Außerirdische, Menschen und Maschinen

Evolution? Von den möglichen Ursprüngen des Lebens, der wahrscheinlichen Stellung der Menschen im Universum und daraus resultierenden Entwürfen für ihre zukünftigen Möglichkeiten
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Außerirdische, Menschen und Maschinen

Foto: Dmitry Kostyukov/AFP/Getty Images

Leben könnte im Universum entstanden sein vor der Entwicklung von Leben auf der Erde. Jedoch wenn dies der Fall wäre, bestünde ebenfalls die Möglichkeit, dass seine Samen zur Erde gebracht wurden, beispielsweise von Außerirdischen oder durch eingeschlagene Asteroiden ausgesät. Populär wird die Idee der Panspermie Ende der neunziger Jahre durch die Serie Akte X. In der Folge Artefakte wird in Afrika ein an der Küste angeschwemmtes Raumschiff gefunden. Auf ihm befinden sich in Schriftzeichen der Navajo Auszüge von heiligen Schriften sowie wissenschaftlichen Texten von der Erde. Auch Ridley Scott bringt die Idee der außerirdischen Ursprünge der Menschen in seinem Alien Prequel Prometheus (2012) voran. Er lässt die Menschen einer „Einladung“ ihrer Schöpfer, den „Konstrukteuren“, auf ihren Heimatplaneten folgen.

Allerdings besitzt die „directed Panspermia“ auch ihre Vertreter aus der Wissenschaft wie den Biologen und Nobelpreisträger Francis Crick, ausgezeichnet für die Entdeckung der DNA. Mit Verweis auf die Dauer der zeitlichen Entstehung des Universums schließt er in Life itself (1981), dass sich intelligentes Leben auf einem entfernten Planeten entwickelt und die uns ähnlichen Lebensformen eine vereinfachte Version ihrer selbst auf die Erde geschickt haben könnten. In einer Umkehrung sieht Rachel Armstrong in Star Ark (2017) in der gezielten Panspermie die Möglichkeit des Menschen, aktiv Leben von der Erde aus in das Universum auszusenden und derart die Entwicklung von Leben anzuregen. Glaubt man jedoch der Neo Panspermie, wie sie in der sechsten Staffel der Dokumentarreihe Mysterien des Weltalls (2015) mit Morgan Freeman vorgestellt wird, besteht ein ständiger Austausch von Leben zwischen Universum und Erde, könnte über Regentropfen Leben auf die Erde und in uns gelangen.

Hoffnung auf Kontakt

Auf die Möglichkeit mit einer außerirdischen Zivilisation in Kontakt zu treten hat der Astronom Carl Sagan gehofft und war nicht allein. Im Jahr 1971 treffen sich amerikanische und russische Wissenschaftler für eine Konferenz in Bjurakan in Armenien mit dem Blick auf den Berg Ararat und damit der Aussicht an den Ort, an dem man Überreste der Arche Noah vermutet, um über das Thema Communication With Extraterrestrial Intelligence (1973) zu beraten. Für Sagan ist ‚die Suche nach intelligentem Leben im Universum eine Suche nach einem kosmischen Zusammenhang für die Menschheit, um Fragen über ihre Herkunft und ihre Möglichkeiten für die Zukunft zu stellen.‘

Den möglichen Austausch zwischen Menschen und einer außerirdischen Zivilisation stellt sich Sagan in seinem Science-Fiction Roman Contact (1986) vor. Ellie Arroway arbeitet für das Search for Extraterrestrial Intelligence Projekt (SETI) und fängt eine Botschaft von der Wega auf. Der Versuch die Entdeckung geheim zu halten erweist sich als unmöglich, denn im Zuge der Erdumdrehung wird die Botschaft über die ganze Welt verteilt empfangen und so sind die Menschen gezwungen zusammenzuarbeiten. Trotzdem beginnt ein Wettlauf, wem es gelingt die Daten zu entschlüsseln und das Raumschiff nach dem Plan der außerirdischen Zivilisation zu bauen, um der Einladung nachkommen zu können. Am Ziel ihrer Reise angelangt fragt Ellie die Außerirdische Intelligenz nach ihrer Meinung über die Menschen. In ihrer Antwort zeigt sie sich überrascht, dass es den Menschen gelungen ist, trotz ihrer ‚Rückständigkeit‘ und ‚Kurzsichtigkeit‘ so lange zu überleben. Als Grund vermutet sie ein „gewisses Talent zur Anpassung“ der Menschen.

Wahrscheinlichkeit von intelligentem Leben im Universum

In der Dokumentarreihe Cosmos (1980) führt Sagan die Anwendung der „Drake Equation“ vor. Frank Drakes Gleichung steht exemplarisch für die Berechnung der Wahrscheinlichkeit von intelligentem Leben im Universum. Nach Sagan gibt es entweder lediglich zehn Zivilisationen, weil sich alle anderen zerstört haben, bevor oder kurz nachdem sie das Ziel erreicht haben entsprechende Technologien zu entwickeln, die es ihnen erlauben Botschaften über Radiowellen ins Universum auszusenden; oder es befinden sich bis zu einer Million von Zivilisationen in unserer Galaxie, die es geschafft haben mit der Technik zu überleben.

Ray Kurzweil vertritt in The Singularity is Near (2005) die Ansicht, dass die Berechnung der Drake Equation mit Rücksicht auf die Langsamkeit der Entwicklung von Leben bis zur Entstehung von Technologie erfolgen sollte. Entsprechend beläuft sich sein Ergebnis auf „1,25“, also eine Zivilisation in der Milchstraße, und dabei handelt es sich um die Menschen. Für Kurzweil ist das Ausbleiben einer Botschaft aus dem Universum Anzeichen für die Menschheit derzeit die einzige intelligente Lebensform zu sein. Allerdings schließt auch Sagan die von Kurzweil eingeworfene Vermutung nicht aus, dass die Menschen an der Spitze der Entwicklung stehen und die anderen Lebensformen noch Zeit brauchen, bis es ihnen gelingt, unseren technologischen Stand zu erreichen. Angesichts der Größe des Universums verweisen beide auf die Wahrscheinlichkeit unterschiedlicher Entwicklungsstadien von Lebensformen. Bedeutsam ist die Suche nach intelligentem außerirdischem Leben (SETI) für Kurzweil, weil sie den Menschen Sicherheit in Bezug auf ihre Position in ihrer Galaxie gibt.

Flucht vor dem Kontrollverlust

Da die Menschen bisher auf keine Botschaften oder andere Anzeichen, die für die Existenz von außerirdischen intelligenten Lebensformen sprechen, gestoßen sind, gehen sie davon aus, dass Planeten innerhalb des Sonnensystems, soweit sie als geeignet erscheinen, von ihnen kolonialisiert werden können. Auf diesen Umstand beruft sich Elon Musk, in Bezug auf seine eigenen Bestrebungen den Mars zu kolonisieren.

Nach seinen Träumen befragt, antwortet Musk in der Dokumentation Lo and Behold Werner Herzogs, er erinnere sich nur an Albträume. Herzog zeigt im Anschluss an das Gespräch in der Empfangshalle von Space X einen Roboter beziehungsweise sogenannten Zylonen aus der Neuauflage der Serie Battlestar Gallactica (2004). Darin versuchen Maschinen, die Menschheit auszulöschen. Zuerst zerstören sie die Erde und alle anderen Kolonien der Menschen mit atomaren Waffen, besetzen die Planeten und zwingen die Menschen in den Weltraum und dort verfolgen sie sie, wandeln direkt unter ihnen, in Gestalt der Menschen, um sie zu täuschen, Macht über sie zu erlangen. Zwiegespalten ist Musks Verhältnis gegenüber der Künstlichen Intelligenz. Einerseits lässt er sie entwickeln, andererseits warnt er vor ihrer Nutzung. Er glaubt nicht an die Entwicklung eines Eigenlebens der Maschinen, stattdessen quält ihn die Angst, dass die Menschen nicht mit der von ihnen geschaffenen Intelligenz umgehen können.

In seinem Drama W.U.R. Werstands Universal Robot (1922) hat Karel Čapek nicht nur den Begriff des Roboters geprägt, sondern auf das Problem hingewiesen, dass eine Übernahme der Verhaltensweisen der Menschen durch die Maschinen ausreichen kann, um Ersteren zur Gefahr zu werden. Seine Roboter wiederholen die menschliche Geschichte, indem sie töten. Obwohl Čapek die Roboter über die Menschen gewinnen lässt, ist ihr Sieg für ihn keiner über das Leben. Über die Liebe des einzig übrig gebliebenen Roboterpaars suchen sich die „Samenkörnchen des Lebens“ wieder einen neuen Weg.

Die Reise des Lebens

Anstelle einer Unterscheidung von totem Mechanismus und lebendigem Organismus stehen bei dem Begründer der Kybernetik Norbert Wiener in The Human Use of Human Beings (1950) Informationen als Formen der Ordnung zur Verringerung des wahrscheinlichen Chaos, der zunehmenden Entropie. Ob es sich dabei um Menschen oder Maschinen handelt, ist für Wiener letztlich gleichgültig. In der Folge erklärt Hans Moravec, Wissenschaftler auf dem Gebiet der Robotik, die Maschinen zu den zukünftigen Mind Children (1988) der Menschen. Mit dem Bedeutungsverlust der Erde als Lebensraum gegenüber neuen Räumen im Universum sowie dem Cyberspace ist für ihn in Robot (1999) die Ersetzung der Bedeutung des Menschen zugunsten der Roboter beziehungsweise „Ex-Humans“, kurz „Exes“ verbunden. Das Leben als ‚einfache Chemie‘ ist Moravec nicht genug, erst im ‚Geist‘ sieht er die Möglichkeit der Souveränität.

Wenn der Erfinder, Denker und Futurist Ray Kurzweil von einer Erweiterung des Lebensraums im Universum spricht, meint er damit nicht zwangsläufig, das Universum innerhalb dem sich der Planet Erde, die Milchstraße und die anderen den Menschen bekannten Galaxien befinden. Bedeutsam für das Verständnis seines transhumanistischen Ansatzes erscheint die Verschiebung der Bedeutung von Energie hin zur Information, wie sie von Wiener zuerst in den Vordergrund gerückt wurde, denn auf diese Weise wird die Information zum zentralen Baustein innerhalb des Aufbaus des Universums. Während Wiener die Information einer Botschaft als Ordnung dem Anstieg der Entropie entgegensetzt, bleibt Kurzweil an diesem Punkt nicht stehen. Für ihn wird die Intelligenz zu einem aktiven Prinzip, das Materie und Energie in intelligente Versionen ihrer selbst verwandelt. Derart kommt er zu einer eigenen Kosmologie, in der die Intelligenz die Fähigkeit entwickelt, eigene Universen entstehen zu lassen.

Bei Wiener, Moravec und Kurzweil scheint sich das Leben in den Begriffen Informationen, Geist und Intelligenz aufzulösen. In seinem Science-Fiction Roman Star Maker (1937) versucht Olaf Stapledon seinen Erzähler in einen Status der Meditation zu versetzen, der es ihm erlaubt den Möglichkeiten des reinen Geistes nachzugehen. Aber nach einer langen Reise in entfernte Galaxien und Universen, begleitet von telepathischen Kommunionen und körperlichen Vereinigungen mit anderen Lebensformen, um dem Wahnsinn zu entgehen; der Beobachtung von Entwicklung und Zerfall unterschiedlicher Zivilisationen; einem Treffen mit Gott dem Star Maker und der Einsicht in dessen Beziehung zum Kosmos, wendet er sich von dessen größter Schöpfung, dem ‚ewigen Geist‘ ab. Es zieht ihn wieder zum Leben auf der Erde.

Literaturverzeichnis

Armstrong, Rachel (Hg.) (2017): Star Ark. A Living, Self-Sustaining Spaceship. Chichester: Springer.

darin:

Experimental architecture: on-world and off-world exploration of possibilities by Rachel Armstrong. S. 103-128. Vgl. S. 111.

Čapek, Karel (1922): W.U.R. Werstands Universal Robots. Utopistisches Kollektiv-Drama in drei Aufzügen. Prag/Leipzig: Orbis. Vgl. S. 119, S. 136.

Crick, Francis (1981): Life Itself. Its Origin and Nature. New York: Simon and Schuster. Vgl. S. 116, S. 129.

Kurzweil, Ray (2005): The Singularity is Near. When Humans Transcend Biology. New York: Penguin Books. Vgl. S. 344ff., S. 29, S. 86, S. 364.

Moravec, Hans (1988): Mind Children. The Future of Robot and Human Intelligence. Cambridge/London: Harvard University Press.

—-(2000): Robot. Mere Machine to Transcendent Mind. New York/Oxford: Oxford University Press. Vgl. S. 108ff., S. 126, S. 11f., 144ff., S. 167.

Sagan, Carl (1973): Communication with Extraterrestrial Intelligence. (CETI). Cambridge: MIT Press. Vgl. S. xii, S. ixf.

—-(1997): Contact. München: Knaur. Vgl. S. 44, S. 72f., S. 129f., S. 364, S. 401.

Stapledon, Olaf (2016): Star Maker. Jovian Press. Kindle-Version. Vgl. S. 129ff.

Wiener, Norbert (1954): The Human Use of Human Beings. Cybernetics and Society. Boston: Da Capo Press. Vgl. S. 12, S. 16, S. 31ff., S. 21.

Filmverzeichnis

Akte X. Staffel VI, 22. (1999). Regie: Rob Bowman. 20th Century Fox.

Battlestar Gallactica. (2004-2009). Universal.

Cosmos. (2000). Präsentiert von Carl Sagan. Regie: Adrian Malone. Freemantle Media.

Mysterien des Weltalls. Staffel VI, 5. Präsentiert von Morgan Freeman. Revelations Entertainment.

Prometheus. Dunkle Zeichen (2012). Regie: Ridley Scott. 20th Century Fox.

Wovon träumt das Internet? (2016). Regie: Werner Herzog.

19:27 10.04.2018
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Marion Leuthner

(Dr. phil.), Publikationen: (2016) Performance als Lebensform. Bielefeld: transcript, (2018) SIOIS. KDP
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Marion Leuthner

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