (wenn überhaupt) als nennenswert wahrgenommen werden will, bleibt also, dass der ICE nur zweieinhalb Stunden in den Bundesdistrikt braucht. Immerhin soviel Gnade. Mehr mögen bizarre Theoriebildner aus Nicht-Berlin nicht wünschen wollen. Und mindestens aus Nicht-Berlin-Perspektive wären solche Beobachtungen durchaus nicht in Gänze ungeeignet, hinreichende Inspiration für (wohlgemerkt: aus Nicht-Berlin-Perspektive) bizarre soziologische Theorie(fort)bildung bieten zu können.

RE: Eingebildete Generation | 06.10.2015 | 07:49

Hallo nochmals, sorry für die späte Reaktion. Ich stimme Ihrer Position zu, dass auch die wissenschaftliche Beobachtung natürlich nicht losgelöst von einer "Restwelt" stattfindet, falls Sie einverstanden sind, dass ich das Statement so auffasse bzw. zuspitze. Nur wird man sehen können, dass es Unterschiede im Anspruch auf Vorbereitung, Systematik und Generalisierung von Thesenmaterial gibt, die sich zuweilen sehr markant zeigen; zum Beispiel wenn medial aufgeladene Trends mit "Mega"-Vokabular bzw. gegebene, erkennbare, "objektive" Wirklichkeit präsentiert werden. Konstruktionen spielen dabei gerade keine Rolle; man tut so, als gäbe es sie gar nicht. Genau hier ist die Wissenschaft zurückhaltender (und zur Zurückhaltung verpflichtet), da man - Sie selbst haben mit bekannten soziologischen Referenzen oben darauf treffend Bezug genommen -, sich geradezu lächerlich machen würde, als Forscher mit solcher Verallgemeinerung aufzutreten. Wie ich im Artikel es auch anspreche: Die Wissenschaft (ihr Personal) ist natürlich hin und wieder verführbar. Was jedoch die von Ihnen genannten inner-akademischen Zeitdiagnosen angeht, so denke ich, dass hier auf jeden Fall ein Qualitätsunterschied gegenüber Trendaussagen anderer Art festzustellen ist; und den würde ich ganz wesentlich anhand von Aspekten wie Gründlichkeit der Recherche/Beobachtung, methodische Bearbeitung, Relativierung der eigenen Thesen gegenüber anderen Modellen (ein ganz wesentlicher Punkt) und anderem mehr festmachen. Man könnte diese Form der Gesellschaftsbeschreibung dann vielleicht als "Ergänzung" bzw. "Angebot" verstehen, das (auch!) seinen Platz hat, jedoch keinen Anspruch auf Zentralität vertreten sollte. Letzteres ist bei den meisten außerwissenschaftlichen "Trendsetzungen" eben genau anders: Hier wird immer am ganz großen Rad gedreht und es gibt regelrechte Missionare, die auf "die neue Lehre" einstimmen und um stetige Glaubensbekenntnisse bitten. Solches Verhalten kann man für die meisten Wissenschaftler dann doch als eher unwahrscheinlich annehmen. Und wenn im Einzelfall nicht, so gibt es doch immer genügend Personal, dass dafür sorgt, die allzu "gehypten" Thesen bedarfsweise etwas zu relativieren. Beste Grüße MS

RE: Systemische Korruption | 03.10.2015 | 12:07

Was wollen Sie mit dieser Fäkalsprache (...-Erzengel) erreichen? Entgleisungen dieser Art führen sachlich nicht weiter und dienen auch nicht der Qualität dieses Forums. Bleiben Sie bitte sachlich.

RE: Systemische Korruption | 03.10.2015 | 11:25

Bemerkenswert ist natürlich, wie der Artikel anschaulich macht, welches Beziehungsgebilde hinter dieser Sache steht. Was in der Debatte nahezu überall aber fehlt ist eine Analyse, die bei der genauen Beschreibung dieser Großorganisationen ansetzt. Der schwedische Wirtschaftswissenschaftler Nils Brunsson hat in sehr interessanten Arbeiten die Bedeutung strategischer Heuchelei bzw. Scheinheiligkeit für große Organisationen dargestellt. Mir scheint, wir können oft nur schwer ertragen, dass medial aufgehübschte Organisationen eine Hinterbühne besitzen, auf der nicht selten das Gegenteil von dem gelebt wird, was rhetorisch zur Aufführung kommt. Bei jedem neuen Skandal, Debakel, Krisenereignis in Unternehmen wird dann medial so getan, als seien unfassbare Dinge ans Licht gekommen. Geradezu notorisch heißt es dann ausnahmslos: bessere Führung, flachere Hierarchien, die Compliance-Abteilung ausbauen etc. All diese Maßnahmen sind in der betrieblichen Praxis und in der öffentlichen Wirkung vielmals nur neue "Beruhigungsmittel". Neue Fassaden werden errichtet, die wiederum davon ablenken, dass Multi-Konzerne im Zweifelsfall abermals nach Möglichkeiten suchen werden, Recht zu umgehen und Anspruchsgruppen zu täuschen, da sie sich mit einer Vielfalt an Erwartungen konfrontiert sehen, auf die sie pragmatisch mit Heuchelei reagieren, um möglichst vielen Interessen öffentlichkeitswirksam Rechnung tragen zu können.

Eine hierzu weiterführende Analyse findet sich aktuell hier: Stefan Kühl: "An VW wird das Falsche kritisiert", FAZ, 29.09.2015.

RE: Eingebildete Generation | 29.09.2015 | 15:42

Hallo PLIess,

besten Dank für Ihre interessanten Kommentar. Ein Antwortversuch, der wiederum nicht zu "binnenwissenschaftlich" enden soll: Mein Hinweis auf die so markierte "akademische" Soziologie bedeutet keine Abwertung einer alternativen Gesellschaftsbeschreibung außerhalb von Universitäten. Allerdings denke ich, dass man Soziologie als Disziplin von Versuchen vornehmlich zur Zeit- und Gesellschaftsdiagnostik unterscheiden darf. Die darin zum Ausdruck kommenden "Erzählstrukturen" haben oft etwas scheinbar sehr Universelles und Alternativloses. Es besteht die Gefahr, dass man spontan und ausschnittweise über Dinge spricht, die man mit Argumenten anders sehen könnte. Die "Diagnostiker" sprechen auffällig oft von "eindeutigen Trends" und "klaren Entwicklungen". Damit werden Hypes überhaupt erst als solche vorangetrieben.

Ich denke nicht, dass die Soziologie mustertypisch für anekdotische Evidenz steht, wie Sie - mit anderen Worten aber ebenso deutlich - positionieren. Was Sie da an Beispielen vor Augen haben, würde mich aber tatsächlich interessieren. Dass Standpunkte und Stile natürlich sehr unterschiedlich - und wiederum auch interessengeleitet - sein können, ist natürlich auch für die Wissenschaft nicht auszuschließen.

Beste Grüße

MS