Die eine, die besonders unbeliebte Säule des Islam

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Die eine, die besonders unbeliebte Säule des Islam

Geschrieben von Roberto J. De Lapuente


Von Medina aus nahm der Islam im Schnelldurchlauf unglaubliche Weiten in Besitz. Nur hundert Jahre nach Mohammads Tod standen der Maghrib und der Maschriq, das ehemalige Persische Reich (bis hin an die Grenzen Indiens) und die Iberische Halbinsel unter islamischer Obhut. In für die damalige Zeit ungeahnter Geschwindigkeit verbreitete sich der Islam über die Welt: hier ist bereits der Ursprung des später immer wiederkehrenden Furors vor islamischer Expansion zu erahnen. Ein historischer Lehrsatz ist, dass der Islam diese Ausweitung mit dem Schwert betrieben hat. Nun wuchern Weltreiche, zudem jene, die auf agrarischen Grundfesten türmen, nicht mittels guter Worte und fintenreicher Überredungskunst; aber nur durch Gewalt alleine können sie gleichwohl nicht gedeihen. Der Islam bot mehr als kühne Besatzerpolitik, er wurde den Menschen jener Regionen nicht nur durch brandige Wunden gebracht; er muß auch Attraktivität besessen haben, die eine solche eilige Expansion förderte.

Die eine Säule des Islam

Theologische Mutmaßungen galten im frühen Islam als zann, als blasierte Extravaganz. Aufgabe des Muslims war es nicht, sich in Spekulationen zu ergehen - die Arabesken in Moscheen sind die Folge davon, sich kein Bild von Allah zu machen -, seine Pflicht war die Errichtung der umma, der Gemeinschaft, die auf Nächstenliebe und Umverteilung der Güter gegründet sein soll. Jeder Muslim hatte von seinem Einkommen den zakat abzuführen, eine verpflichtende Abgabe an Bedürftige. Das was wir heute als soziale Gerechtigkeit bezeichnen würden, war bereits zu Mohammads Zeiten die eine, vielleicht die wesentlichste Säule des Islam - und damit die attraktive Seite jener neuen Religion.

Der Islam sah die Schau des einen Gottes stets in der Historie; im Diesseits offenbare sich Allah, wenn die Menschen in Harmonie miteinander lebten. Das Wort islam, so berichtet die Religionswissenschaftlerin Karen Armstronghttp://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adsinistram-21&l=as2&o=3&a=3833301708, sei von seiner Wurzel mit salam, dem Frieden verwandt. Er stellte damals einen Affront gegen das herrschende Clansystem der Araber dar, in dem Gewalt und Ausbeutung anderer Menschen zum alltäglichen Ton gehörte. Der Islam sollte damit brechen und musste daher soziale Attribute in sich einen.

Elementar für das Wesen des Islam war der Gedanke, auch Frauen zu emanzipieren. Der Koran regelte, noch bevor das mittelalterliche Europa davon auch nur zu träumen wagte, das Erb- und Scheidungsrecht für Frauen. Bräuche, wie die Frauen zu verschleiern oder sie im Hause wegzusperren, lassen sich nicht auf den Koran zurückführen. Der noch junge Islam orientierte sich in seinen ersten Jahrzehnten besonders an Byzanz, am ostchristlichen Konstantinopel, in dem die Vermummung und der Wegschluss der Frau Usus war; daher rührt wohl auch die Frauenfeindschaft der römischen Kirche. Der ursprüngliche Islam kannte diese Frauenfeindlichkeit nicht; sie ist eines der christlichen Erbe, die die muslimische Welt fast schon synkretistisch in sich aufnahm.

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07:33 30.10.2010
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Geschrieben von

Margareth Gorges

Mit dem Wissen wächst der Zweifel” (J.W.v.Goethe) www.NachDenkSeiten.de
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