Die besten alternativen Weihnachtsfilme

Heimkino Weiße Weihnacht fällt wieder aus, Familienbesuche teilweise auch. Bleiben Völlerei und Filme Schauen. Ein paar Tips zum Glotzen.
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Was läuft in der Mattscheibe: Bibelverfilmungen – am 4. Advent immerhin BEN HUR auf arte – DIE FEUERZANGENBOWLE, DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL, WEIHNACHTEN BEI HOPPENSTEDTS, KEVIN ALLEIN ZU HAUS, DER KLEINE LORD und die SISSI-Trilogie. Nichts gegen die SISSI-Trilogie, die übrigens vor knapp 65 Jahren Weltpremiere hatte. Darsteller*innen, Kostüme und Ausstattung waren vom Feinsten, aber der Edel-Kitsch auf höchstem Niveau muss nicht jedes Jahr angeschaut werden. Ein, zwei Klassiker dürfen durchaus sein, aber hier sind ein paar Alternativen für den etwas anderen Weihnachtsfilm-Marathon.

Außer Konkurrenz: DER GRINCH (HOW THE GRINCH STOLE CHRISTMAS)

USA 2000, von Ron Howard, mit Jim Carrey, Taylor Momsen, Jeffrey Tambor, Christine Baranski, Bill Irwin

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Im Weihnachtsdorf der knubbelnasigen Who´s stehen Weihnachtsvorberreitungen und Konsumrausch auf dem Höhepunkt. Der grünpelzige Grinch hasst Weihnachten, seit er einst in der Schule von den anderen Kindern gemobbt wurde. So stiehlt er Weihnachtsgeschenke, vertauscht Weihnachtskarten und sabotiert Feiern. Nur das kleine Mädchen glaubt an das Gute in ihm. Schließlich gibt es trotzdem Geschenke und die gemeinsame Erkenntnis, dass Familie, Freunde und Freuden an Weihnachten das Wichtigste sind; bla bla bla bla bla.
Nach einigen eher unabsichtlichen Spurenelementen von Kapitalismus- und Konsumrausch überwiegen zuckersüßer Weihnachtskitsch und die Reizüberflutung durch eine im Prinzip sehr gute Ausstattung. Für die Masken gab es einen OSCAR und Jim Carrey spielt prima, wobei seine Gesichtsakrobatik und den dicken Latex-Schichten nur bedingt zur Geltung kommt. Vom braven Auftragsregisseur Ron Howard (SOLO - A STAR WARS STORY) darf man keine filmischen Innovationen erwarten.
Den Erzähler spricht Sir Anthony Hopkins in der Originalversion und Otto Sander in der deutschen Fassung.
Wenn der randalierende Grinch im Tobsuchtsanfall den Weihnachtsbaum anzündet und später mit dem fast ungebremsten Schlitten auf den vollen Dorfplatz rast, sieht man solche Szenen vier Jahre nach dem Weihnachtsmarkt-Massaker in Berlin mit anderen Augen. Am 4. Advent sah ich diesen Weihnachtsterror auf Netflix und es war ungefähr so bekömmlich wie Sodbrennen nach einer Glühwein-Orgie. Eigentlich ist er unerträglich.

Außer Konkurrenz: KEVIN ALLEIN ZU HAUS (HOME ALONE)

USA 1990, von Chris Columbus, mit Macauly Culkin, Joe Pesci, Daniel Stern, Catherine O’Hara, John Heard

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Schon ein Klassiker, dessen Filmhandlung ich nicht zusammenfassen muss. Wenn Kevin bei Beginn der Familienreise einfach von seinen Eltern zu Hause vergessen wird und er sich später mit Guerilla-Methoden gegen die beiden Einbrecher wehrt, ist das sehr originell, nimmt aber insgesamt eine halbe Stunde Spielzeit ein; der Rest ist üblicher Standard-Weihnachtskitsch. Alle zehn Jahre kann man ihn mal schauen, öfter muss es nicht sein.

10. STIRB LANGSAM (DIE HARD)

USA 1988, von John McTiernan, mit Bruce Willis, Alan Rickman, Bonnie Bedelia, James Shigeta, Reginald Veljohnson und Alexander Godunov

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Die Handlung dürfte bekannt sein. Polizist John McClane ist von seiner Frau getrennt und kommt von New York angeflogen, um mit ihr in Los Angeles Weihnachten zu feiern. Als er sich im Büroturm des Arbeitgebers am Rand der Weihnachtsfeier frisch macht, stürmen Verbrecher den Büroturm, um Wertpapiere zu stehlen. John McCLane nimmt es als Ein-Mann-Armee im Unterhemd mit den Verbrechern auf. „Yippie Yahee, Schweinebacke“.
Bruce Willis wurde zum Weltstart und der Film zum weltweiten Hit und zur Reihe ausgebaut, die mit der Zeit immer schlechter wurde.

9. JESSY – TREPPE IN DEN TOD (BLACK CHRISTMAS)

Kanada 1974, von Bob Clark, mit Olivia Hussey, Andrea Martin, Margot Kidder, Keir Dullea, Marian Waldman und John Saxon

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Kurz vor Weihnachten verschafft sich ein geistesgestörter Triebtäter, den wir nie in Person sehen, Zutritt zum Studentenwohnheim, tötet zunächst eine Bewohnerin und nistet sich mir ihrer Leiche auf dem Dachboden ein. Kurz danach wird sie als vermisst gemeldet, worauf die Polizei fast nichts unternimmt. Nun kommt es dauernd zu obszönen Anrufen an die Studentinnen und zwischenzeitlich werden weitere Studentinnen ermordet. Eine Fangschaltung ergibt, dass der Mörder vom Haus anruft.
Der Film braucht leider etwas länger, um in die Gänge zu kommen, schafft es dann aber, mit gut entwickelten Figuren und einfallsreicher Kameraarbeit Spannung und eine sehr unangenehme Stimmung zu erzeugen. Es war der erste Film, der eine Serienmörderthematik mit Weihnachten verbindet. Neben Margot Kidder (Fräulein Reporterin bei SUPERMAN) und dem im Sommer Monaten verstorbenen John Saxon sehen wir Keir Dullea (Astronaut Bowman aus Kubrick´s 2001) als verhaltensoriginellen Freund und zwischenzeitlichen Hauptverdächtigen.

8. RARE EXPORTS – EINE WEIHNACHTSGESCHICHTE (RARE EXPORTS)

Finnland 2010, von Jalmari Helander, mit Onni Tommila, Iimari, Järvenpää, Jorma Tommila, Tommi Korpela, Rauno Juvonen

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Der Weihnachtsmann mit weißem Bart und rotem Kittel ist eine Erfindung der Industrie und der Getränkehersteller. Der echte Weihnachtsmann ist ein echt übler Kerl, der gerne die Menschheit terrorisiert, Kinder frisst und vor Generationen in einem Bergmassiv eingefroren wurde, wo ihn jetzt Archäologen ausgraben. Kurz danach ist die Rentierherde tot und fast alle Kinder sind verschwunden. Der Familie geht ein alter abgemagerter Mann mit weißem Bart in die Falle, den der junge Pietari für den bösen Weihnachtsmann handelt und von dem wir lange Zeit nicht wissen, ob er der Weihnachtsmann oder ein böser Elf ist.
Nach einem spektakulären und explosiven Schlusskampf können unsere Helden eine ganze Horde alter Weihnachtsmann-Knacker oder böser Elfen einfangen; was mit ihnen passiert, soll hier nicht verraten werden. Aber die Schlussphase ist eine gelungene Weihnachts-, Wirtschafts- und Konsumsatire.

7. SCHWARZE WEIHNACHTEN (BLACK CHRISTMAS)

USA 2006, von Glen Morgen, mit Katie Cassidy, Mary Elisabeth Winstead, Michelle Trachtenberg, Kirsten Cloke, Oliver Hudson

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Wieder sieht es ein geisteskranker Serienmörder auf die jungen Frauen in einem Studentenwohnheim ab. Die Grundidee und der Titel des 1974er Films bleiben erhalten, wird aber deutlich abgeändert und so kann sich eine eigene Handlung mit eigenem Stil entwickeln. In der Nebenhandlung sehen wir, wie ein missgestalteter Junge, der von seiner Mutter abgelehnt und vom Vater geliebt wird, mitansehen muss, wie sie ihn ermordet. Das Trauma bringt ihn in die Psychiatrie, wo es ihm nach Jahren gelingt, zu entkommen, um mit seiner Familie Weihnachten zu feiern. Und in ihrem alten Haus wohnen jetzt die Studentinnen.
Die Macher konzentrieren sich stark auf blutige Mordszenen und Schockmomente wie Verstümmelungen, Inzest und Kannibalismus. Das haut rein.
2019 gab es noch eine weitere Verfilmung, die das Thema sexuellen Missbrauch als Handlungselement einführte und so sehr vielversprechend beginnt; nach einiger Zeit kippte dieser Film aber in übernatürlichen Hexen-Hokuspokus um und muss als misslungen betrachtet werden.

6. DER ALBTRAUM VOR WEIHNACHTEN (THE NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS)

USA 1993, von Henry Selick, Puppentrickfilm mit den Stimmen von Chris Sarandon, Danny Elfman, Catherine O´Hara, William Hickey, Glen Shadix

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Jack Skellington ist der Kürbiskönig von Halloween-Town, wo die Bewohner die Absicht verfolgen, jedes Jahr das beste Halloween aller Zeiten zu feiern. Aber Jack wird neurotisch und will aus diesem Trott heraus. Er möchte Weihnachtsmann werden und die Kinder erfreuen. Dazu entführt er den echten Weihnachtsmann und nimmt seine Stelle ein und es läuft nichts wie geplant.
Nach einer Idee von Tim Burton wird ein klassisch gestalteter Puppentrickfilm mit düster Gruselfilmstimmung und Musicaleinlagen kombiniert. Das ist wirklich sehr schräg und macht bei einer Laufzeit von unter 80 Minuten richtig Spaß.

5. GREMLINS (THE GREMLINS)

USA 1984, von Joe Dante, mit Zach Galligan, Phoebe Cates, Hoyt Axton, Frances Lee McCain, Polly Holliday, Corey Feldman

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Billy bekommt zu Weihnachten in letzter Minute einen Mogwai geschenkt, ein bisher unbekanntes Knuddelfelltierchen. Aber Vorsicht. Er darf nicht nass werden und nicht nach Mitternacht gefüttert werden. Aber natürlich wird er nass und vermehrt sich. Die süßen Nachkommen werden nach Mitternacht gefüttert, weil eine Uhr stehen bleibt, und verwandeln sich in bösartige und hässliche Monster, die den ganzen Ort terrorisieren. Neben dem Horror einer unbekannten Bedrohung ist GREMLINS eine makabre und schrille Satire auf die Konsumwahn und amerikanische Lebensgewohnheiten.

4. IST DAS LEBEN NICHT SCHÖN (IT´S A WONDERFUL LIFE

USA 1946, von Frank Capra, mit James Steward, Donna Reed, Lionel Barrymore, Henry Travers

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Zur Abwechslung doch mal ein Klassiker, der nicht regelmäßig an Weihnachten im TV läuft:
George verliert am Weihnachtsabend seinen Lebensmut und wünscht sich, nie geboren worden zu sein. Der naive Engel Clarence taucht auf und erfüllt ihm vorübergehend zu experimentellen Zwecken seinen Wunsch. George lernt als außenstehende Geistererscheinung, wie sich sein Heimatort ohne seine Existenz entwickelt hätte und wie schlecht seine Familie, Freunde und Bekannte ohne ihn dran wären. Etwas kitschig und altmodisch, trotzdem zeitlos. Einer der Weihnachtsfilme überhaupt.

3. KRAMPUS

Neuseeland, USA 2015, von Michael Dougherty, mit Emjay Anthony, Adam Scott, Stefania LaVie Owen, Krista Stadler, Conchata Ferrell und Toni Collette

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Am Anfang sehen wir bekloppte Einkäufer, die in ein Kaufhaus einfallen und sich unter teilweise grotesken Umständen Weihnachtsgeschenke besorgen; hier sehen wir gut durchdachte und dosierte Konsumanalyse.
Die Familie kommt zur Weihnachtszeit zusammen und streitet dauernd. Der Strom fällt aus und die Stimmung ist am Tiefpunkt. Enkel Max ist frustriert und zerreißt einen Brief an den Weihnachtsmann. Der gehörnte Dämon Krampus, eine Art böser Bruder des Weihnachtsmanns, kommt mit seinen bösen Elfen, um die Familie fertig zu machen. KRAMPUS hat eine wirklich fiese und düstere Gruselstimmung und ist der 1A-Weihnachtsfilm für Weihnachtsmuffel bis Weihnachtshasser.
Krampus ist übrigens eine Gestalt aus der Sagenwelt des deutschen und österreichischen Alpenraums. Der Nikolaus bringt den Kindern Geschenke und Süßigkeiten, während sein Gefährte Krampus oder Kramperl die bösen Kinder mit Schlägen bestraft. Bei diesem Reichtum der deutschen bzw. mitteleuropäischen Sagenwelt ist es schon eine Tragödie für sich, dass deutsche Filmemacher dieses Potential nicht nutzen. Mehr als ein bisschen Grimms Märchen im Kinderfernsehen ist zu viel verlangt.

2. Weihnachten bei Familie Hoppenstedt

Deutschland 1978 bzw. 1997, von Vico „Loriot“ von Bülow, mit Loriot, Evelyn Hamann, Heinz Meier, Katja Bogdanski, Rudolf Kowalski, Kurt Ackermann, Bruno Pannek

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Ja, das muss jetzt sein. Denn hier sehen wir einen zeitlosen Klassiker des Weihnachtsfernsehens und ein Meisterwerk deutscher Unterhaltungskunst. Familie Hoppenstedt erlebt Weihnachtsstress, kauft Geschenke und plant Heiligabend. Wir sehen dazu die Vertreter des Saugblasers Heinzelmann mit späterer Weinprobe und hören das makaberste Adventsgedicht aller Zeiten.
Weihnachten bei Hoppenstedts ist überaus niveauvoll, sehr gut beobachtet, unvergleichlich komisch und in einigen Momenten für die damalige Zeit sehr frivol und gewagt. Der Plattenspieler sowie das Fehlen von Computern und Mobiltelfonen fällt am Rand auf, ansonsten könnte fast alles auch heute spielen.
Früher erzählte mir jemand, der Darsteller des Sohns Dickie Hoppenstedt sei der sehr junge Hape Kerkeling; aber das stimmt nicht.

1. DAS LEBEN DES BRIAN (MONTY PYTHON´S LIFE OF BRIAN

Großbritannien 1979, von und mit Graham Chapman, John Cleese, Eric Idle, Terry Jones, Michael Palin und Terry Gilliam

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Die Kult-Komikertruppe Monty Python karikiert auf ihre besondere humoristische Weise kitschige Monumental-Bibelfilme und religiösen Dogmatismus. Dabei spielt jeder gleich mehrere Rollen.
Der junge Judäer Brian Cohen wächst als Sohn einer Einheimischen und eines römischen Besatzungssoldaten auf. Als junger Erwachsener wird er aus Versehen für den Messias gehalten, was dann auch am Kreuz endet – allerdings auf wesentlich komischere Weise als sonst. Super-Stimmung ist garantiert. Es lebe die Judäische Volksfront. Und jeder nur ein Kreuz.

05:00 23.12.2020
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Martin Betzwieser

Personifizierter Ärger über Meinungsmanipulation, Kino- und Kabarattliebhaber
Martin Betzwieser

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