Kommentare von Marlen Hobrack

Marlen Hobrack 07.03.2016 | 13:59

ich glaube auch durchaus nicht, dass die meisten Männer ihre Ex im Keller einsperren würden. Der Witz im Text ist ja, dass die beiden längst geschieden sind. Aber seine Frau ist aus der Sache ohne Demütigung herausgekommen. Die Entführung ist Rache, Machtlust. Klar ist das überspitzt. Es gibt übrigens noch viel mehr interessante Themen im Text. In gewisser Weise gibt es Parallelen zu Houellebecqs "Unterwerfung", nur dass Duwes "Macht" sehr viel witziger ist

Marlen Hobrack 07.03.2016 | 08:38

Da haben Sie den Finger tatsächlich in die Wunde gelegt! Tatsächlich fehlt die Ebene des Ökonomischen in den feministischen Debatten weitestgehend. Es gibt sie auch. Aber sie wird nicht annähernd so ausführlich diskutiert wie beispielsweise das Thema Körperbilder. Vielleicht muss man einfach zugeben, dass die feministischen Strömungen auch deshalb diesbezüglich untrebelichtet sind, weil der Background derjenigen, die das ganze professionell betreiben, eben meist auch ein geisteswissenschaftlicher Hintergrund ist. Zudem lassen sich öknomische Debatten einfach nicht Instagram-tauglich inszenieren.

Vielleicht ist der Feminismus in eine Art Sackgasse geraten, weil seine Protagonistinnen eben sehr gleich - sehr weiß, sehr Mittelschicht - zu ähnlich sind und bestimmte gesellschaftliche und ökonomische Realitäten nicht ins Auge fassen.

Ich verstehe zum Bsp bis heute nicht, warum es eim Elterngeld keinen Aufschrei gab. Es ist für mich eines der krassesten Beispiele der Benachteiligung von Frauen der unteren gesellschaftlichen Schichten. Das Elterngeld zeigt, dass eine "frauenpolitische" Maßnahme keineswegs gleichermaßen positiv für alle Frauen wirkt, sogar extreme Nachteile für eine große Gruppe von Frauen bringen kann, die aber keine Lobby haben, weil die Frauen, die für die Politikteile der Zeitungen schreiben, jener Schicht angehören, die vom Elterngeld profitiert. Und das ist nur ein Beispiel.

Umgekehrt muss man in den Blick nehmen, dass ein großer Teil von Frauen sich auch ganz einfach nciht für Debatten um Achselhaar und Menstruationsblut, wie wir sie im Instagram-Feminismus finden (ich überspitze mal), einfach nciht interessieren. Diese Frauen erleben den Feminismus - oder die Feminismen - einfach als irrelevant.

Marlen Hobrack 08.02.2016 | 18:33

Zunächst: Es gibt wohl auch Milliarden von Menschen auf diesem Planeten, die Mozart nicht kennen, das ist aber wohl kein Argument dagegen, über ihn zu sprechen. Will heißen: Wen es nicht interessiert, der liest es nicht.

Das ist ein banales Argument, eigentlich ein Null-Argument. Im Übrigen ist es auch nicht sinnvoll, immer von den eigenen "Kreisen" auf alle zu schließen

Marlen Hobrack 05.02.2016 | 13:30

Nun ist es aber nicht so, dass der Feminismus - egal in welcher Form - den Sexualtrieb negiert. Trieb heißt aber ja gerade nicht, dass wir jederzeit alles ausleben, was wir wollen, ob wir nun Mann oder Frau sind. Natürlich führt unsere Sozialisation und Kulturisation dazu, dass gewisse Triebe unterdrückt werden. Anders wäre ja Gesellschaft nicht zu machen. Ich finde es nur verräterisch, dass einzig über männliche Sexualität und männlichen Trieb gesprochen wird. Auch das ist ja nur eine Zuschreibung bzw. ein geschlechterstereotyp, das weibliche Aggression und Sexualtrieb negiert. Paglia spricht übrigens gar nicht häufig von Trieb, und das hat einen Grund: Die Trieblehre verweist ja auf eine psychische Dimension unserer Triebe. Diese sind eben nicht rein biologisch determiniert oder durch Hormone indiziert. Paglia blendet konsequent die psychischen Aspekte einer Vergewaltigung aus - z B die Macht, die der Vergewaltiger genießt. Darin ist in ihrem Weltbild einfach kein Platz.

Marlen Hobrack 15.12.2015 | 10:44

"Offengestanden bin ich immer ein wenig verwundert, wenn Filme als Anschauung dafür dienen sollen, dass sich in der Realität was geändert hat. Was hat Hollywood mit der Realität zu tun?"

Ich denke, dass man bei Hollywood von Hyperrealität sprechen kann und zugleich von einer Mythenmaschine. Diese modernen Mythen sprechen Sehnsüchte aus. Das heißt, dass Hollywood, indem es gerade nicht die Realität zeigt, Sehnsüchte und Ängste anschaulich macht. Aber eben auch Utopien. Man muss zudem sagen, dass das gute Hollywoodkino immer auch in der Lage ist, die eigenen Produktionsbedingungen zu hinterfragen.

Zudem ist offensichtlich, dass sich etwas in der Realität geändert hat - schon dadurch, dass heute bestimmte Themen angesprochen werden: Zum Beispiel, dass Frauen fehlen - egal, ob im Film oder in der Realität. Man darf einfach nicht unterschätzen, wie viele Menschen der Hollywoodfilm erreicht, speziell Unterhaltungsfilme wie Mockingjay.

Marlen Hobrack 15.12.2015 | 10:38

"Dass Frauen die Welt retten könnten ist - aus meiner Sicht - eher eine männliche Zuschreibung. Dazu erschaffen, dagegen heftig argumentativ anzurennen."

das ist eine interessante Sichtweise. Wobei ich glaube, dass es auch in den unterschiedlichen feministischen Strömungen diese Zuschreibung gibt. Eine - aus meiner Sicht - problematische Zuschreibung, weil sie mit der Hoffnung auf einen "besseren" Menschen verknüpft ist, die zwangsläufig enttäuscht werden muss.

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