.. Orient und Okzident, sind nicht mehr zu trennen.

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... Orient und Okzident, sind nicht mehr zu trennen.

Geschrieben von Roberto J. De Lapuente

Allerorten wird derzeit über die jüdische-christliche Tradition gefaselt, auf der unsere Gesellschaft beruhe. Nun ist es ja nicht so, dass man die jüdische Komponente besonders bejubelt hätte in all den Jahren; bis vor ein Paar Jahrzehnten konnte sich derjenige, der von jüdischen Traditionen erzählte, die das Deutsche bereichert hätten, mehr als nur einen Rüffel einhandeln. Jüdische Tradition war Kammerknechtschaft, Judenhut und Gelber Fleck, Zunftverbot und Stettel - es ist weniger die deutsche Gesellschaft als das Christentum selbst, welches jüdisch beeinflusst ist. Kürzlich wollte man dieses Judentum, als Schlusspunkt jahrhundertealten Antijudaismus' quasi, endgültig ausmerzen.

Jüdisch-christliche Tradition mache die deutsche Leitkultur aus, heißt es allenthalben. Der Islam habe hier keine Tradition - dass aber der Islam jüdische und christliche Wurzeln besitzt, ist kein Sujet für dieserlei Debatte. Denn als logische Konklusion könnte stehen: wenn der Islam schon nicht zur deutschen Tradition gehöre, die ja durch jüdisch-christliches Erbe beseelt ist, so ist er doch zumindest aus demselben Erbe entsprungen. Es würde den unendlichen Summen äußerer Monologe, die man optimistisch öffentlicher Dialog oder Diskurs tauft, aber großer Sprengkraft berauben, wenn man nachschöbe, dass Muhammad ein großer Anhänger des jüdischen und christlichen Monotheismus war. Jedes dieser Völker habe seine Offenbarung des einen Gottes, wusste Mohammad zu erzählen: das arabische Volk habe den Koran erhalten, Juden die Tora, Christen das Evangelium - ahl al-kitāb, die Schriftbesitzer oder (exakter übersetzt) Völker einer früheren Offenbarung, nennt der Koran diese monotheistischen Gruppen. Mit diesen Leuten der Schrift, heißt es in Sure 29, Vers 46 des Koran, solle möglichst nur auf gute Art gestritten werden. Und man solle ihnen sagen: "Wir glauben an das, was (als Offenbarung) zu uns und was zu euch herabgesandt worden ist. Unser und euer Gott ist einer. Ihm sind wir ergeben."

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19:33 22.10.2010
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Geschrieben von

Margareth Gorges

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