Mutter Courage und ihre Tochter

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Mutter Courage und ihre Tochter


Es wäre vermessen, in katastrophalen Zeiten von einem ministeriellen Drama zu sprechen, dabei mit dem Finger auf jene beiden Damen zeigend, die nun im Arbeits- und Familienministerium sitzen. Es macht den schwarz-gelben Schicksalsschlag nur etwas aussichtsloser, denn katastrophal war die Situation eh schon. Es darf getrost als die Ausreifung des Verderbens verstanden werden, dass eine hingebungsvolle Frau Mutter ins Arbeitsministerium eingezogen ist und eine plumpe Ausländerfeindin die Familienministerin vortäuscht.

Da steht auf der Schwelle zur Arbeitslosenbekämpfung eine rührende Frau Mama, eine Person, die als Familienministerin immer bemüht war, es besonders gut zu meinen. Selbst ihre halbgaren und dem Datenschutz feindlich gesinnten Methoden zur Bekämpfung der Kinderpornographie, meinte sie doch im Grunde ihres Herzens nur gut. Auf Kritik reagierte sie dann gar nicht mehr, denn wer es gut meint, der verweilt in sakrosankten Gefilden - wer kämpft für das Recht, der hat immer recht! Was da auf jene zukommt, die von offizieller Seite bekämpft werden, nämlich die Arbeitslosen, kann erahnt werden. Frau Ministerin meint es nur gut mit den Erwerbslosen, ganz anders als die Clements und Scholzens vor ihr, die ja keinen mütterlichen Touch hatten, obwohl sie es freilich auch gut meinten. Allerdings war deren Meinen nur mühsam erkennbar. Bei Frau Mutter ist es evident, man nimmt ihre Mission deutlich wahr, sie wird es zukünftig nur besonders gut meinen, wenn neue Gängelungsmechanismen entworfen oder die bereits bestehenden verteidigt werden. Mit Rehäuglein wird sie in die Kameras starren und kritikresistent jeden Kritiker einlullen. Man hüte sich vor solchen, die es besonders gut mit einem meinen...

Dem Muttertier folgt ein Mädchen, eine kinderlose Irgendwer, die bis dato vorallem dadurch auffiel, Fachpolitikerin für Islam, Integration und Extremismus zu sein. Qualitäten, die sie freilich dazu nutzte, um die extremistische Gefahr immer wieder aufs Tablett zu hieven, wie damals, als sie wider besseren Wissens von deutschenfeindlicher Gewalt predigte, dabei nicht einmal Hilfe vom unionsnahen Kriminaler Pfeiffer erhielt, der von einem Missbrauch seiner Thesen sprach. Der schneidige Backfisch ließ sich aber nicht entmutigen, flankierte Fußfessel-Fetischist Christean Wagner und bemühte sich darum, dass man endlich von antifaschistischen Strategien wegkommt. Wenn man Migrantengewalt nicht thematisiere, so warf sie ins seichte Gewässer solcher Diskussionen, füttere man nur den Rechtsextremismus. Ihre gesamte Qualifikation beruht auf flachem Wissen zum Islam, auf repressive Integrationstaktiken, darauf, in jedem Moslem den Extremisten zu wittern, ja jeden Ausländer als potenziellen Gefahrenherd zu entlarven. Und dieses Mägdlein ihrer Herrn sitzt nun als Familienministerin auf weichen Polstern. Es muß als Ausreifung der schwarz-gelben Katastrophe angesehen werden, dass eine solche Person dieses Amt übernimmt. Es besteht die berechtigte Furcht, dass aus dem Familienministerium eine Art verkappte Integrationsbehörde entsteht, so wie sie kürzlich noch in der Diskussion war. Für die Ministerin in Lauerstellung mag es das höchste der Gefühle sein, Familienpolitik mit Integrationserpressungen zu verbandeln, aus der Politik für Familien, eine Politik gegen ausländische Familien zu destillieren. Für Müllers und Meiers freiwillige Betreuungsangebote und Betreuungsgeld aufs Konto, für die Günes' und Özdemirs Zwangsbetreuung ihrer Kinder und Rabatte im Gutscheinmodus! Mit so einer fanatisierten Person auf dem Sessel der fiskalischen Familienplanungskomission, ist es nicht mehr ausgeschlossen, dass auch dort die Ausländerfeindlichkeit in jede Ecke kriecht.

Die beiden Damen, die innerhalb der Medienlandschaft viel Lob ernten, bilden die Zuspitzung der Zuspitzung ab. Mit solchen Furien wird die Lage keinen Deut besser. Sie spiegeln das eiskalte Klima nicht nur treffend wider, sie ziehen noch eine Eisschicht darüber. Mutter Courage und ihre Tochter verschärfen die bundesrepublikanische Kälte, ob sie wollen oder nicht. Sie können sicherlich nicht aus ihrer Haut, zu immanent ist ihnen die Menschenverachtung. Solange man es gut meint, darf man eben auch gegen Ausländer zu Felde ziehen.
Geschrieben von Roberto J. De Lapuente
ad-sinistram.blogspot.com/2009/11/mutter-courage-und-ihre-tochter.html
09:55 01.12.2009
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Geschrieben von

Margareth Gorges

Mit dem Wissen wächst der Zweifel” (J.W.v.Goethe) www.NachDenkSeiten.de
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