Hartz beglückt Saarländer Langzeitarbeitslose mit Minipreneure“

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Peter Hartz will im Saarland mit " Minipreneure“ Langzeitarbeitslose beglücken

Peter Hartz als Weißwäscher in eigener Sache

„Minipreneure“ als Wiedergutmachung, oder die Weiterentwicklung des Hartz Problems ?!

Er will es nicht gewesen sein. Sein Konzept sah völlig anders aus. Peter Hartz mimt jetzt den Verfolgten. Die Kritik an der Arbeit der Hartz-Kommission ist nach seiner Meinung in weiten Teilen unberechtigt, sagte Gerhard Schröders Vertrauter gegenüber dem Saarländischen Rundfunk bei der Vorstellung seines neuesten Vorhabens, dem angeblich gemeinnützigen Projekt „Minipreneure“.
www.minipreneure.de/

Hartz täuscht vor, das alles so gar nicht gewollt zu haben und von den marktradikalen Giftstoffen der verantwortlichen Allparteienkoalition nichts gewusst zu haben. Sieben Millionen Opfer fragen sich indes, warum Hartz dann nicht sofort an die Öffentlichkeit gegangen ist und sich von seinen Freunden distanziert hat. Dem SR sagte Hartz: „…Aber wenn man in die Küche geht, muss man die Hitze ertragen.“. Richtig, der Namenspatron eines beispiellosen Verarmungsgesetztes wird die Hitze ertragen müssen, für die er sich hergegeben hat.

Zu einer Entschuldigung bei seinen Opfern scheint Peter Hartz nicht in der Lage zu sein. Diejenigen, die durch die nach ihm benannten Hartz- IV-Gesetze in den Selbstmord, der Polizeibericht spricht von Familiendramen, getrieben wurden, bedürfen dieser Entschuldigung nicht mehr, wohl aber deren Hinterbliebene. Statt um Verzeihung zu bitten, flüchtet Hartz sich in Selbstmitleid und sieht sich als Opfer der Geister, die er rief. Zugegeben, Vergleiche hinken, aber hier entsteht der Eindruck, dies alles schon mal in nicht allzu ferner Vergangenheit gehört zu haben.


Nun aber will der wegen Untreue vorbestrafte Ex- VW- Vorstand seine Opfer mit einem weiteren Projekt erneut beglücken. „Minipreneure“, zu deutsch Kleinstunternehmer, soll der Ausweg aus der Arbeitslosigkeit sein. Damit gedenkt Peter Hartz rund 7.500 Langzeitarbeitslosen die Möglichkeit zu eröffnen, wieder Anschluss an den Arbeitsmarkt zu finden. Eine erste Phase soll im Saarland umgesetzt werden.

Das Konzept sieht vor, die Resignation der von Langzeitarbeitslosigkeit Betroffenen aufzulösen, so dass sie wieder Zutrauen gewinnen, ihre Talente entdecken und ihren Lebensplan neu entwerfen. Mit Hilfe von Wirtschaftsfachleuten wie ihm, Psychologen, Neurologen und Managern soll für jeden Arbeitslosen ein Betätigungsfeld ermittelt werden, das deren Talenten, geheimen Wünschen und besonderen Interessen, Kompetenzen und Fertigkeiten entspricht. Das alles soll für die Arbeitslosen natürlich vollkommen freiwillig sein.


Warum dann aber die verharmlosende Umschreibung Miniprenuere? Das neue Hartz- Projekt scheint eher für die Schaffung von zahllosen selbstständigen Kleinstunternehmern zu stehen, die ohne soziale Absicherung täglich um ihre Existenz bangen und sich und ihre Dienstleistungen zu immer niedrigeren Löhnen verkaufen müssen, um zu überleben. Miniprenuere oder Harz V. steht somit von vornherein unter dem Stern des Marktradikalismus, etwas anderes war auch nicht zu erwarten.

Was die Freiwilligkeit anbelangt, in dieses Projekt einzusteigen, wird spätestens dann, wenn die Fallmanager der Argen zur Drohkulisse des finanziellen Aushungerns greifen, klar werden. Wir brauchen existenzsichernde Arbeitsplätze und Mindestlöhne, die geeignet sind, der Armutsfalle zu entgehen. Schuhputzer, Hundefriseure, Artisten, die im fließenden Verkehr Autoscheiben putzen und Bordelltüren öffnen, sind nicht die Lösung, sie sind ebenso Bestandteil des Problems wie sein Erfinder.
Kommentar von Claude Michael Jung, Saarländische Online Zeitung
www.s-o-z.de/

Anmerkung: Margareth Gorges

Was ist das ? Die Resozialisierung eines Verurteilten Wirtschaftsstraftäters ?

Zur Erinnerung: Peter Hartz war im Januar 2007 als Ex-VW-Arbeitsdirektor in der Affäre um Lustreisen und andere Vergünstigungen für Betriebsräte zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einer hohen Geldstrafe verurteilt worden.

Man muß es sich schon auf der Zunge zergehen lassen: Peter Hartz darf Langzeitarbeitslose motivieren. Er darf sie motivieren!

Fast könnte man darüber lachen: Die nach Herrn Hartz benannten Gesetze schließen Millionen Menschen von jeder Lebensperspektive, Kultur und Bildung aus, die Jüngeren von vorn herein – und Herr H. spricht von »talente fördern und entdecken«.

??? Wie? Warum? Mit was? Will er etwa das VW-Modell in sein “Minipreneure” tragen, also Bestechungsgelder bezahlen oder sonstige Zuwendungen an die Arbeitslosen weiterreichen? (Natürlich anrechnungsfreie Zuwendungen, die nicht vom Regelsatz subtrahiert werden.) Will er sie erstmal auf eine Luxusreise schicken? Werden mehrere Bordellbesuche finanziert?

Und so schreiben Printmedien allesamt, dass Peter Hartz antreten wird, Langzeitarbeitslose zu motivieren – und damit treten die Konnotationen dieses Satzes in den Vordergrund: “Faules Pack”, “brauchen einen Tritt in den Hintern”, “Druck erzeugen”, “mit Sanktionen ködern”, “arbeitscheues Gesindel”.

Anstatt also zu fragen, was ausgerechnet ein Peter Hartz an Motivationen zu bieten hat, was er den Langzeitarbeitslosen im Saarland – wohl Gutes tun will, liest sich das “Minipreneure” Programm wie eine Therapie für Psychisch Kranke auf der Geschlossenen !

Im Grunde stehe ich der Resozialisierung verurteilter Straftäter wie Herrn Hartz durchaus wohlwollend gegenüber. Herr Hartz sollte auch endlich sein Talent entdecken – fürs Flurfeudeln im jobcenter (auf 1€basis, versteht sich)!

Anmerkung Gudrun Müller Anti-Hartz-IV Plattform Saar :

Vier Fragen an den DGB-Saar

1. Wird das Gewerkschaftsmitglied Peter Hartz auf der DGB-Maifeier sein Hartz V („Minipreneure“) vorstellen?

2. Ist es wahr, dass der DGB-Saar Peter Hartz bei der Umsetzung des Konzeptes „Minipreneure“ unterstützt?

3. Warum hat der DGB-Saar bereits 2002 das Konzept der Hartz IV Maßnahmen unterstützt?

4. Was feiert der DGB-Saar auf der Maifeier 2010 eigentlich, wenn er nicht einmal in der Lage ist gegen die Hartz-Gesetzgebung Stellung zu beziehen?

11:07 20.03.2010
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Geschrieben von

Margareth Gorges

Mit dem Wissen wächst der Zweifel” (J.W.v.Goethe) www.NachDenkSeiten.de
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