Jetzt nehmen uns die Türken auch noch den Rinderbraten weg

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Meryems Welt
Viel Spaß beim lesen, ist es nicht schlimm: erst klauen sie unsere Arbeitisplätze, dann unsere Frauen (so wie mich) und dann nehmen sie uns auch noch die Wurst vom Brot:



Bismillah

Es ist wirklich empörend: Jetzt importieren die Türken auch noch europäisches Fleisch – aus Österreich! Klingelt´s da nicht? Die Türken vor Wien? Diesmal durch die Hintertür des Schlachthofes? Auf Kosten armer Europäer, die sich jetzt das Fleisch nicht mehr leisten können?
4.000 Tonnen Rindfleisch in Türkei exportiert
200.000 Tonnen Rindfleisch werden in Österreich jährlich produziert. Knapp die Hälfte davon wird ins Ausland verkauft.

Laut Agrarmarkt Austria wurden seit November allein 4.000 Tonnen Rindfleisch in die Türkei exportiert.

Durch die große Nachfrage von Seiten der Türkei sei nun auch der Preis in Österreich gestiegen, sagt Filippi. Quelle

Der Hintergrund der vermehrten Fleischimporte ist der wuchernde Fleischpreis in der Türkei. Dieser ist explodiert, auch weil die Tierhaltung in der TR nachgelassen hat – so heißt es und so sehen wir es auch in unserem Dorf – sind bis vor ein paar Jahren noch tausende „kleiner Köpfe“ Vieh – Schafe und Ziegen durch die Gegend gewandert, gibt es jetzt nur noch ein paar Hundert. Vermutlich weil es inzwischen auch andere attraktive Arbeitsplätze gibt, so dass sich die aufwendige Arbeit mit den Tieren nicht lohnt. Fleisch ist aber trotzdem kaum erschwinglich und gerade zu den Feiertagen unverschämt teuer. Dass die Regierung den Import von ausländischem Fleisch gefördert hat, hat sich nur bedingt ausgewirkt, da Großhändler einen erheblichen Teil davon eingelagert haben um die Preise hoch zu halten.

Das ist aber nicht das einzige Thema, die Türkei betreffend: noch spannender als die Speisekarte ist der Prozeß gegen 196 ranghohe Militärs, die am Putschplan Vorschlaghammer beteiligt waren. Es gab vorher einiges an Unruhe, Verhaftungen und Wiederfreilassungen von Generälen. Auch traut sich die Regierung inzwischen, Generäle zu suspendieren, z.B. solche, die von PKK-Terroristen angegriffene Soldaten im Stich gelassen haben, obwohl über eine „Drohne“ ersichtlich war, dass die Soldaten angegriffen wurden. Hier wird z.B. über die Zusammenarbeit einiger Militärs mit der PKK berichtet. Mein Mann hat sich sehr aufgeregt, dass der Verantwortliche für das Ereignis, auf seiner Beförderung bestanden hat und vor Gericht zog, um einen weiteren Stern zu ergattern. Nun ist er suspendiert worden, Stern oder kein Stern. Die Türkei hat übrigens auch ihre war logs

Während die Hoheit des Militärs über alle gesellschaftlichen Bereiche also fast vollkommen abgeschafft wurde und eine beispiellose Demokratisierungsbewegung in der TR stattfindet, wittert der Vorsitzende der CHP, Kilicdaroglu, Faschismus. Woran er das festmacht hat er wohl nicht geäußert – das kennt man von ihm – allerdings finde ich es doch putzig, dass er die Kandidaten für den Parteirat selber bestimmt hat. Seine Partei hat er allerdings nicht wirklich hinter sich. Keine ernstzunehmende Konkurrenz für Erdogan bei den Wahlen im nächsten Jahr – die CHP hat einfach kein eigenes Thema und zeigt sich immer wieder wankelmütig.

Erdogan war am Wochenende übrigens in Mus zu Gast. Das ist heißes Pflaster für manche Politiker, weil Kurdengebiet und geschichtsträchtig, auch in der Armenierfrage. Leider hab ich auf youtube nur ein kurzes Filmchen gesehen, schade, mich hat nämlich beeindruckt wie viele Frauen auf dem Platz waren um ihn anzuhören. Die USA wärmt wie alle Jahre wieder das Thema einer Völkermord Resolution auf, womit sie sich bei ihrem türkischen Verbündeten noch unbeliebter machen – denn die Türken verstehen einfach nicht, was die geschichtlichen Ereignisse die Amerikaner angehen – schließlich rechtfertigen die sich ja auch nicht für den Völkermord an den amerikanischen Ureinwohnern oder andere Verbrechen ihres Staates. Die Türkei hat schon im Jahr 2005 den Armeniern eine gemeinsame Aufarbeitung der Geschichte vorgeschlagen, was Armenien allerdings ablehnt, weil damit angeblich der Völkermord relativiert würde – nicht sehr einleuchtend und schade eigentlich – denn wenn dieses Thema mal bearbeitet würde, dann hätte auch die Türkei einen großen Schritt zur Verarbeitung ihrer Geschichte gemacht – und es würden vielleicht auch das Schicksal vielen türkischen Opfer aufgeklärt werden.

Der Großvater meines Mannes hat oft davon erzählt, wie er auf einem Stein gesessen und seinen sieben älteren Brüdern nachgewunken hat, die allesamt von armenischen Soldaten abgeholt wurden und nie zurückkehrten.

Aber wer weiß – wenn jetzt mal mutig die heutigen kriminellen Verstrickungen des Militärs mit kurdischen Terroristen aufgeklärt sind, wenn die Entspannung zwischen türkischen Türken und kurdischen Türken sich fortsetzt, dann traut man sich vielleicht auch mal an die Armenier heran.

Ich kenne keine Probleme zwischen Kurden und Türken im normalen Dorfalltag. Allerdings gibt es Stimmen, die keinen Frieden wollen. Sogar bis nach Deutschland reichen die langen Arme der PKK, klar auch hier wird ja Geld gesammelt.

Leo hat in seinem blog kürzlich einen Artikel über Fetullah Gülen besprochen, in dem die regierende AKP des Ausverkaufs von Istanbul angeklagt wird und konstatiert, dass das nun eine ganz normale politische Partei geworden sei. Ich kann zu Istanbul absolut nichts sagen, allerdings hat Erdogan seine Landsleute im großen Anatolien ganz gewiß nicht verraten. Wenn inschallah alles klappt wie ich es mir wünsche, werde ich im Frühjahr 2-3 Monate in unserem Dorf sein und ganz viel dokumentieren, was sich da entwickelt hat in den letzten Jahren, ich hab ja hin und wieder schon mal erzählt über Infrastruktur, Soziales und Bildung. Alle Vorgängerregierungen haben die Landbevölkerung im Sticht gelassen – also kein Wunder, dass Erdogan überwältigende Stimmenmehrheit im Osten hat. Vielleicht krieg ich ja sogar ein bisschen Wahlkampf mit, http://s2.wp.com/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif?m=1238444206g

na genug für heute, ich wollte ja eigentlich nur vor den türkischen Fleischräubern warnen…



22:25 24.12.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Mariam

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