Junge Wilde

Werbekritik Woher kommen ein paar Renter, die um Mitternacht heimlich aus dem Haus schleichen? Aus Nikes neuem Fußballwerbespot, wo die jungen Wilden durch wilde Alte ersetzt werden
Schon mit einem Fuß unter dem Rasen, aber "Still doing it"
Schon mit einem Fuß unter dem Rasen, aber "Still doing it"

Foto: Screenshot / Vimeo

Im Mai schaltete Nike einen Werbespot, der dem Fußballnachwuchs gewidmet war. Junge Wilde wie Götze, Özil und der Brasilianer Neymar, die ganz so wild gar nicht mehr sind und eigentlich auch nie waren, stürmten ein Stadion und maßen sich mit den Etablierten. Der Slogan lautete: „My time is now“. Auch Christiano Ronaldo hatte einen Gastauftritt. Er trat aus dem Spielertunnel in einem viel zu kleinen, bauchfreien Trikot. Der Mann ist aus der Kindergröße herausgewachsen, sollte das heißen.

In seiner jüngsten Fußballkampagne wechselt Nike nun die jungen Wilden durch die wilden Alten aus. Der Spot, in dem sich ein paar Rentner um Mitternacht heimlich aus dem Haus schleichen und sich draußen ein erbittertes Fußballmatch liefern, spielt mit einigem Humor die Konsequenzen des demografischen Wandels durch. Endlich mal posieren keine Kraftpakete vor der Kamera, sondern olle Kerle. Das Ganze gipfelt in der Umformulierung des Nike-Slogans „Just do it“ in „Still doing it“.

Die Ideologie hinter dem Spot ist jedoch nicht unproblematisch. Man ist nur so alt, wie man sich fühlt, will sie uns sagen. Und: Wer nicht ewig jung ist, ist schon so gut wie tot. Der grassierende Aktiv-Terror, an dem Nike, Adidas und Co. so gut verdienen, scheint durch die Schüsse und Grätschen der Silber-locken durch. Früher wurde das Sitzen auf dem Rentner-Bänkchen noch als Belohnung für ein arbeitsreiches Leben verstanden. In der Welt, die Nike uns zeigt, sitzt dort nur noch derjenige, der nicht die richtigen Schuhe fürs Mitternachtsmatch hat.

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