Ein Vogel und das rechte Eheglück

Martin Sellner Der österreichische Identitären-Chef weiß, was eine Ehefrau zu tun hat
| Ausgabe 51/2019 1
„Mach mir was zu essen, Spatz!“
„Mach mir was zu essen, Spatz!“

Foto: Imago Images/Westend61

Hosianna, nun bekennt sich Martin Sellner, der seitengescheitelte, österreichische Identitären-Schmusi, zur Ehe für alle! Genauer: zur Ehe für Rechte. „Heiratet Leute“, tweetete er. Natürlich, Martin, was denn sonst? Hunde? Oder war das ein Imperativ? „Heiratet, Leute!“ Unter Strammrechten ist die Befehlsform ja beliebt. Im Bild zum Tweet himmelt ihn seine nicht weniger adrett frisierte Ehefrau über einen Teller mit – wie ich annehme – selbst gekochtem Essen hinweg an. Er hebt wohlwollend den Daumen. Fein gemacht, Frauchen! Man beachte den Bildaufbau. Da steht nicht nur eine Schüssel vor Sellner; zwischen beiden steht auch ein Sträußchen bordeauxroter Billigrosen aus dem Asiashop und, Achtung, ein Spatz! Sie wissen schon, ein Made-in-China-Keramikvögelchen, das man im 1-Euro-Shop für 99 Cent kaufen kann.

Ob der ein Geschenk für seine Liebste, Miss Pettibone, war? So heißt sie wirklich, und sie veröffentlicht Bücher. Ob man darin lernt, wie man eine echte Trad Wife wird? Also eine traditionelle Frau, die ihren von Minderwertigkeitskomplexen geplagten Mann nicht durch Ambitionen oder kühne Lebensentwürfe bedroht. Das Twitter-Power-Couple lebt uns den American Alt Right Dream vor: Hier ist die Welt noch in Ordnung. Hier finden wir keine „Feminismus-Opfer“, die beide so gern vorführen. Frauen, die mit 40 noch keine Kinder haben, beispielsweise. So sad!

In den USA machen Trad Wives und die Alt-Right-Bewegung, für die sie trommeln, Furore. Unter anderem erobern sie Instagram, wo auffällig blonde Frauen mit auffällig vielen blonden Kindern backen und fürs perfekte Familienfoto auch mal in die Sonne von Arizona starren. Die neuen Trad Wives unterscheiden sich von Erzkonservativen der alten Schule durch zeitgemäßes Styling. Sie werben nicht offensiv für die Alt Right. Aber Bilder von blonden Kinderscharen wirken unbewusst in einem Land, dessen Bevölkerung mehrheitlich nicht blond und blauäugig ist und in Zukunft noch weniger sein wird.

Bleibt noch das Tischrätsel: Was macht der Spatz da? Dachte Sich Frau Sellner-Pettibone: „Ich will nicht kleinlich sein, lieber ein Spatz auf der Hand als eine Taube auf dem Dach!“ Und wer wäre dann die Taube? Auch dieses Rätsel lüftet Sellners Twitter-Account, dessen Titelbild ein Täubchen zeigt. Wie putzig der Kackvogel (die Taube!) doch ist. Oder ist der Sperling gar ein Symbol? In der christlichen Symbolik ist er der geringste unter den Vögeln. Ein proletarischer Spatz, sozusagen. Spatzen aller Länder, vereinigt euch! Dafür müsst ihr ja nicht gleich heiraten.

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Geschrieben von

Marlen Hobrack

Was ich werden will, wenn ich groß bin: Hunter S. Thompson
Marlen Hobrack

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