Die besten Comic-Verfilmungen aller Zeiten

Film und Kino Zum Start von AVERNGERS ENDGAME: Es gibt noch etwas Anderes als die Monokultur des US-Superheldenkinos.
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Außer Konkurrenz: ROBOCOP

USA 1987, von Paul Verhoeven, mit Peter Weller, Nancy Allen, Kurtwood Smith, Ronny Cox, Dan O´Herlihy, Miguel Ferrer, Robert Doqui, Ray Wise, Paul Mc Crane

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Paul Verhoevens schrille Gesellschafts- und Mediensatire ROBOCOP ist keine Comic-Verfilmung, wendet aber Stilmittel des Comic-Films an. Durch den Erfolg kamen zwei weniger gelungene Fortsetzungen, eine Fernsehserie, eine schwache Neuverfilmung und zahlreiche Comics.
In naher Zukunft (ausgehend vom Jahr 1987) nehmen Gewalt und Gesetzlosigkeit immer mehr zu. Öffentliche Dienstleistungen – u.A. die Polizei – werden privatisiert. Streifenpolizist Alex Murphy wird im Dienst von einem Drogenring getötet und seine Reste werden zum Robocop, einem cybernetischen Roboterpolizisten mit Stahlkörper und menschlichem Restgehirn umgebaut. Er räumt in der Unterwelt fleißig auf, erinnert sich im Verlauf des Films aber an sein früheres Leben und rebelliert gegen Gangster und die Chefetage des Unternehmens. Neben für die Zeit harten Gewalteinlagen, die im deutschen Kino gekürzt waren, und einer gesellschaftskritischen Grundhaltung, welche die großen Privatisierungswellen öffentlicher Daseisvorsorge in den 90er Jahren vorweg nahm, überzeugt ROBOCOP durch trockenen Humor und eine brilliante dynamische Bildgestaltung; Chefkameramann / Director of photography war der Deutsche Jost Vacano, der für DAS BOOT eine Oscar-Nominierung erhielt und in Holland und später in Hollywood öfter mit dem Niederländer Paul Verhoeven arbeitete. Ein Klassiker. Mittlerweile ist ROBOCOP auf dem Heimkinomarkt ungekürzt erhältlich und sogar ab 16 Jahren frei gegeben.

10. HELLBOY

USA 2004, von Guillermo del Toro, mit Ron Perlman, Selma Blair, Doug Jones, Rupert Evans, Jeffrey Tambor, Karel Roden und John Hurt

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1944 wollen Nazis zusammen mit dem wieder auferstandenen Rasputin ein Portal zur Hölle öffnen, um den Endsieg einzuleiten. Sie werden vom Militär gestoppt und aus dem Höllenportal kommt ein roter Babydämon. 60 Jahre später lebt Hellboy als Spezialagent einer Geheimdiensttruppe zusammen mit einem Amphibienmann und einer feurigen Lady in einem Geheimlabor, das vom leitenden Wissenschaftler des Jahres 1944 geleitet wird. Rasputin und die okkulten Nazis versuchen es 2004 noch mal und Hellboy & Co. müssen sie aufhalten. Eine absurde Geschichte, trockener Humor, die trashige Bahnhofskino-Atmosphäre der 70er und ein lässiger Superheld überzeugen auf ganzer Linie. Der Film ist gut ausgestattet und getrickst, ohne in digitale Reizüberflutung auszuarten, und macht viel Spaß. Es folgte eine Fortsetzung mit gleichem Team, die auch sehr sehenswert ist. Vor wenigen Wochen kam eine Neuverfilmung ins Kino, die ich noch nicht kenne; nach Allem, was ich hörte und las, soll sie sehr schlecht sein.

9. BLADE

USA 1998, von Scott Norrington, mit Wesley Snipes, Steven Dorff, N’Bushee Wright, Donal Logue, Udo Kier, Tracy Lords und Kris Kristofferson

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Blade´s Mutter hochschwangere Mutter wurde vor seiner Geburt von einem Vampir gebissen und er ist ein geborener Vampir, der mit Hilfe seines Freundes Whistler und seines Serums den Blutdurst unter Kontrolle hält und Jagd auf Vampire macht. Zusammen mit einer frisch gebissenen Krankenschwester, die auch wieder umgedreht werden muss, wird Jagd auf den überheblichen Vampir Deacon Frost gemacht, der die Welt erobern möchte. Überzeugen können die gute Ausstattung und Kampfchoreografie sowie die gut aufgelegten Schauspieler. In zwei schrägen Nebenrollen sehen wir den deutschen Kultschauspieler Udo Kier als Häuptling der Vampirliga sowie Tracy Lords als Vampir-Partyluder; Tracy Lords sorgte einst für einen Skandal, als sie im zarten Alter von 16 Jahren mit einem gefälschten Führerschein zu einer der prominentesten Pornodarstellerinnen ihres Jahrzehnts wurde - schon das wäre einen eigenen Film wert. Negativ fallen dagegen zahlreiche Splatter- und Verwandlungseffekte auf, die damals mit der damals neuesten Computer-Animationstechnik hergestellt wurden und wirken wie Bildschirmschoneranimationen. Trotzdem stimmen Atmosphäre und Unterhaltungswert des einzigen MARVEL-Films in dieser Liste.

8. NICK KNATTERTONS ABENTEUER

Deutschland 1959, von Hans Quest, mit Karl Lieffen, Susanne Cramer, Maria Sebald, Wolfgang Wahl, Günther Pfitzmann, Wolfgang Müller, Wolfgang Neuss und Gerd Fröbe

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Ich bemühe mich immer, bei den Bestenlisten auch einen deutschen Film unterzubringen, was nicht immer ganz einfach ist - auch hier nicht ...

Nick Knatterton war eine Comicserie, die in den 50er Jahren in einer deutschen Illustrierten erschien und 1959 verfilmt wurde. Privatdetektiv Knatterton sucht eine entführte Industriellentochter und mischt die Unterwelt auf. Gelungene Situationskomik mit Seitenhieben auf die Wirtschaftswunderzeit und gut aufgelegte Darsteller/innen sorgen für gute Unterhaltung. Warum nicht.

7. SIN CITY

USA 2005, von Robert Rodriguez, Frank Miller und Gastregisseur Quentin Tarantino, mit Bruce Willis, Clive Owen, Mickey Rourke, Jessica Alba, Rosario Dawson, Micheal Clarke Duncan, Benicio del Toro, Elija Wood, Nick Stahl und Rutger Hauer

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Die düstere Comicserie über die Halb- und Unterwelt der fiktiven Stadt Basin City alias Sin City wird von Erfinder Frank Miller und Kultregisseur Robert Rodriguez in düsterer Schwarz-weiß-Optik und wenigen Farbtupfern optimal in eine Filmhandlung übertragen. Den Machern gelingt mit dem visuellen Stil eine Verschmelzung von Comic und Film. Verschiedene Handlungsepisoden und ihre Charaktere werden abwechselnd erzählt und miteinander verbunden. Hierbei sind einige Schauspieler gegen ihre üblichen Rollenauswahl besetzt, z.B. Elija Wood alias Hobbit Frodo („HERR DER RINGE“) als kannibalischer Serienmörder.

6. ASTERIX DER GALLIER

Frankreich, Belgien 1967, von Ray Goosens

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Ganz Gallien ist von den Römern besetzt – abgesehen von einem kleinen Dorf, das Asterix, Obelix & Co mit Hilfe eines Zaubertrankes erfolgreich verteidigen. Der Zeichentrickfilm ist sehr schlicht gezeichnet, kommt aber der Optik der Comichefte sehr nah und ist immer noch unterhaltsam. Auffallend ist, dass bei den Galliern nirgendwo Frauen anwesend sind.

5. AZUMI

Japan 2003, von Ryuhei Kitamura, mit Aya Ueto, Yoshio Harada, Hiroki Narimiya

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Im japanischen Bürgerkrieg des 17. Jahrhunderts sammelt ein Kriegsveteran Waisenkinder aus zerstörten Dörfern auf, um sie aufzuziehen und zu Kriegern und Attentätern auszubilden. Das einzige Mädchen in der Gruppe ist Azumi. Nach Ende der Ausbildung besteht die erste Prüfung darin, den jeweiligen Kampf- und Trainingspartner in einem Kampf auf Leben und Tot zu töten. Im weiteren Verlauf werden Landsitze und Reisezüge von Kriegstreibern überfallen, um diese zu töten. Die ironiefreie Geschichte wird mit spektakulären Kampfszenen erzählt. Grandios. Der Film nach einem populären japanischen Comic lief in Deutschland erfolgreich auf einigen Filmfestivals und erschien nie regulär im Kino sondern nur im Heimkino, wobei die deutsche Erstveröffentlichung nicht mal die japanische Sprachfassung enthielt sondern nur eine mißglückte Synchronisation.

4. GHOST IN THE SHELL (攻殻機動隊, Kōkaku Kidōtai)

Japan 1995, von Mamoru Oshii

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Die japanische Comicreihe aus den 80er Jahren wurde mehrfach verfilmt. Die erste Zeichentrickverfilmung stammt von 1995. Im Jahr 2029 sind menschliche Organismen teilweise oder vollständig durch künstliche Implantate ergänzt oder ersetzt, wobei auch menschliche Gehirne durch künstliche Speicherelemente erweitert sind, die untereinander kommunizieren können. Ein Hacker dringt in die künstlichen Gehirne ein und kapert die Wirtskörper. Dabei werden Themen wie ein selbst bestimmtes Leben und Handeln sehr seriös und nachdenklich erzählt und Methoden moderner Kommunikation und deren Gefahren Jahrzehnte vorweg genommen. Es folgten mehrere Fortsetzungen und Neuinterpretationen als japanische Zeichentrickfilme, eine Zeichentrickserie und eine misslungene Hollywoodverfilmung von 2017.

3. AKIRA (アキラ)

Japan 1988, von Katsuhiro Otomo

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Japan 2019 (!): Viele Jahre nach dem dritten Weltkrieg und der thermonuklearen Zerstörung der Millionenstadt Tokio. Kaneda und Tetsuo, jugendliche Mitglieder einer Motorradgang, werden in politische Machtkämpfe und in ein militärisches Forschungsprojekt verwickelt. Das Projekt erforscht Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten, die auch Tetsuo durch einen Unfall erwirbt und die viele Jahre zuvor zu einer Explosion in Tokio führten. Die Geschichte ist sehr komplex erzählt und brilliant gezeichnet. Abgesehen von Rauch- und Nebelwolken haut einen der visuelle Stil mit über 160.000 Einzelanimationen noch nach 30 Jahren um. AKIRA war einer der erfolgreichsten japanischen Filme nach dem Ende der klassischen Samurai- und Monsterfilmära und in seinem Heimatland erfolgreicher als der im selben Jahr gestartete STAR WARS – DIE RÜCKKEHR DER JEDIRITTER.

2. GEFAHR DIABOLIK! (DIABOLIK)

Italien / Frankreich 1967, von Mario Bava, mit John Phillip Law, Marisa Mell, Michel Piccoli, Terry-Thomas und Adolfo Celi

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Diabolik ist ein sehr ambivalenter und teilweise soziopathischer Charakter. Der Superverbrecher lebt mit seiner Freundin in einem unterirdischen Bunkerversteck und begeht mit ihr und technischen Hilfsmitteln, über die auch ein Batman und ein James Bond staunen würde, Einbrüche und Raubzüge. Die Lust an der Gefahr spielt hier eine wichtige Rolle und Diabolik hat auch kein Problem damit, Polizisten zu töten.
Unter der Produktion des italienischen Filmmoguls Dino de Laurentiis konnte der geniale Horror- und Thriller-Regisseur Mario Bava („DIE STUNDE WENN DRACULA KOMMT“) in aufwändigen Dekorationen und Bonbon-bunter Optik schwelgen; so viel Geld hatte der oft als Billigregisseur herab gewürdigte Meisterregisseur nie zuvor zur Verfügung und drehte den Film trotzdem für weniger Geld und es sah trotzdem teurer aus. Die jazzig-verspielte Filmmusik stammt vom einzigartigen Ennio Morricone.

1. CREEPSHOW – Die unheimlich verrückte Geisterstunde (CREEPSHOW)

USA 1982, mit Viveca Lindfors, Ed Harris, Carry Nye, Ted Danson, Leslie Nielsen, Gaylen Ross, Hal Holbrook, Fritz Weaver, Adrienne Barbeau E.G. Marshall, Tom Atkins und Steven King

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Inspiriert durch klassische Horrorcomics schrieb Steven King ein Drehbuch und George A. Romero drehte daraus einen Film mit fünf Episoden und einer kleinen Rahmenhandlung. Der kleine Billy bekommt von seinem Vater die Horrorcomics weg genommen, die in der Mülltonne landen. Wind und Regen tragen das Heft fort und wir sehen die verfilmten Kurzgeschichten. Billy rächt sich später für den Verlust und die Erniedrigung.

Das bevorstehende Familienfest zu Ehren des verstorbenen Familienpatriarchen wird dadurch gestört, dass der Verstorbene als vermodertes Skelett aus dem Grab aufsteigt und seinen Vatertagskuchen fordert. Ed Harris in jungen Jahren spielt den angeheirateten Neuzugang.

Der debile Farmer Jordy Verril kontaminiert sich bei der Bergung eines Meteoriten mit außerirdischem Pflanzensaft und wird von Unkraut gefressen. Kein Geringerer als Erfolgsautor Steven King höchstpersönlich spielt Jordy Verril mit großer Spielfreude und eskalierenden Grimmassen.

Harry betrügt Richard mit dessen Frau. Richard vergräbt beide bis zum Hals am Strand und lässt die Flut den Rest übernehmen. Aber das Liebespaar kehrt als Wasserleichen zurück und nimmt Rache. Wir sehen Kommödienstar Ted Danson (zuletzt CSI Las Vegas) und Gaylen Ross (DAWN OF THE DEAD) als Liebespaar sowie Leslie „Die nackte Kanone“ Nielsen als eifersüchtigen Ehemann.

Im Universitätskeller untersuchen der Hausmeister und ein Professor eine Kiste einer Antarktis-Expedition vor 150 Jahren. Ein hungriges Affenmonster bricht aus und zerfleischt den Hausmeister und später einen Studenten. Der Professor wendet sich verzweifelt an seinen Schachfreund. Und der fühlt sich schon lange von seiner Frau gedemütigt und sieht hier einen Weg, sie los zu werden.

Ein reicher alter Griesgram mit Insektenphobie lebt alleine in seinem angeblich keimfreien Luxusapartment und muss sich dort gegen Kakerlaken wehren, die zum Schluss die Natur siegen lassen.

George A. Romero kann nicht nur bedrückende Gesellschaftshorrorfilme drehen sondern auch Gruselkomödien. Ihm gelang die erste Verschmelzung von Comic und Film. Hier sehen wir im Film Comic-Effekte wie Umblättern Sprechblasen und grelle Hintergrundgrafiken. Schockeffekte sind sehr verfremdet. Sehr makaber, ironisch und extrem unterhaltsam. Ein großer Spaß.

13:42 29.04.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Martin Betzwieser

Personifizierter Ärger über Meinungsmanipulation, Kino- und Kabarattliebhaber
Martin Betzwieser

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