Wahre Wonder Women

Film und Kino Zum Start von Captain Marvel – die besten Actionfilme mit weiblichen Stars
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Wahre Wonder Women
Runter vom Poster, raus auf die Leinwand!

Foto: Pablo Blazquez Dominguez/Getty Images

Zum dritten mal in zwei Jahren wollen uns Hollywoods Marketing-Strategen verkaufen, dass es endlich mal eine Frau als Actionstar im Kino gebe: WONDER WOMAN, ATOMIC BLONDE und nun CAPTAIN MARVEL, ein mutmaßlicher Werbefilm für das US-Militär. Viele Kinogängerinnen und besonders Filmkritikerinnen sind erstaunlicherweise begeistert und empfehlen diese Filme, obwohl es ja besonders wertschätzend ist, dass zwei dieser drei Actionheldinnen mehr oder weniger Außerirdische sind. Überzeugende Actionheldinnen im Kino gibt es seit fast 50 Jahren und sie kommen fast alle aus Asien oder sind von ihnen inspiriert. Ein paar Kino- bzw. Heimkinotips:

10. CROUCHING TIGER, HIDDEN DRAGON alias TIGER AND DRAGON (臥虎藏龍/ 卧虎藏龙, Pinyin Wòhǔ Cánglóng)

Taiwan, Hong Kong, China, USA 2000, von Ang Lee, mit Michele Yeoh, Zhang Zi-Yi, Chang Chen und Chow Yun-fat

Schwertkämpfer Li Mu Bai trifft bei einem Auftrag seine ehemalige Freundin Yu Xiu Lian wieder. Sie müssen den Raub des berühmten Jadeschwertes verhindern und es mit einer mächtigen Zauberin aufnehmen. Die poetische und intelligente Geschichte wird mit dynamischen Kampfszenen aufgewertet, die kein Selbstzweck sondern Teil der Erzählweise sind. Scheinbar schwerelos schweben die Akteurinnen und Akteure durch die Szenen.

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9. DEATH PROOF

USA 2006, von Quentin Tarantino, mit Sidney Tamilia Poitier, Vanessa Ferlito, Jordan Ladd, Rose McGowan, Zoe Bell, Rosario Dawson, Mary Elisabeth Winstead und Kurt Russel

Ein psychopatischer Ex-Stuntman bringt gerne junge Frauen um, indem er mit seinem umgebauten Wagen Auffahrunfälle verursacht. Nach einem Einzelmord bringt er die vier Insassinnen eines Wagens brutal durch einen Frontalzusammenstoß um; nachgewiesen werden kann ihm nichts. Später verursacht er es erneut, bekommt es aber mit zwei Stuntfrauen zu tun, die es mit ihm aufnehmen und ihn fertig machen. Kluge Dialoge Marke Tarantino werden mit rasanten Autorennen und selbstmörderischen Stunts ohne Computertricks kombiniert. Die viel beschäftigte neuseeländische Stuntfrau Zoe Bell ist in ihrer einzigen nennenswerten Hauptrolle zu bestaunen.

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8. EIN HAUCH VON ZEN (俠女 Hsia Nu)

Taiwan 1969 – 1971, von King Hu, mit Hsu Feng, Shih Jun, Pai Ying, Roy Chiao

Ein gebildeter und etwas naiver Schreiber und Maler trifft auf eine junge Frau, die zu einer Gruppe von Widerstandskämpfern gehört und in die er sich verliebt. Sie werden vom korrupten kaiserlichen Obereunuchen und dessen Armee verfolgt und es gibt mehrere längere und blutige Schlachten. Der Mann ist zwar die Hauptfigur, allerdings überwiegend als unbeteiligter Beobachter. Die Rebellenanführerin Yang ist hier die führende aktive Filmfigur. Epische Kampfszenen mit einer herausragenden Akrobatik und einer schon psychedelischen Optik und Montage machten den fast dreistündigen Film zu einem Flop in seinem Herkunftsland aber zum einflussreichen Urknall des asiatischen Action- und Kampfkinos. Ein Hauch von Meisterwerk.

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7. LADY SNOWBLOOD (修羅雪姫, Shurayuki-hime)

Japan 1973, von Toshiya Fujita, mit Meiko Kaji, Toshio Kurosawa, Masaaki Dajmon, Miyoko Azaki

Yuki wird im Gefängnis geboren. Ihre Mutter starb dort, nachdem ihre Eltern Opfer geldgieriger Verbrecher geworden waren. Yuki wurde ausschließlich geboren, um Rache zu nehmen; und das tut sie mit äußerster Konsequenz und Brutalität. Die Manga-Verfilmung überzeugt durch brilliante Optik und eine traurige Grundhaltung über eine unmoralische und grausame Gesellschaft. Hauptdarstellerin Meiko Kaji ist auch als Schlagersängerin aktiv und sang in vielen Filmen die Titelsongs. Nach nicht einmal zehn Jahren beendete sie ihre Filmkarriere und tritt nur noch sehr selten auf.

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6. AZUMI

Japan 2003, von Ryuhei Kitamura, mit Aya Ueto, Yoshio Harada, Hiroki Narimiya

Im japanischen Bürgerkrieg des 17. Jahrhunderts sammelt ein Kriegsveteran Waisenkinder aus zerstörten Dörfern auf, um sie aufzuziehen und zu Kriegern und Attentätern auszubilden. Das einzige Mädchen in der Gruppe ist Azumi. Nach Ende der Ausbildung besteht die erste Prüfung darin, den jeweiligen Kampf- und Trainingspartner in einem Kampf auf Leben und Tot zu töten. Im weiteren Verlauf werden Landsitze und Reisezüge von Kriegstreibern überfallen, um diese zu töten. Die ironiefreie Geschichte wird mit spektakulären Kampfszenen erzählt. Grandios. Der Film lief in Deutschland erfolgreich auf einigen Filmfestivals und erschien nie regulär im Kino sondern nur im Heimkino, wobei die deutsche Erstveröffentlichung nicht mal die japanische Sprachfassung enthielt sondern nur eine mißglückte Synchronisation.

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5. DIE KARATE TIGER alias SISTER STREETFIGHTER (女必殺拳 Onna Hissatsu Ken)

Japan 1974, von Kazuhiko Yamaguchi, mit Etsuko Shihomi, Sanae Obori, Hiroshi Miyauchi, Kenji Ôba, Tatsuya Nanjô und Sonny Chiba

Polizistin Koryu hat den Auftrag, einen Drogenring zu infiltrieren und sucht parallel dazu ihren verschollenen Bruder. Dabei kommt es zu zahlreichen actiongeladenen und brutalen Kämpfen. Zur Unterstützung kommt Japans Action-Legende Sonny „STREETFIGHTER“ Chiba in einer Nebenrolle; deshalb wurde der Film international auch als SISTER STREETFIGHTER vermarktet. Der Film ist ein gelungener und konsequenter Actionfilm mit etwas schlichter Handlung und will gar nicht mehr sein. Sehr gelungen.

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4. COFFY

USA 1974, von Jack Hill, mit Pam Grier, Booker Bradshaw, Robert Doui, William Elliot, Sid Haig

Krankenschwester Coffy will für ihre drogenkranke Schwester Rache nehmen. Sie lockt Drogendealer in ihre Wohnung und tötet sie. Als Prostituierte getarnt dringt sie in den inneren Kreis des Drogenrings ein, um ihre Rache zu vollenden. Die starke und weibliche afroamerikanische Hauptfigur machte Hauptdarstellerin Pam Grier vorüber gehend zum Weltstar und zu einer Ikone des frühen schwarzen Genrekinos. Nach dem Ende des Blaxploitation-Booms in den 70ern wurde es etwas ruhiger für Pam Grier, bevor Quentin Tarantino sie für seinen dritten Film JACKIE BROWN wieder entdeckte.

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3. KILL BILL (Vol. 1 und Vol. 2)

Von Quentin Tarantino, USA 2003 – 2004, mit Uma Thurman, David Carradine, Michael Madsen, Daryl Hannah, Luci Liu, Vivica Fox sowie Sonny Chiba und Gordon Liu

Beatrice Kiddo alias „Die Braut“ wurde von ihrer Gang unter dem Boss Bill während ihrer Hochzeit mit einem Kopfschuss hingerichtet. Nach Jahren im Krankenhaus erwacht sie aus dem Koma und macht sich auf einen blutigen Rachefeldzug. Tarantino verneigt sich mit zahlreichen Zitaten vor dem asiatischen Genrekino und dem Italo-Western. Für die asiatischen Szenen konnte er die beiden Kinolegenden Sonny Chiba (STREETFIGHTER) und Gordon Liu (DIE 36 KAMMERN DER SHAO LIN) gewinnen; Liu tritt sogar in zwei verschiedenen Rollen auf. B-Movie-Star David Carradine spielt die beste Rolle in seiner langen Karriere und tritt erst in Vol.2 richtig auf, nachdem er in Vol.1 nur zu hören und zum Schluss kurz von den Schultern abwärts zu sehen ist. Zur unvergleichlichen musikalischen Untermalung gehört z.A. „Der einsame Hirte“ vom Orchester James Last und Gheorghe Zamfir; Tarantino hörte den Titel im Urlaub und kaufte dem Tavernenwirt die CD ab.

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2. PEKING OPERA BLUES (刀马旦 Dāo Mǎ Dàn)

Hong Kong 1986, von Tsui Hark, mit Brigitte Lin, Cherie Chung, Sally Yeh, Wu Ma, Kenneth Tsang

Im China des Jahres 1913 will eine Widerstandskämpferin ihrem Vater, einem General, eine Schriftrolle stehlen, um kriegerische Auseinandersetzungen zu beenden. Auf der Flucht landet sie in der Peking-Oper und verbündet sich mit den Theaterleuten. Eine etwas wirre Filmhandlung wird von spektakulären Kampfszenen, Actioneinlagen und humoristischen Verwechslungsmomenten und Klamauk getragen. Der Film lief in den 80er Jahren in einer Nebenreihe der Berlinale und entwickelte sich von dort zum weltweiten Überraschungshit, der zahlreiche ähnliche Filme nach Europa brachte. Im deutschen Kino lief er nie regulär, hatte aber in den guten alten Zeiten der 80er und 90er Jahre einen Stammplatz als Kultfilm mit deutschen Untertiteln in deutschen Programmkinos.

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1. HEROIC TRIO (東方三俠, Dōng fāng sān xiá)

Hong Kong 1993, von Johnnie To, mit Maggie Cheung, Michele Yeoh, Anita Mui, Damian Lau und Anthony Wong

Ein größenwahnsinniger Verbrecher entführt Kinder in eine höllenhafte Unterwelt. Drei Superheldinnen – eine heißt tatsächlich Wonder Woman – schließen sich für eine absurd-abenteuerliche Rettungsmission zusammen. Die Gesetze der der Physik, der Schwerkraft und auch der Logik gelten hier nicht mehr. Tempo, Irrsinn und grenzenlose Phantasie machten den Film zu einem Welthit, der ebenfalls nie regulär im deutschen Kino lief sondern nur von vereinzelten Kinobetreibern in Sondervorstellungen gezeigt wurde und sonst nur im Heimkino verfügbar ist.

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18:41 23.03.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Martin Betzwieser

Personifizierter Ärger über Meinungsmanipulation, Kino- und Kabarattliebhaber
Martin Betzwieser

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