Sich selbst adelnder Adel

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Sich selbst adelnder Adel

Geschrieben von Roberto J. De Lapuente

Braucht die Politik mehr Adel, fragt Alexander Joachim Graf von Schönburg-Glauchau in Deutschlands größtem Revolver- und Blaublüterblatt. Natürlich seien Adlige nicht von Natur aus die besseren Politiker, besänftigt er. Aber... ! Nach der Beschwichtigung ein Aaaber mit langgezogenem A, eine Wende, damit eine Bestätigung des Gegenteils - ein rhetorisches Stilmittel, das man ja hinlänglich kennt. Aaaber, meint Schönburg also, der Adel stehe für Tugenden - für Aufrichtigkeit, für Geradlinigkeit, für Rückgrat.

Es darf nicht verwundern, wenn ein Spross aus verarmenden Adel, der Graf Alexander ja ist, ein letztes Hohelied auf den Adel anstimmt. Er, Bruder der Gloria von Thurn und Taxis (Die Dame, die aristokratisch höflich einst feststellte, dass "Neger gerne schnackseln".), schrieb vor geraumer Zeit ein Buch über stilvolles Verarmen - ein Buch, das als Spöttelei auf jeden Sozialhilfebezieher gemeint sein könnte; denn wenn sich da ein adliger Dandy nonchalant über die langsam einschleichende Armut seiner Familie und seines Standes ergießt, dabei deutlich macht, wie schlecht es um ihn schon bestellt ist, weil er sich nur einen Urlaub im Jahr zulegen kann, dann darf man das getrost als dekadentes Parlando abtun - zumal er im gleichen Atemzug von Kurzaufenthalten in London und Paris berichtete, die er sich dann und wann einrichtet.

Aufrichtigkeit, Geradlinihttp://2.bp.blogspot.com/_Z9mG0HFfePA/TMqmbkfzPmI/AAAAAAAAAnQ/DOmAqxFBrqQ/s400/foffi.jpggkeit und Rückgrat! Angestoßen wird diese gesamte Debatte vom Gott des heutigen Adels, von Karl Theodor von und zu Gottesberg - und wie man neulich bei Plasberg sehen konnte: da bekommt ein ganzer Stand Auftrieb, da fühlt man sich wieder bestätigt, doch Primus zu sein - nicht inter pares freilich, man steht für sich. Graf Alexander erwähnt ja, dass es auch nichtsnutzige Adelige gibt, spricht aber im selben Satz von den Herren Weizsäcker und Dohnanyi, die den besseren Fall des Adligen darstellten - wie das gerade bei letzterem gemeint ist, kann leider nicht festgestellt werden; vielleicht ist er ja ein über viele Ecken angeheirateter Onkel des journalistischen Grafen, der gelobt sein will. Trotz allem, es gibt sie, die lotterhaften Adligen, läßt uns Alexander von Schönburg wissen - warum er allerdings nicht löblich über den Adel schttp://3.bp.blogspot.com/_Z9mG0HFfePA/TMqshr6gsiI/AAAAAAAAAno/Swl09SVQPaA/s400/luziwuzi.jpghrieb, als die vormalige Koryphäe des deutschen Adels in aller Munde war - die, die vor Guttenberg die Tagespresse bestimmte, erklärt er nicht. Damals, als Ferfried Prinz von Hohenzollern noch auf gelifteten Plastikweibchen rumzuckelte: wo sang er damals seine Hymne auf den Adel? Wo war er, als Ferfried, dieser neumodisch lüsterne Erzherzog Luziwuzi seinen offenen Hosenstall zu einem öffentlichen Hosenstall, zu einer res publica quasi machte? Luziwuzi, dies sei noch erklärend nachgeschoben, hieß eigentlich Ludwig Viktor und war Bruder des feschen Franzel, Kaiser Franz Josephs I. von Österreich. Er war ein ausgesprochen geiles Knäblein, fast so wie Ferfried - bloß in schwul. Er feierte homosexuelle Sausen und verweigerte seinen männlichen Saunagästen das Handtuch oder eine frisch bereitgelegte Unterhose für danach, um gegen deren Willen gar herrscherlich an den baumelnden Gemächtern zu pusseln - aber das war ja auch nur ein inzestuöser Habsburger; der deutsche Adel war von jeher anders: preußischer, gedrillter.
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12:36 04.11.2010
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Geschrieben von

Margareth Gorges

Mit dem Wissen wächst der Zweifel” (J.W.v.Goethe) www.NachDenkSeiten.de
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