Kommentare von Marie Mohrmann

Marie Mohrmann 13.01.2017 | 11:23

Bei Therapien geht es nicht grundsätzlich darum, Menschen in eine Form zu pressen, in die sich nicht passen. Psychotherapie bedeutet nicht Umerziehung oder "Gehirnwäsche" - im Gegenteil. Oftmals ist stärkere Selbstwahrnehmung und Selbstbehauptung gegenüber der (sozialen) Umwelt ein wichtiges Ziel von Therapien. Das "Defizit" kann also durchaus außerhalb des Individuums liegen. Der "Defizit" des Individuums besteht oftmals in der zu schwachen Abgrenzung.

Soziologen sind selbstverständlich die Spezialisten für die Analyse gesellschaftlicher Zusammenhänge, auf einer individuellen Ebene des Leidens nutzen Psychologen jedoch mehr.

Um bei Molly Brodak zu bleiben: Sie wurde nie gesellschaftlich ausgegrenzt. Sie wurde von ihren Eltern vernachlässigt, weil diese hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt waren.

Marie Mohrmann 04.07.2013 | 08:44

Der Vergleich mit Algerien hinkt deshalb nicht, weil dort ebenfalls eine muslimisch ausgerichtete ( "islamistische") Regierung, die vorher demokratisch gewählt worden war, gestürzt/abgesetzt wurde.

Das hatte damals zur Folge, dass sich die islamistischen Gruppen in Algerien radikalisierten und in den folgenden Jahren ganz gezielt liberale bzw. dem Westen aufgeschlossene Algerier umbrachten. Insbesondere Intellektuelle, Künstler, Journalisten usw. (Nachzulesen zB. bei Assia Djebar: "Weißes Algerien"). Diese Folge ist bislang in Ägypten noch nicht eingetreten. (Geht ja auch zeitlich nicht, weil die Absetzung erst gestern war.) Sie könnte aber möglicherweise in dieser oder ähnlicher Form eintreten, worauf Herr Herden zu recht hinweist.

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