RE: Traut euch! | 04.07.2020 | 12:55

Drei Punkte, zwei Fragen

1.

"An Ihre "radikale Praxis" anknüpfend habe ich Ihren angerissenen Hinweis aufgegriffen und zitiere aus wikipedia in Kürze:

>> Marx kritisiert Feuerbach auf der Basis der hegelschen Dialektik. In seiner elften These, „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kömmt drauf an sie zu verändern“,[2] fasst er seine Haupteinwände gegen Feuerbach zusammen. Feuerbach verbleibe bei einem anschauenden Materialismus und könne daher die Gesellschaft nicht als materielle Wirklichkeit begreifen, die aus dem Handeln der Menschen erwachse, und vergesse, dass die Umstände von den Menschen verändert und der Erzieher selbst erzogen werden muss.

Marx betont die dialektische Spannung zwischen abstraktem Individuum und Gesellschaft. Das Individuum kann materialistisch nur als Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse verstanden werden. Die gesellschaftlichen Verhältnisse selbst sind wiederum Ergebnis des Handelns menschlicher Individuen. Als Ausweg, der die anschauende Reproduktion der bürgerlichen Gesellschaft überwindet und zu einer menschlichen Gesellschaft oder vergesellschafteten Menschheit führt, bleibt nur ein revolutionärer Prozess der Praxis. <<

So "zentriert" erlaube ich mir, bei Ihnen anzufragen, ob und wie diese Grundsätze mit der von Ihnen angesprochenen aktuellen "Verfasstheit" der Grünen (`mittige Beliebigkeit stärkt den Neo-Liberalismus, nicht die Gegenkräfte`) einhergehen, durchschlagende Handlungs-Bedeutung haben kann, auch und gerade um diese von einer Geschwindigkeit verlierenden Koalition mit der Union, was bereits die Einhaltung der nackten, nicht ausreichenden Pariser Klimaziele verhinderte, "abzuhalten"?

Bei aller notwendigen Kritik an den Grünen: Tatsache ist, dass ein "horizontal wie vertikal" (Man.f.red) angelegter, durch die VIELEN mit dem ersten Schritt (OPEN SPACE) auf den Weg gebrachter, zu erkämpftender Wandel, eine "Tausendfüßler-Revolution von unten und oben" (Ulrich Beck), wie immer man diesen Entwicklungs-Prozess auf eine andere Ebene des human-ökologischen Selbstverständnisses des homo sustainabilitus nennen mag, OHNE DIE GRÜNEN aus Gründen parlamentarischer Mehrheiten von vorne herein allein mathematisch nicht machbar erschiene.

2. Sie schrieben:

>> Aufstehen.de, die in einer nie gekannten Breite von rechts nach Schein-links totgeschrieben wurden, bevor sie erste zarte Wurzeln bilden konnten. Aus den Erfahrungen wird zu lernen sein. <<

Den hier von der Community jedenfalls in Ansätzen mit guten Gründen grob skizzierten Weg, bräuchte er nicht anfänglich eine von Kommunikations-Profis geleitete Strategie, um diesem bekannten neoliberalen Feuer zu erfolgreich zu begegnen? In einer Sprache, die vor allem die etwa 14 Millionen (1/6 der Bevölkerung) Ausgegrenzten, in Angst um das tägliche Fortkommen Lebenden erreichte? Und zum Mit-Tun anhielte?

Frei nach Hannah Arendt: Macht entsteht, wenn viele sich auf ein Ziel einigen und gemeinsam tätig werden. Und ja: In einer praktischen Art und Weise, die an die Wurzeln des überholten neoliberalen Seins geht.

3.

Community Organizing

Barack Obama war in jungen Jahren ein Community Organizer.

Dazu beste Infos unter

http://www.fo-co.info/downloads/pdf/literatur/Alinsky_Auf_den_Spuren_seines_Community_Organizing.pdf

Vor allem wie gemeinsam praktisch Macht geriert wird.

RE: Traut euch! | 04.07.2020 | 07:03

Sie haben ja nun die "Eckpunkte" und den darauf gründenden Gesellschaftsvertrag der gemeinnützigen, sozio-ökologischen Art trefflich auf das Gleis der Zielsetzung gehievt.

Nun muss der Zug der Veränderung, des Wandels auch losfahren (Open Space). Und mitnehmen z.B. eben auch die Jungwähler, von denen oben die Rede war. Denn in einem Entwicklungs-Prozess bedarf es jener, die vorausgehen, - fahren, der Avantgarde. Und dafür reicht es auch, dass, sagen wir, 20% in ihrem Tun und Unterlassen, Reden und Schweigen ... die Anderen, die Älteren, die Ausgegrenzten .... überzeugen davon, dass es einen MEHRWERT geben könnte, kann, sich dem ZUG anzuschließen, auf den ZUG zu springen.

Blicken wir nach F: Dort entsteht gerade eine "grüne Welle" in den Städten. Ich weiß: Dort sind die Grünen und stark links unterwegs, und die Roten gar öko-sozialistisch, mit Anne Hidalgo an der (Pariser) Spitze. Was bleibt (wie in der Türkei, auch in Bayern) ist der Graben zwischen Land und Stadt, wohl ein generelles Problem?

Tja, auch wenn hierzulande "Wasser im Wein" den Geschmack verdünnen mag, auch wenn Entwicklungs-Prozesse nicht einfach so zu organisieren sind, F zeigt: Im Gefolge der Gelbwesten scheint sich in den Köpfen einer Avantgarde ein Bewusstsein gebildet zu haben, das den Wandel dort will. Und dieses (!) VIRUS DES WANDELS mag just bei den Lafontaines/Wagenknechts über die französisch-deutsche Grenze Geschwindigkeit aufnehmen: Und im Fahrtwind Abertausende von Kopien des neuen Gesellschaftsvertrags flatternd verbreiten ... bis hinüber nach Berlin, wo Annalena Baerbock daraus für ihre nächste gesalzene Rede einige Endemann Zitate entlehnt.

Man.f.red fällt gewiss noch eine passende MEME dazu ein. Ich bin an diesen Punkt weniger für ABER, sondern DAFÜR, den Zug zu füllen, mit Kohle, Dampf und energiegeladenen (jungen) Menschen, die sich im Ziel (siehe oben) einig und bereit sind, den Entwicklungs-Zug zu besteigen, wissend, dass nur über trial and error die Strecke sich offenbaren wird. "Der Weg entsteht im Gehen".

RE: Traut euch! | 03.07.2020 | 09:37

Danke für diesen Berg an Infos. Dafür brauche ich das Wochenende, um mich in Ruhe einzulesen.

Warum für die angedachte OPEN SPACE Veranstaltung gerade die Jungwähler zu gewinnen wären, beschreibt von Lucke in den BLÄTTERN:

"Laut einer aktuellen Umfrage würden sich die 2021 zum ersten Mal wahlberechtigten 18 bis 20jährigen nämlich wie folgt entscheiden: Grüne 42 Prozent, CDU/CSU 24, SPD neun, Linke und AfD jeweils sieben sowie FDP vier Prozent. Legt man diese Werte zugrunde, gäbe es bei der Bundestagswahl eine klare grün-rot-rote Mehrheit."

Insoweit gilt es die Älteren dazu zu gewinnen. Da funktioniert nur, wenn immer mehr von ihnen ER-FAHREN, ER-SPÜREN, dass die Abwendung vom Neoliberalen Lebensqualität bedeutet.

"All you need is less" von N. Paech / M. Folkers. Weniger ist mehr. Das ist kein Verzicht, sondern ein Vorteil.

Gerade spricht Annalena Baerbock (Kohle-Ausstieg im BT) sehr fulminant, fast eine Bewerbungsrede als BK-Kandidatin?

RE: Traut euch! | 02.07.2020 | 14:48

Man.f.red für das Video von Andreas Rickert dankend verlinke ich auf dessen RND-Interview: Er "hat einen guten Einblick in den zivilgesellschaftlichen Sektor, und er schlägt ... Alarm. Wenn der Staat nicht eingreife, drohe eine Pleitewelle in der Zivilgesellschaft – mit unabsehbaren Folgen."

https://www.rnd.de/politik/experte-bei-der-corona-hilfe-wurde-der-gemeinnutzige-sektor-vergessen-24ERNTVGUJC3LJIJY63VY3IGJY.html

Das ist die (Ausgangs)Lage - ergänzend zur Decker´schen wirklich wirklich gelungenen Analyse.

Warum kommen die von ihm aufgezählten punktuell Bewegten und Beweger, aber einschließlich der für Grün-Rot-Rot bereits kämpfenden Politiker, nicht an einem Wochenende (Freitag-Mittag bis Sonntag-Nachmittag) zusammen und erarbeiten gemeinsam die von Decker zurecht als fehlend beklagte VISION? Als Ausgangspunkt der von ihm angestrebten Gesamtstrategie für mehr Lebensqualität "für die Mehrheit" (Wagenknecht)?

Wie das ginge, wenn sich, sagen wir, 1000 Männlein und Weiblein zusammenfinden und sich miteinander auseinandersetzen?

Open Space-Veranstaltung

http://methodenpool.uni-koeln.de/openspace/open_darstellung.html

Gestern hat Dr. Franziska Brandner, B´90/Die Grünen (Bundestags- Debatte EU-Ratspräsidentschaft) eine herausragende Rede gehalten.

Am Ende zitierte sie den alten Goethe:

"Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun."

Rede Brandner

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RE: Gierige Janusköpfe | 01.07.2020 | 15:26

Dieser Artikel von Herr Michal erscheint preiswürdig.

Anregung:

https://verlag.zeit.de/veranstaltungen/marion-doenhoff-preis/

Über E-Mail: marion-doenhoff-preis@zeit.de als Preisträger vorschlagen. Um charmant Sand ins Getriebe des Immergleichen zu streuen.

RE: Wer nicht kämpft, hat verloren | 19.06.2020 | 05:32

Ein zu ergänzender Input für ein Bündnis GRR/RRG. Anknüpfungspunkt ist der internationale Handlungsgrundsatz der Nachhaltigkeit.

1. Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE)Unter dem Titel "Perspektive Nachhaltigkeit" fand am 15. Juni eine Konferenz statt: "Weichenstellung für ein zukunftsfähiges Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell"

Mitschnitt der Online-Konferenz

https://www.nachhaltigkeitsrat.de/en/termine/online-konferenz-2020/

2. Der 6. Bericht zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE): Drucksache 18/13665Bei "Aktivitäten der Länder" (Kap. 6) sowie "Lokale Ebene" (Kap. 7) mag GRR u.a. anknüpfen.

Startschuss für das WELTAKTIONSPROGRAMM (WAP) BILDUNG FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG (BNE)Seite 7 und 8Bildung Jugend, Seite 67 ffFörderung der Medienkompetenz, Nationale Initiative Printmedien (NIP), Seite 74

https://www.bmbf.de/files/Drucksache_1813665_BT-Bericht%20BNE.pdf

3. Das WHO IS WHO des RNE, über Glück und Hauf: Die dargestellten Projekte und deren Mitstreiter sind potentielle Mitstreiter eines Bündnisse GRR

https://de.wikipedia.org/wiki/Rat_f%C3%BCr_Nachhaltige_Entwicklung

4. Die jüngere Generation einbinden, auf sie hören, Projekte entwickeln. Musik transportiert Inhalte.

Beispiel: "Was ist Rapucation?"

http://rapucation.de/?s=rne

Rapucation trat 2013 im Berliner Tempodrom bei der 13. Jahreskonferenz des Rates für nachhaltige Entwicklung auf.

http://rapucation.de/category/live-und-in-farbe/page/2/

5. Bundeskanzlerin 2019, Rede beim RNE

Wenn man auf youtube in die Suchfunktion eingibt: "Rat für Nachhaltige Entwicklung Jahrestagung" findet man die Rede, die nur 250 Mal angesehen wurde. Zeit, das zu ändern. Darüber hinaus findet man spannende Anregungen für ein Bündnis GRR.

6. Medienarbeit und Kommunikation, Dialog zu Nachhaltigkeit und Kunst/Kultur, die Vision einer modernen Nachhaltigkeitskommunikation, die Wissenschaft und Kunst verknüpft und neue Wege geht:

Seite 17 und 18

https://www.nachhaltigkeitsrat.de/wp-content/uploads/migration/documents/RNE-Taetigkeitsbericht_2001-2007_02.pdf

7. Ich war in Zeiten des Kanzlers Schröder Teilnehmer der ersten Jahreskonferenz, 2001. Damals transportierte diese Band dieses Lied; auf den Inhalt sei hingewiesen. Auch für ein Bündnis GRR/RRG bedarf es solcher Botschaften, die progressive Menschen verbinden.

„Anything at all“, Musikstück vom Trio Inner Life (Anke Perschnick, Corinna Reich, Martin Fonfara)

https://www.youtube.com/watch?v=nd0hrQ9JB6k

8. "Wo stehen wir, wohin steuern wir, finden wir den richtigen Weg?" Koppelort N – über die Kunst der Ortsbestimmung

https://www.nachhaltigkeitsrat.de/wp-content/uploads/migration/documents/Broschuere_Spass_und_Sinn_Nachhaltigkeit_01.pdf

Wie Nachhaltigkeit ist ein Bündnis GRR ein Such- und Findungsprozess. Der Weg entsteht im Gehen, mit dem ersten Schritt. "Se hace camino al andar" (Joan Manuel Serrat)

RE: Wer nicht kämpft, hat verloren | 18.06.2020 | 14:09

Ein herzliches Dankeschön an @ Man.f.red und an alle "Träumer", ohne deren Visionen Energien nicht pflegen frei zu werden.

Imagine

Playing for Change Song Around the World With lyrics

https://www.youtube.com/watch?v=ueONN-gLafQ

RE: Wer nicht kämpft, hat verloren | 18.06.2020 | 13:49

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/putin-plaedoyer-fuer-wirtschaftsgemeinschaft-von-lissabon-bis-wladiwostok-1.1027908

Gastbeitrag von Putin von 2010. Was spricht dafür, was dagegen? Was ist, wenn Trump nicht wieder gewählt wird, und er das nicht akzeptiert? USA würden implodieren.

Sollten die Völker Europas, wozu auch in gewisser Weise Russland gehört, sich nicht annähern und von einander - Interessen - und mit einander Nutzen ziehen? Von der "Vielfalt" war heute im Bundestag die Rede. Auch über die Ost-Grenzen (in den Köpfen) hinaus?

RE: Wer nicht kämpft, hat verloren | 18.06.2020 | 13:42

Schublade geht natürlich nicht. In den Regeln zum Volksbegehren ist mit Sicherheit eine Frist enthalten, binnen der der Senat zu entscheiden hat (!). --> Untätigkeitsklage!

RE: Wer nicht kämpft, hat verloren | 18.06.2020 | 13:26

"Schuldig"? Es ist Ihr Ton und Ihre Rückwärts-Orientierung, die mich derzeit schweigen lassen. Wenn im Sinne von RRG etwas bottom-up ent-wickelt werden soll, dann brauchen wir dafür zunächst vor allem einen positiven Spin, der andere anspricht, mitnimmt und zu eigenem kreativem Verhalten ansport. Frei nach Clinton: "Es sind die Vielen, Dummerchen" - ganz im Sinne von Hannah Arendt, wenn es darum geht, Macht auszuüben.