Drohung oder Versprechen?

Werbekritik Der Fachverband für Außenwerbung wirbt neuerdings mit einer Art Farbbombenkampagne für sich selbst. Das wirkt auf beruhigende Weise altmodisch

Der Fachverband für Außenwerbung macht jetzt mal vor, warum es ihn gibt. Seit Anfang Januar wirbt er deutschlandweit auf zehntausenden Plakaten und an Bushaltestellen für, nun ja, sich selbst. Die Ästhetik ist einfach, sticht damit auch aus dem Werbeeinerlei der Elektronikmärkte und Mobilfunkanbieter heraus und ist doch fast noch bunter als die Werbeplakate zur Grünen Woche: Mehr oder weniger leicht bekleidete, sportlich-durchtrainierte Menschen sind zu sehen, die von Bomben aus Farbstaub getroffen werden. Daneben steht in großen Lettern: „Außenwerbung trifft. Jeden.“ Dem Betrachter drängt sich da nur eine Frage auf: Ist das jetzt eine Drohung oder ein Versprechen?

Für die Werber knüpft sich daran wohl die Hoffnung, endlich wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Der Werbeumsatz wies Marktforschern zufolge Ende 2012 ein Plus gegenüber dem Vorjahr auf, auch wenn man immer noch im roten Bereich ist. Die neue Strategie: Der öffentliche Raum wird nun vielfältiger beworben, sogenannte DooH sollen den Umsatz steigern: Digital-out-of-Home-Media. Das erinnert an den Film Minority Report, in dem Tom Cruise von personalisierten Werbefiguren auf 3D-Bildschirmen angesprochen und aus der Anonymität der Großstadt gerissen wurde. Nach Smart-TV mit Kauffunktion und Suchmaschinen, die uns mit Angeboten für Dinge zuschütten, die wir irgendwann mal im Netz gesucht haben, der nächste Schritt. Die laufende Farbbombenkampagne wirkt dagegen auf beruhigende Weise altmodisch.

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