Wäre doch Stefan Raab auf dem attac-Bankentribunal gestürzt …

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Wäre doch Stefan Raab auf dem attac-Bankentribunal gestürzt …

Verantwortlich: Wolfgang Lieb |

… dann wäre in den deutschen Medien mit Sicherheit das attac-Bankentribunal wenigstens nebenbei erwähnt worden. Eine vorläufige Analyse des Medienechos. Wolfgang Lieb

Das attac-Bankentribunal war immerhin eine Veranstaltung mit ausverkaufter Volksbühne in Berlin, die auch in zahlreichen anderen Städten über Videoleinwände übertragen wurde. Und es ging um ein tief greifendes Thema, nämlich um die Analyse der Ursachen der schwersten Krise seit mindestens achtzig Jahren und um die Frage, wer dafür Verantwortung trägt und wie ein derartiger Kollaps künftig verhindert werden könnte.

Natürlich ist attac nicht der Nabel der Welt, aber schon der Versuch von überwiegend ehrenamtlich Engagierten eine breitere Debatte über die Finanzkrise mit dem Bankentribunal anzustoßen, hätte jedenfalls auch mediale Aufmerksamkeit und im Sinne der Meinungsvielfalt eine sachliche Berichterstattung über die auf dem Bankentribunal vorgetragenen Inhalte verdient.

Man stelle sich nur mal für einen Moment die Schlagzeilen und das Ausmaß der Berichterstattung vor, wenn sich Stefan Raab auf dem Bankentribunal durch einen Sturz verletzt hätte. Gar nicht daran zu denken, welcher Presswirbel entfacht worden wäre, wenn am Rande des Tribunals vor der Berliner Volksbühne wirklich nur rein zufällig ein Auto in Flammen aufgegangen wäre. Wetten, dass, dass selbst die BILD-Zeitung eingestiegen wäre. (Natürlich nur, um den Verdacht eines linksradikalen Umsturzes zu schüren.)

Die Welt, die FAZ haben bisher das abgelaufene Tribunal keiner Zeile Wert befunden.

Die ARD hat das Tribunal in der Abendschau von rbb als ein Lokalereignis mit einem 2.53-Minuten-Filmchen gewürdigt. Mit einer geradezu ärgerlichen Anmoderation, nach der „wir alle, die wir unsere Fernseher auf Pump kaufen“ an der Bankenkrise schuld seien. Bei ARD tageschau.de blieb meine Suchanfrage genauso erfolglos wie beim ZDF.

Laut infonitor Medienanalyse und Medienresonanzanlayse gab es in der Zeit vom 16. März bis 12. April 2010 insgesamt 84 Artikel in 50 Quellen. die Frankfurter Rundschau Printausgabe berichtete 11-mal und die FR-Online-Ausgabe 8-mal, Neues Deutschland 4-mal, taz.de und Tagesspiegel je 3-mal, Süddeutsche.de, stern.de, Spiegel Online, die junge Welt und 5 erfasste Lokalzeitungen 2-mal, Financial Times Deutschland, Zeit Online, Nürnberger Zeitung und eine Reihe Regionalzeitungen 1-mal.
Das war die ganze Ausbeute.

Die FTD titelt „Beinahe ein Freispruch für Ackermann“. Sie berichtet über die große Wut des Publikums, nennt einige Anklagepunkte, bekundet Mitleid mit Wolfgang Kaden, dem früheren Chef des „Manager Magazins“, und auf dem Tribunal „Pflichtverteidiger“ des Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann. Der Autor des Beitrags zeigt sich erstaunt über den letztlich milden Urteilsspruch: „Es dürfte Deutsche-Bank-Aktionäre geben, die ein solches Urteil gern unterschreiben.“

Ähnlich auch der Tenor auf stern.de: „Wie Attac plötzlich feige wurde“. Niemand sei schuldig oder freigesprochen worden und das sei eine „große Peinlichkeit für Attac“. Immerhin attestierte die Autorin Theresa Breuer eine auf „sehr hohem Niveau geführte Debatte“, um dann letztlich doch wieder nur das Stereotyp von der „altlinken Polemik“ auszupacken.

==>weiterlesen: www.nachdenkseiten.de/?p=5165#more-5165

09:28 13.04.2010
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Geschrieben von

Margareth Gorges

Mit dem Wissen wächst der Zweifel” (J.W.v.Goethe) www.NachDenkSeiten.de
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