RE: Adorno schrieb nicht für die Bahamas | 21.05.2020 | 16:12

Mir scheint, dass die Wiederveröffentlichung eines Adorno-Vortrags aus dem Jahr 1967 selbst schon sehr anachronistisch anmutet: In einer Zeit, als die personellen Kontinuitäten von Großdeutschland in Österreich, BRD und DDR frappierend fortwirkten, lässt sich über das Fortbestehen des Nationalsozialismus in der Demokratie warnen. Zudem erzeugte der Kalte Krieg eine bipolare Weltordnung, worin auf beiden Seiten die andere Seite das abgrundtief Böse war.

Das Warnen und Mahnen ist offizielle Staatsdoktin im neuen Deutschland geworden, das sich bunt, weltoffen und total hip präsentiert. Denn die Berliner Republik ist auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen und mulitlateral auf dem Weltmarkt als Handelspartner eingebunden. Migration und Freihandel waren damals weniger angesagt. Dennoch arbeitet man heute wie besessen mit Kategorien der Vergangenheit, um sich darüber zu verständigen, dass man in der Gegenwart auf der richtigen Seite steht. Zur Erinnerung: 1967 und 2019 liegen so weit auseinander wie 1939 und 1887. Fällt Ihnen etwas auf? Heute so zu tun, als würden wir uns kurz vor 1933 befinden, ist ein Armutzeugnis antifaschistischer Agitation. Im Übrigen schreibt Herr Klaue sehr viel differenzierter über den Sachverhalt als der Autor Anton Stortchilov den Leserinnen und Lesern weis zu machen versucht. Zitat Klaue aus dem besagten Text:

"Obwohl er sich 1968 in der Kritik der Notstandsgesetze mit den Studenten solidarisierte, sah er in ihrer Fetischisierung der Praxis und ihrem Revolutionspathos Elemente eines autoritären Charakters fortleben, den die Studenten nur der Elterngeneration attestierten. Dass Adorno 1967 an der Wiener Universität einen Vortrag über Rechtsradikalismus hielt, lässt sich insofern auch als Versuch verstehen, junge Linke, die er als Verbündete sah, zur Reflexion der eigenen Praxis zu ermuntern. Vor diesem Hintergrund erklärt sich das Schwanken des Vortrags zwischen traditionslinken und heterodoxen Erklärungen des Rechtsradikalismus. [...] Statt Adorno unter dem Druck tagespolitischer Zwecke zum Vorkämpfer der Antifa zu erheben und die Kritische Theorie auf eine linke Gesellschaftstheorie herunterzubringen, in der sie nie aufgegangen ist, wäre es sinnvoller, ihre Texte gerade, wenn sie besonders aktuell anmuten, tatsächlich zu historisieren: ihren Zeitkern zu entfalten, um im Licht der Differenz zur Gegenwart die Frage aufzuwerfen, was sie heute erhellen können. Forcierte Aktualisierung dagegen hebt wider Willen jene Momente hervor, in denen ein Denken wirklich historisch geworden ist."

RE: Die reine Anklage | 24.01.2019 | 14:39

Es ist erstaunlich, wie einfach es heute ist, trotz mittelmäßiger Schreibe gedruckt zu werden. Die misslungene Buchbesprechung liest sich wie ein nebenbei in der Straßenbahn getippter Post auf facebook. Ich hatte ernsthaft vor, mir ein Probeabo des Freitags zu bestellen. Aber nach der Lektüre des Textes erspare ich mir die staatstragende interkulturelle Meinungsbildung lieber.

Wo herrscht hier ein dominantes Christentum? Ist damit das Weihnachtsfest gemeint?

Banale Phrasendrescherei, die nicht wahrer dadurch wird, dass sie an jedem antirassistischen Stammtisch wiederholt wird. Es gäbe den Muslim nicht, es gäbe den Islam nicht. Schon 1000 mal gelesen.

Der Autor Christian Baron leugnet einen kulturalistisch argumentierenden Antirassismus, der verkleidet als Kulturrelativismus dem Ethnopluralismus sehr nahe steht.