An der Pforte zum Terror

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An der Pforte zum TerrorGeschrieben von Roberto J. De Lapuente
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nachlegen müssenAchja, übrigens: Ich bekenne mich zum Grundgesetz!Und dass, obwohl ich Türke bin! domestizierte ParadetürkenAchtet die Gesetze!mehr Özilsnicht über die Torerfolge jubelteintegrationsunwilligWarum sauft ihr Türken auf unseren Siegesfeiern nicht mit?

Die Integrationsunlust des Moslems an sich ist zum Allgemeinplatz geworden. Eine Prämisse, die endgültig und unabänderlich ist, die von keinem mehr beredt bezweifelt wird. Nicht bezweifelt, während man bei einem der vielen türkischen Obst- und Gemüsehändler oder in türkischen Supermärkten einkauft. Sie mögen sich ja nicht dem Grundgesetz verbunden fühlen, aber herrliche Früchte bieten sie an! Wenn der Preis und die Qualität stimmen, dann kauft man auch gerne mal beim Verfassungsfeind ein. Man sieht drüber hinweg, wenn der Döner mundet; man reist sogar ins Land derer, die sich an Grund- und Menschenrechte nicht orientieren wollen. Das Bekenntnis zum Grundgesetz ist Verhandlungssache! Süße Früchte, knackiges Gemüse und saftiger Döner machen alle Vorurteile vergessen. Grundsätzlich meinte man nicht den Ali aus dem Imbiss oder die Ayşe aus dem Istanbul-Market hinter dem türkischen Gemeindezentrum - die sind ja schwer in Ordnung und zuverlässige Geschäftspartner; man meine ja eher so den Moslems an sich halt, Moslems wie man sie sich vorstellte, wenn man wider besseren Wissens sich welche imaginieren müsste.

Man meint ja nur das Feindbild Moslemhttp://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adsinistram-21&l=as2&o=3&a=3867890838! Nicht den Türken, den man kennt. Den kann man ja einigermaßen gut leiden, denn der ist nützlich, wertvoll, tut was dafür, dass er akzeptiert werden kann. Aber all diese vorbeihuschenden Ausländer mit muslimischen Einschlag, diese Kopftuchweiber und Schnurrbartpeter, diese Schmarotzer und Verfassungsfeinde: die meint man! Solche kennt man zwar kaum oder gar nicht, aber dass es sie gibt, das weiß man - darüber schreibt Springer doch schließlich annähernd täglich. Gegen solche führen wir ja auch Krieg, gegen die moslemische Gefahr haben wir Armeen ausgesandt - und wir sollen die im eigenen Land dulden? Zu fremdartig, zu andersartig seien diese Moslems an sich - fremdartig, andersartig: abartig schon fast.

Der Diskurs zum Moslem ohne Grundgesetzbekenntnis, wird mit einer unglaublichen Simplifizierung betrieben. Den Moslem gibt es nicht - selbst die Unterteilung in Sunniten und Schiiten offenbart nicht, wie vielfältig die muslimischen Erscheinungsformen sind. So sind beispielsweise die muslimischen Tuareg eher matriachal organisiert - obwohl Moslems, wie man sie sich in der Öffentlichkeit als Feindbild entwirft, Frauen ja nicht schätzen; in Nigeria leben Moslems hingegen oftmals in Vielehen - wie dort lebende Christen übrigens auch: das ist sozio-ökonomisch bedingt, wie im mittelalterlichen Europa, in der die Polygynie vermutlich stark verbreitet war. Es gibt weder den Moslem - noch wird die schari'a als Gesetzesgrundlage überall gleichermaßen praktiziert. In vielen muslimischen Staaten ist sie sogar abgeschafft, beispielsweise in der Türkei.
Zudem wird nicht gesehen, dass moderne Muslime, im Westen ebenso wie im dar al-Islam, nicht derart reaktionär sind, wie man dies hier im blinden Eifer erzählt. Die Mehrzahl islamischer Frauen leben hierzulande ein selbstbestimmtes Leben - dass sie sich dennoch in der Überzahl für Familie und Kinder entscheiden, oft zusätzlich noch arbeiten, ist kein Anzeichen islamischer Repression, sondern kulturell anerzogen und womöglich sogar von jungen Muslimen gewollt - Familie ist für Muslime immer noch ein zentrales Lebensziel; die Aufweichung dieses Ideals in der westlichen Welt hat bewirkt, dass man solcherlei Lebensziele als oktroyiert zu entlarven versucht - möge sich die Psychoanalyse damit beschäftigen, ob dahinter Neid oder Minderwertigkeitskomplex einer ganzen Gesellschaft verborgen liegt. Emmanuel Todd berichtete zudem in seinem Buch "Weltmacht USA: Ein Nachruf"http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adsinistram-21&l=as2&o=3&a=3492045359, dass die Fertilitätsrate, die in der Demographie als ein maßgeblicher Faktor für Bildung und Selbstbestimmtheit von Frau und Mann gilt, selbst im Iran beträchtlich zurückging - 1981 gebar eine iranische Frau 5,3 Kinder, 2001 waren es nur noch 2,6. Das war freilich noch vor Ahmadinedschad, der jedoch immerhin nicht an die Macht geputscht wurde, sondern Wahlen gewann. Die Revolution hatte sich stückchenweise humanisiert, bis er die Bühne betrat. Aber auch seine Präsenz wird an der höheren Alphabetisierungsrate nicht rütteln können. Demonstrationen zeugten, und zeugen noch heute, von einer gesunden demokratischen Grundauffassung muslimischer Massen; dass es Leute wie Schirin Ebadi gibt, unterstreicht den demokratischen Geist ebenfalls. Wobei dies natürlich ein Geist ist, der nicht demokratisch im westlichen Sinne sein kann, sondern ein islamisches Demokratieverständnis darstellt.

Jene Demokratie, die der Westen ins dar al-Islam tragen möchte, kennen die Muslime ja schon. Sie haben sie als koloniale Erfahrung kennengelernt. Der Iran beispielsweise orientierte sich unter Reza Schah Pahlavi - und später unter seinem Sohn - schon früh am Westen. Es wurde eine brutale Säkularisierung betrieben; traditionelle Kleidung wurde verboten, religiöse Feste unterbunden und der hadschdsch, die Pilgerfahrt nach Mekka, durfte nicht mehr bestritten werden. Widerstand wurde mir aller Härte bestraft; der Schah ließ in die Menge schießen. Es war ein Angleichen an den Westen mit der Brechstange; Demokratie, die Menschenrechte bringen sollte, wurde mit den Bajonett erzwungen, war damit auch keine Demokratie mehr. All das geschah unter reger Teilnahme westlicher Industriestaaten. So wie westliche Staaten von jeher eingriffen, auch antidemokratisch eingriffen, wenn es ihren Interessen diente. Moslems haben Demokratie, so wie wir sie im Westen kennen, meist als Unterdrückung und Disziplinierung erfahren. Es ist geschichtsvergessen vom Westen, nun den Moslems ein Demokratieverständnis westlicher Machart auferlegen zu wollen.

==>hier weiterlesen:
ad-sinistram.blogspot.com/2010/10/der-pforte-zum-terror.html
09:49 14.10.2010
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Geschrieben von

Margareth Gorges

Mit dem Wissen wächst der Zweifel” (J.W.v.Goethe) www.NachDenkSeiten.de
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