Marco Hafke

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RE: Die Finnen machen's vor | 13.12.2011 | 11:14

Schade, dass man seinen Kommentar nicht im Nachhinein verbessern kann, dann würde ich ein paar kleine Fehler korrigieren. Aber so müssen alle damit leben.

RE: Die Finnen machen's vor | 13.12.2011 | 11:10

Was haben eigentlich immer alle gegen den "Frontalunterricht"? Irgendwann hat mal jemand beschlossen, dass die Reformpädagogik viel besser sei als der "herkömmliche" Frontalunterricht. Betrachtet man die Unterrichtsmethodiken der 50er und 60er Jahre, mag das stimmen.
Es werden aber beim Vergleich der didaktischen Methoden gerne zwei entscheidende Dinge außer acht gelassen:

1. Wie gut der Unterricht gestaltet ist, hängt zu einem sehr großen Teil von den Fähigkeiten der Lehrer ab. Und damit meine ich nicht nur die "formale Qualifikation" durch zwei Staatsexamen sondern die individuellen Fähigkeiten. Die Aufteilung von gut (=reformpädagogische Ansätze) und schlecht (=Frontalunterricht) ist da zu simpel. Es gibt nämlich sehr gut gemachten Frontalunterricht und auch sehr schlecht organisierten reformpädagogischen Unterricht. Genauso wie nicht jeder Schauspieler glaubhaft jede Rolle spielen kann, kann nicht jeder Lehrer auch jeden pädagogischen Ansatz perfekt umsetzen.

2. Nicht jeder pädagogisch-didaktische Ansatz eignet sich für jeden Inhalt. Grammatik einer Sprache zu lehren ist unterscheidet sich didaktisch deutlich vom Lehren naturwissenschaftlicher Inhalte, bei denen es eher um das Verstehen von Zusammenhängen geht.

Ich glaube, dass wenn ein Lehrer motiviert ist, schon eine Menge gewonnen ist. Die didaktische Methode ist dann noch das i-Tüpfelchen. Unmotivierte Lehrer machen auch schlechte Reformpädagogik. "Wochenplan" oder "Lernen an Station" bedürfen einer sehr intensiven Vorbereitung und Eigenmotivation der Lehrer.

Aber wie motiviert man Lehrer? Hier kommen wir noch einmal auf Finnland zurück. In Finnland reißen sich die Leute mit den besten Abiturnoten darum Lehrer werden zu dürfen. Die Unis können sich also zur Ausbildung von Lehrern die besten Leute aussuchen. Und hier? Wenn hier ein Abiturient mit einem Schnitt von 1,0 oder 1,1 sagen würde, er wolle Lehrer werden, bekäme er zu hören: "Lehrer? Mit deinen Möglichkeiten kannst du doch was besseres machen!"
Lehrer werden in Finnland übrigens nicht eher durchschnittlich bezahlt. Und auch das überrascht die "deutsche Seele" immer wieder: Die besten Leute wollen nicht zwingend dahin, wo man das meiste Geld verdienen kann. Neben Geld gibt es nämlich noch etwas, was vielen Menschen oftmals sogar wichtiger ist: gesellschaftliche Anerkennung der Lehrer. Und die fehlt in Deutschland. Das ist eines der Kernprobleme von Bildung. Ob die Schulen nun Gymnasium oder Ganztagsschulen heißen, ob man Real- und Hauptschulen zusammen legt oder ob man ganz viel Geld in vergleichbare Noten und Zentralabitur steckt, solange im Klassenzimmer ein Lehrer schlechten Unterricht macht, wird sich nichts ändern.