Nass, aber schön - ein Abend mit Lou Reed

Konzertbeschreibung Es war düster, kalt, melancholisch und mitreißend - so, wie man es sich bei Lou Reed wünscht.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Am gestrigen Abend erfreute uns Lou Reed mit einem Konzert in der Zitadelle Spandau. Da das Konzert schon 19 Uhr begann, war die arbeitende Bevölkerung leider nahezu ausgeschlossen, zumindest wenn sie gern die Performance der Vorband Allison Weiss gesehen hätte. Der Verlust ihrer Präsentation konnte jedoch ausgeglichen werden, denn Allison trat gleichzeitig als Background-Sängerin von Lou Reed auf. (Praktisch gedacht - Da spart man Geld für einen weiteren Tourbus o.ä.) Allisons Musik ähnelt der von Ingrid Michaelson, catchy Texte und emotionaler (anklagender?) weiblicher Gesang auf einem Indi-Pop-Hintergrund…New York-Style.

Der meistens schon gut eingenieselte Zuschauer hatte währenddessen die Gelegenheit, eine Bratwurst zu essen und Studien über die verschiedenen Ausformungen und Designs von Regenschirmen und Plastikjacken anzustellen. Da ich meine 1,90 m Höhe noch nicht erreicht habe, wurde ich von einer Berlinerin, welche vor mir stand, angesprochen: „Dit Konzert hat ja noch nich anjefangen. Wenn et anfängt mach ick den Schürm zu. Aus SOLIDARITÄT!“ Ich teilte meinem Begleiter mit, dass dies der Berliner Humor sei. Aber nein! Als das Konzert begann, klappte sie tatsächlich ihren Schirm zu – wie auch viele andere – und ich hatte die Möglichkeit Lou Reeds Kopf in der Größe von ca. 1 cm zu erkennen. Er begann mit „Brandenburg Gate“ und die Leute, welche sich ihre gute Laune nicht hatten nehmen lassen, begannen mit ihrem Tanz im Regen. Lou Reed stand da wie ein Felsen in der Brandung und sang seine Lieder. Laut und deutlich. „I am a woman who likes men, but this is another story.“/ “Sometimes people get emotional, they don’t act rational, they think, they are on TV, schallali”. Er spielte mit Freude und seine Band erzeugte einen wirklich guten Sound. Vor mir hüpfte nun ein Mann sehr engagiert in einer milchigen Pfütze zu Reeds Lied über Heroin.

Das Konzert endete vorerst unter düsteren Wolken mit dem Song „Junior Dad“, welches Reed gemeinsam mit Metallica geschrieben hat. Doch die Zuschauer ließen sich nicht so einfach nach Hause schicken und riefen „Lougabe, Lougabe,…“ der Künstler plus Band traten noch einmal auf und spielten noch ca zwanzig Minuten weiter. Lou Reed bedankte sich beim Publikum für das Erscheinen, man applaudierte sich gegenseitig und….das war’s!

09:46 23.06.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Jovan

Ein schönes Jahr 2013 an alle!
Schreiber 0 Leser 0
Avatar

Kommentare 2