NachDenkSeiten Hinweise des Tages 24.02.2011

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Verantwortlich: Wolfgang Lieb |

Dieser Service der NachDenkSeiten soll Ihnen einen schnellen Überblick über interessante aktuelle Artikel und Sendungen verschiedener Medien verschaffen. Heute u. a. zu folgenden Themen: Lybien, Iran, Guttenberg, Notruf 113, Lohndumping im Journalismus, Tarifverhandlungen im Nahverkehr, Hartz-IV, Proteste gegen Sozialkürzungen in den USA, Estonia, mehr Ungleichheit kann Wachstum kosten, Altersvorsorge, der Flughafen ist kein Wohnzimmer, Commerzbank im Dilemma, Lobbyisten im Amt, zu guter Letzt. (RS)

Hier die Übersicht; Sie können mit einem Klick aufrufen, was Sie interessiert:

Lybien

Iran

Was wäre wenn..

Über Libyen zurück in die Rezession?

Guttenberg / Doktorgate


Guttenberg: Plagiatsvorwürfe sind “üble Nachrede”
Der Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist ein Freund selbstbewusster Auftritte. Einsicht ist die Sache des Freiherren nicht. Das zeigte der gescheiterte Doktor auch bei der heutigen Fragestunde im Bundestag. Dabei war bis zuletzt nicht einmal klar, ob der Minister persönlich erscheinen würde, um eine halbe Stunde lang die Fragen der Abgeordneten zu beantworten. So erklärte Eckart von Klaeden[1] (CDU), seines Zeichens Staatsminister im Bundeskanzleramt, zu Beginn der Bundestagssitzung auf die Frage der Abgeordneten, ob der Minister persönlich komme oder lediglich seine Staatssekretäre schicke, die Abgeordneten sollten sich überraschen lassen.
Quelle: Telepolis

Denn sie wissen nicht, was sie tun
Die Bundestags-Debatte hat gezeigt: Die Union hat sich auf Gedeih und Verderb an die abstruse Wirklichkeit des Ministers Guttenberg gekettet. Der politische Flurschaden ist gewaltig.
Das Guttenberg-Virus hat fatale Folgen. Es verfälscht die Wahrnehmung, lähmt analytische Fähigkeiten, lässt die Grenzen zwischen richtig und falsch verschwimmen, zwischen Schein und Sein, zwischen Dichtung und Wahrheit. Das Virus hat nicht nur den Verteidigungsminister infiziert, sondern wurde von der Kanzlerin auch der Union verordnet, als Anti-Körper zur Immunisierung gegen schmerzhafte Wahrheiten. Wie das Guttenberg-Virus wirkt, konnte am Mittwoch im Bundestag gut am Auftritt des Verteidigungsministers, vor allem aber an den Argumenten der schwarz-gelben Regierungsparteien abgelesen werden.
Die Opposition – allen voran der rhetorisch brillante Grüne Jürgen Trittin, aber auch der gekonnt argumentierende SPD-Mann Thomas Oppermann - entlarvte Guttenbergs Verteidigungsstrategie als das, was sie ist: Der Versuch eines gefallenen Politstars, sich aus der Verantwortung zu stehlen, sich mit billigen Behelfsargumenten und einer populistischen Buß-Inszenierung an der Macht zu halten, getragen von anhaltend guten Umfragewerten. Sie entlarvte auch Guttenbergs Salamitaktik, nur Stück für Stück die Fehler in seiner Dissertation einzugestehen ebenso wie die Absurdität der Behauptung, er habe nicht bewusst oder absichtlich getäuscht. “Das ist eine Schutzbehauptung”, die wir nicht akzeptieren können, schimpfte Trittin. “Die Bundeswehr darf nicht mehr von einem Felix Krull kommandiert werden”, sagte der Grüne – und forderte die Kanzlerin auf, Guttenberg zu entlassen. Würde sich Guttenberg noch für eine sachlich-argumentative Auseinandersetzung, für die Verankerung seiner Person in einem bürgerlich-konservativen Wertekanon interessieren, müsste er nach dieser Schelte im Bundestag eigentlich zurücktreten.
Quelle: Stern

Bundestag Aktuelle Stunde vom 23.02. – hier die Reden:
Quelle: Deutscher Bundestag

Guttenberg-Debatte: Deutschland schwer beschädigt
Auf die heutige Debatte um den Kriegsminister Guttenberg passt eigentlich nur ein Zitat des italienischen Schriftstellers Claudio Michele Mancini.”Keine noch so gefährliche chemische Substanz ist in der Lage, das Leben des eigenen Volkes nachhaltiger zu vergiften, als das Vokabular starrköpfiger Politiker!”
Quelle: Schweiz Magazin

Die Pro-Guttenberg-Kampagne im Zwielicht
Die BILD-Zeitung ist ja bereits seit längerem für ihre innige und unverbrüchliche Freundschaft zum ehemaligen Unions-Shooting-Star Karl-Theodor zu Guttenberg bekannt. Egal, was zu Guttenberg vorgeworfen wird, die BILD steigt für den adeligen Hoffnungsträger des Neokonservatismus in den Ring. Selbstverständlich macht sich die BILD auch in bester Nibelungentreue bei der Verteidigung des Selbstverteidigungsminister stark, seit er durch seine abgeschriebene Dissertation ins Sperrfeuer der öffentlichen Kritik geriet. BILD ist das Blatt des Volkes. Was das Volk eigentlich will, schert zwar die BILD nicht. Dafür legt die BILD aber größtes Interesse darauf, dass das Volk will, was die BILD will. Nur will das Volk leider trotz massiver BILD-Propaganda dem ehemals beliebtesten Politiker Deutschlands offenbar nicht länger die Stange halten. In einer Online-Umfrage der BILD, an der sich – laut BILD-Angaben – sensationelle 619.000 Leser beteiligt haben, stimmen 55% der Leser dafür, dass zu Guttenberg zurücktreten soll. Nur 36% folgen der BILD-Meinung, er mache seinen Job gut. Sogar in Springers Guttenberg-Fan-Postille vertritt also die Mehrheit der Leser offenbar die Meinung, Guttenberg solle zurücktreten. In anderen Medien, wie beispielsweise tagesschau.de, fällt die Guttenberg-Ablehnung noch deutlich größer aus.
Quelle: Spiegelfechter

Uni Bayreuth entzieht Guttenberg den Doktor
Die Universität Bayreuth hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) den Doktortitel aberkannt. Das gab Hochschulpräsident Rüdiger Bormann nach einer Sitzung der Promotionskommission der rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät bekannt.
Quelle: Tagesschau.de

Auch Guttenbergs Tätigkeit in der Rhön-Klinikum AG steht in der Kritik. Welche Verbindung gibt es zwischen der Uni und der AG?
Vor seiner umstrittenen Promotion an der Universität Bayreuth war Karl-Theodor zu Guttenberg dort gleichzeitig Student und Sponsor. Die Rhön-Klinikum AG, bei der die familieneigene Beteiligungsgesellschaft derer zu Guttenberg ein dickes Aktienpaket hielt, gehört zu den Stiftern des Lehrstuhls für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften, der im Jahr 2000 eingerichtet wurde und bei der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät angesiedelt ist. Nach Tagesspiegel-Informationen fließt dafür pro Jahr von der Rhön-Klinikum AG ein sechsstelliger Beitrag. Zuwendungen dieser Größenordnung seien „eher selten“, heißt es in der AG. Geschäftsführender Direktor des Instituts, zur Zeit aber beurlaubt, ist der renommierte Medizinethiker, Transplantationsmediziner und Theologe Eckhard Nagel, der auch Mitglied im Nationalen Ethikrat ist.
Guttenberg, der an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät studiert und promoviert hat, saß von 1996 bis 2002 im Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG. Danach verkaufte die Familie Guttenberg ihre Aktien mit hohem Gewinn an die HypoVereinsbank. Der Börsenwert soll bei 260 Millionen Euro gelegen haben.
Quelle: tagesspiegel.de

Die Universität Bayreuth betont, es gebe keine finanziellen Zuwendungen von der Familie zu Guttenberg

„Freund der Universität“
Ferner will die Universität prüfen, ob Guttenberg weiter für sie werben und zu Veranstaltungen eingeladen werden soll. Der CSU-Politiker ist der prominenteste Absolvent der fränkischen Hochschule. Bormann betonte, dass es von der Familie zu Guttenberg – ihr Stammsitz liegt rund 30 Kilometer von Bayreuth entfernt – keine finanziellen Zuwendungen an die Uni gegeben habe. Den Minister bezeichnete er weiter als „Freund der Universität“.
Quelle: focus.de


Bundeswehr plant Werbekampagne bei “Bild”
Mit Blick auf die Aussetzung der Wehrpflicht plant die Bundeswehr eine große Werbekampagne für den Dienst in der Truppe. Das teilte das Bundesverteidigungsministerium am Mittwoch im Verteidigungsausschuss mit, wie die Financial Times Deutschland (Donnerstagsausgabe) von Sitzungsteilnehmern erfuhr. Den Angaben des Ministeriums zufolge soll die Kampagne im März beginnen und bei den Zeitungen “Bild” und “Bild am Sonntag” sowie der Online-Ausgabe von “Bild” laufen. Zu den Kosten machte das Ministerium noch keine Angaben.
Quelle: FTD

Wenn man das nun im Zusammenhang mit der Hofberichterstattung der BILD in der jüngsten Affäre um zu Guttenberg sieht, ist dies ein handfester Skandal. Baron zu Guttenberg bedankt sich bei seinen Unterstützern im Springer-Verlag mit Steuergeldern. Wenn er sich erkenntlich zeigen will, so sollte er das doch bitte aus der eigenen Tasche zahlen.




Bundeswehr plant Werbekampagne bei “Bild”

Notruf 113

Tarifverhandlungen für Redakteure : Lohndumping im Journalismus

Tarifverhandlungen im Nahverkehr: GDL will Streik ausweiten

Hartz IV Zu wenig, zu spät

Proteste gegen Sozialkürzungen Amerikas Linke geht zu Tausenden auf die Straße

Ansip: Estonia Will Be Among 5 Wealthiest European Countries

DIW Studie Mehr Ungleichheit kann Wachstum kosten

Altersvorsorge: Reich in Rente

Bundesverfassungsgericht – Der Flughafen ist kein Wohnzimmer / Analyse von Heribert Prantl

Nebelkerzen in Frankfurt: Commerzbank im Dilemma

Lobbyisten im Amt

Zu guter Letzt: Ehrlichkeit, Anstand, Leistung…

Vorbemerkung: Wir kommentieren, wenn wir das für nötig halten. Selbstverständlich bedeutet die Aufnahme in unsere Übersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese Übersicht für hilfreich halten, dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese Möglichkeit der schnellen Information hin.

09:11 24.02.2011
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Geschrieben von

Margareth Gorges

Mit dem Wissen wächst der Zweifel” (J.W.v.Goethe) www.NachDenkSeiten.de
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