Theater in Russland: In der Wischmopp-Falle

Russland Die Verhaftung der Künstlerinnen Schenja Berkowitsch und Swetlana Petrjitschuk sowie die kurzzeitige Schließung des Maly Drama Theaters zeigen: Der russische Staat erhöht den Druck auf die Theaterszene und greift weiter durch
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 21/2023
Die Regisseurin Schenja Berkowitsch bleibt nach der ersten Anhörung am 5. Mai weiter in Haft
Die Regisseurin Schenja Berkowitsch bleibt nach der ersten Anhörung am 5. Mai weiter in Haft

Foto: Alexander Nemenov/AFP/Getty Images

In den vergangenen Wochen stand die russische Theaterwelt erneut unter verschärfter Beobachtung des Staates. Die Verleihung des wichtigsten nationalen Theaterpreises Goldene Maske am 23. April geriet zur Farce. Die Namen ausgezeichneter Regisseure durften nicht erwähnt werden und die Preisträger mussten das alte sowjetische Spiel spielen: vom Unerwünschten sprechen, ohne es zu benennen. Wohl nicht zufällig erschütterten kurz darauf zwei neue Strafverfahren die Szene.

Am 4. Mai wurden die Regisseurin Schenja Berkowitsch (38) und die Dramatikerin Swetlana Petrijtschuk (43) in Moskau festgenommen. Beide wurden wegen „Rechtfertigung des Terrorismus“ für das 2021 angelaufene Theaterstück Finist, der helle Falke angeklagt – ein schwerer Vo