RE: Fahrt alle zur Hölle | 06.02.2019 | 10:27

Zu Reinhold Schramms Schluss-Satz:

"PS: Dafür ist aber auch die bestehende bundesdeutsche, die quandtsche, mohnsche, siemenssche und merkelsche BDA-BDI-BND-GroKo-Gesellschaftsordnung, der sog. ''sozialen Marktwirtschaft'', nicht geeignet."

ein Zitat von Oskar Faus, der 1999 schrieb:

"Das Programm der sozialen Marktwirtschaft in ihrem gängigen überlieferten Verständnis hat zwar im Zuge seiner Realisierung diese oder jene sozial erfreuliche und erwünschte Auswirkung mit sich gebracht, kann aber nicht "soziale Marktwirtschaft" im eigentlichen Sinne schaffen, nicht nur deshalb, weil die Realität immer hinter dem Ideal zurückbleiben wird, sondern weil der Begriffsteil "Marktwirtschaft" gegenüber dem Begriffsteil "sozial" stets von vorrangiger Bedeutung ist. Mit anderen Worten: Die soziale Marktwirtschaft war in Theorie un Praxis primär immer zuerst eine Marktwirtschaft, das "Sozial" dagegen kam lediglich – mehr oder weniger ernst genommen – ergänzend hinzu. Demgegenüber hätte aber eine soziale Marktwirtschaft, die diesen Namen verdient, dem Wort "sozial" seinen eigentlichen Sinn zurückgegeben, wonach es schlechthin "gesellschaftlich" bedeutet.

"Sozial in diesem Verständnis ist auf die "Societas", auf das Gemeinwesen bezogen. So gesehen ist das Gemeinwohlprinzip genauso in der Menschennatur begründet wie das Freiheitsprinzip, der Sozialzweck der Wirtschaft genauso maßgebend für die Ordnung derselben wie die dem Wettbewerb zugrunde liegende Freiheit des Erwerbsstrebens.

Erst wenn (...) die Marktwirtschaft als Teil der gesellschaftlichen Kooperation verstanden wird, für deren Ordnung die drei Prinzipien "persönliche Freiheit", "sozialwirtschaftliche Selbstverwaltung" und "staatliche Ordnungsaufgabe" bestimmend und maßgebend sind, wird man im Vollsinne des Wortes von "sozialer Marktwirtschaft" reden können."

Quelle:

Oskar Faus, Mythos "soziale Marktwirtschaft", Pladoyer für eine soziale Demokratie, Friehling, Berlin 1999 (Zitat auf Seite 20)

Bemerkung:

Lesenswert, dass Faus in der Folge auf eine Definition Nell-Breunings eingeht und daran anknüpfend von der "Möglichkeit" und dem "Erfordernis" der Lenkung der Marktwirtschaft ausgeht.

Wer gestern des Wirtschaftsministers Pressekonferenz gesehen und gehört hat, wird sich daran erinnern: Er sagte, soziale Marktwirtschaft meine, der Staat solle sich raushalten. Mehrmals bemühte er Ludwig Erhard. Von dem Faus auf Seite 21 u.a. schrieb:

"Wer nämlich, wie Erhard, in dem Attribut "sozial" lediglich "unnützen Klimbim" bzw im Markt den einzigen gerechten demokratischen Richter in der Wirtschaft sieht (...) , der darf sich nicht wundern, dass eine immer stärkere Kommerzialisierung entsolidarisiert und die Gesellschaft zerstört. Insweit hatte Nell-Breuning schon recht, wenn er zum großen Verdruss von Müller-Armack die soziale Marktwirtschaft als die "theoretische Begleitmusik" (vgl. Nell-Breuning 1986, 16) zu unserer Wirtschaftpolitik bezeichnet hat."

Allen kann ich Faus´ 3. Kapitel, Seite 18 bis 23 , nur empfehlen, auch zum Teilen.

Ggf. mit dem Hinweis der Reflexion darüber, was die grundgesetzliche Garantie des DEMOKRATISCHEN Sozial-, Rechts- und Bundesstaats in den Artikeln 20 und 28 eigentlich wirklich meint. Und JA, dass sich im Grundgesetz nichts von Neoliberalismus, der Seuche unserer Zeit, befindet ...

RE: „Unterschichtenjustiz“ lebt | 05.02.2019 | 09:43

Was sind Gesetze anderes als in §§ geronnene Moralvorstellungen, die der Abänderung unterliegen? Nehmen Sie die Strafbarkeit der Homosexualität in der Vergangenheit oder heutzutage: die gleichgeschlechtliche Ehe?

Zur u.a. Verschränkung von Moral und Gesetz siehe a.E.

https://zellux.net/m.php?sid=63

Zur (Ent)Differenzierung von Recht und Moral

https://www.zeit.de/2014/09/essay-verfehlungen-ueber-recht-und-moral/seite-2

RE: „Unterschichtenjustiz“ lebt | 05.02.2019 | 09:22

Die zunehmende "Botifizierung" (siehe Link mit guten Beispielen) setzt einen Kontrapunkt zur Aussage des Professors: "In der modernen Lebenswelt ist der Mensch sehr stark individualisiert, die Verantwortung für die Verhaltenssteuerung ist von außen nach innen verlegt worden."

Die von Michael Moorstedt aufgeworfene Frage: "Mensch oder Software?" wirft sie nicht genau eine umgekehrte Entwicklung an, von innen nach außen? Ich meine ´JA´ – die Tendenz ist greifbar.

https://www.sueddeutsche.de/kultur/botifizierung-wie-maschinen-fuer-menschen-entscheiden-1.4314310

RE: „Unterschichtenjustiz“ lebt | 04.02.2019 | 20:59

Verehrte,

wie immer: Forsch beim Posten.

was ich(!) vermisse, kann nicht Ihre Sache sein, oder?

Wollen Sie Ihre begründungslosen Behauptungen so stehen lassen?

Und dann scheinen Sie mir ´Selbstverantwortung` mit dem Neusprech ´Eigenverantwortung` verwechselt zu haben.

Wenig hilfreich für mich.

RE: „Unterschichtenjustiz“ lebt | 04.02.2019 | 11:53

Selbstbestimmug macht mit Selbstverantwortung Mündigkeit aus, wie sie im Rahmen der Kant´schen Definition der Aufklärung Aus- und Eingang gefunden hat.

Nicht klar ist mir, was der Professor im obigen Zitat mit "körperlicher Integrität" wirklich meint.

Mit seinem Wort von der "Moral-Hysterisierung" trifft er ins Schwarze.

Vermisst wird das Zusammenspiel von Gesetz/Recht mit Moral.

RE: Wer ist hier eigentlich ohne Empathie? | 30.01.2019 | 16:06

Was Greta Thunberg mit Henry David Thoreau verbindet, findet sich in diesem Zitat des Letzteren:

"Eines weiß ich als Tatsache: Wenn tausend, hundert, zehn Leute, die ich mit Namen nennen könnte, wenn nur zehn ehrenwerte menschliche Wesen, wenn nur ein Ehrenmann in dem Staat von Massachusetts aufhören würde, Sklaven zu halten, und seine Teilnahme kündigen und ins Landesgefängnis eingeliefert werden würde, dann würde das das Ende der Sklaverei in Amerika bedeuten. Es ist dabei gar nicht von Bedeutung, wie klein der Anfang sein mag. Was gut getan wird, besteht für immer."

Quelle:

Monographie rororo, rm 172, Ghandhi, von Heimo Rau (Seite 49)

In diesem Sinne erweist sich Greta als Ehrenjugendliche, als Inspiration auch und gerade für:

Aufruf zur Aktionswoche

Das Ergebnis der Kohlekommission ist kein Konsens! Kohle stoppen. Klima schützen.

https://www.ende-gelaende.org/de/news/aufruf-zur-aktionswoche/#main

RE: In welcher Gesellschaft wollen wir leben? | 23.01.2019 | 13:05

Ein weites Feld - allein die Definition des Neoliberalismus.

Ich halte es mit Helmut Schmidt, der vom "Rauptierkapitalismus" sprach und damit dessen vollständige Entgrenzung auf den Punkt brachte. Das gierige Streben nach Profit und ´Apres nous le déluge` auf der Zunge. Fluchtwege in den Süden von New Zealand helfen den 400 den Lauf der Welt in die Heißzeit bestimmenden Familien nicht wirklich weiter.

Folgen und Sprachlosigkeit zeigen sich in diesen Tagen in DAVOS.

Hier noch Treffliches

https://www.christian-felber.at/artikel/pdf/Was_ist_Neoliberalismus.pdf

Was macht der Neol. mit dem einzelnen Menschen

https://www.sozialismus.info/2015/03/leben-im-neoliberalismus/

P.S.

Der Wahn der mit dem Neol. einhergehenden Privatisierung zeigt sich greifbar mit den PPP/ÖPP-Verträgen. Stichwort: Änderungen des GG mit der Zielrichtung: Autobahn! Hierzu die ungehörte Kritik

https://www.bundesrechnungshof.de/de/veroeffentlichungen/produkte/gutachten-berichte-bwv/berichte/langfassungen/2013-bwv-gutachten-wirtschaftlichkeitsuntersuchungen-bei-oeffentlich-privaten-partnerschaften-oepp-im-bundesfernstrassenbau

RE: In welcher Gesellschaft wollen wir leben? | 22.01.2019 | 15:50

GFK https://www.gfk-info.de/was-ist-gewaltfreie-kommunikation/ Sie beginnt mit der Frage nach den Bedürfnissen. Etwa jenes Mitbürgers, der nach einer Insolvenz seiner Firma arbeitslos wurde und mit, sagen wir, 55 Jahren, nach Verbrauch seines Vermögens mit Ausnahme des erhöhungsbedürftigen Schonvermögens zum Amt geht und Arbeit und Unterstützung auf der Grundlage von Artikel 1 und 20 GG beantragt - ohne zum "Objekts staatlichen Handelns herabgewürdigt" zu werden.

RE: In welcher Gesellschaft wollen wir leben? | 22.01.2019 | 15:34

In der Tat hat sich der Begriff des Neoliberalismus abgenützt. Anders als früher ist der heutige landläufige Begriff allgemein bekannt. Und so habe ich ihn verwendet. Das wissen Sie auch. Zum Einfluss der Konzerne (selbst auf die UN) auf die Politik berichtet heute Abend ARTE ab 22:00 Uhr (22.1.) die USA betreffend.