Keine Randerscheinung. Gesamtkonzept!

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Keine Randerscheinung. Gesamtkonzept!

Eine Antwort und Fortführung auf "Die eine, die besonders unbeliebte Säule des Islam". Gastbeitrag einer promovierten Islamwissenschaftlerin, die ungenannt bleiben möchte.

Ihr kritischer Blick auf die kapitalistischen "westlichen" Gesellschaften hat Sie, Herr De Lapuente, nun konsequent zu der Erkenntnis geführt, dass es einen bestimmten Grund für die jahrelange Propaganda und zunehmende Hetzjagd gegen Islam und Muslime innerhalb der westlichen Gesellschaften und darüber hinaus geben muss; und tatsächlich besteht dieser Grund in dem anderen Gesellschaftsmodell, das der Islam entwirft. Im Gegensatz zu Religionen wie Christentum, Hinduismus oder Buddhismus beinhaltet der Islam mit seinem Rechtssystem eine Lebensordnung, die alle Aspekte menschlichen - diesseitigen - Handelns leitet. Eine Säkularisierung hat der Islam nie erlebt, weil er sie nicht brauchte. Es ist auch nicht so, dass die Muslime den Islam als umfassende Lebensordnung jemals freiwillig verlassen hätten - wenn wir heute leider beobachten müssen, dass in der Praxis der Gesellschaften der islamischen Welt der Bezug zum Islam kaum über das individuelle und gemeinschaftliche Gebet und Personenstandsangelegenheiten hinausgeht, so ist dies eine direkte Folge des Kolonialismus, der systematisch die islamischen Systeme durch die der kolonialen "Mutterländer" ersetzt hat.

Was die Systeme der islamischen Lebensordnung anbelangt, so sprengt es sicher den Rahmen dieser Zeilen, über sie zu referieren, deshalb möchte ich nur einige Stichpunkte in Bezug auf die ökonomische Seite nennen.
Umverteilung der Reichtümer, das Verbot von Horten, Monopolisieren, Zinsnahme und Spekulation, machen einen wesentlichen Teil des islamischen ökonomischen Systems aus. Als wesentliches Problem des ökonomischen Systems wird nicht, wie im Kapitalismus, die Produktion und immer neue Eroberung von Ressourcen sowie die Erschaffung künstlicher Bedürfnisse betrachtet, das wesentliche Problem ist das der Verteilung – wie wird Reichtum auf eine Art und Weise verteilt, die möglichst vielen Menschen einen akzeptablen Lebensstandard sichert?
Hier weiterlesen...

07:28 08.11.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Margareth Gorges

Mit dem Wissen wächst der Zweifel” (J.W.v.Goethe) www.NachDenkSeiten.de
Schreiber 0 Leser 3
Avatar

Kommentare