Von Kindesverlust erzählen

Literatur Kathrin Schadt erzählt in „Lilium Rubellum“ in poetischer Sprache von einer der schwierigsten Erfahrungen
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Kathrin Schadt erzählt in ihrem kürzlich erschienenen Buch „Lilium Rubellum“ von dem traumatischen Ereignis des Kindesverlusts. Ohne Zweifel zählt ihr Thema zu den Ereignissen in der Literatur und im Leben, die so sensibel sind, dass sie eine ganz besondere Sprache erfordern. Der Autorin gelingt es in ihrem Roman wunderbar, die richtigen Worte zu finden. Dabei erzählt sie nicht geradlinig nur eine Geschichte, sondern spielt mit verschiedenen Varianten und Handlungsformen, mit verschiedenen Bewältigungsstrategien und Entwicklungsverläufen.

Der Verlust des Kindes wird der Protagonistin angekündigt und zugleich verläuft er schleichend. Sie erfährt während ihrer Schwangerschaft, dass ihr Kind höchstwahrscheinlich gar keine bzw. eine nur auf wenige Stunden begrenzte Überlebenschance haben werde.

Der Roman kreist nicht zuletzt um die Frage, wann unser Leben eigentlich wirklich beginnt und wann es endet. Die Bindung zwischen Mutter und Kind besteht jedenfalls schon lange bevor der eigentlichen Geburt, ein Umstand der in Gesprächen mit Schwangeren manchmal vergessen wird. Die Beziehung zu dem ungeborenen Kind ist eine lebendige Erfahrung, die Gesellschaft, welche die Protagonistin umgibt, scheint sich jedoch schon von dem Kind verabschiedet zu haben, bevor es überhaupt geboren wurde.

Sich selbst überlassen

Vor die Entscheidung gestellt, ob sie ihr Kind behalten oder eine Abtreibung vornehmen sollte, bleibt sie auf sich selbst zurückgeworfen. Die gutgemeinten Ratschläge, welche auf die unglückliche Mutter einprasseln, verstärken ihre Einsamkeit umso mehr. Auch die Beziehung zu dem Vater des Kindes bleibt nicht unbelastet.

Obwohl der Protagonistin und ihrem Kind nur eine kurze gemeinsame Zeit bleiben wird, ist diese nicht weniger intensiv. Die Beziehung zu dem Kind ist genauso stark ausgeprägt, wie sie es mit einem gesunden Kind wäre. Der Verlust ist genauso schmerzhaft. Insofern ist der Roman nicht zuletzt ein Plädoyer für die Gleichwertigkeit und Würde jeden Lebens. Der Roman räumt auch der Erinnerung und der Trauer ihren Platz ein, zwei Komponeten, die ein Weiterleben danach ermöglichen und eventuell sogar erleichtern.

Kathrin Schadt hat Philosophie, Lateinamerikanistik und Komparatistik studiert. Vor Lilium Rubellum erschien ihr Kinderbuch "Der verlorene Stern"(2014).

Kathrin Schadt

„Lilium Rubellum“

Horlemann Verlag, Edition Voss

128 Seiten

22:06 15.03.2015
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