Die besten Filme des Jahres 2021

Kino + Film Die Zahl der richtig guten Filme 2021 hielt sich für mich in Grenzen. Hier sind meine persönlichen Höhepunkte.
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s. auch: Die schlechtesten Filme des Jahres 2021

Während es im vergangenen Jahr viele schlechte und sehr schlechte Filme zu sehen gab und meine Liste des Allerschlimsten zehn Produkte enthält, sind die guten bis richtig guten Filme nicht so zahlreich und hat nur fünf Empfehlungen. Im Gegensatz zu anderen Listenschreibern*innen bin ich nicht als Filmkritiker akkreditiert und bekomme meine Kinovorstellungen nicht bezahlt.

Lobende Erwähnung: Die FEAR-STREET-Trilogie

USA 2020 / 2021, von Leigh Janiak, mit Kiana Madeira, Olivia Scott Welch, Benjamin Flores, Jr., Ashley Zukerman, Ted Sutherland, Julia Rehwald, Gillian Jacobs, Emily Rudd und Sadie Sink

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In der Kleinstadt Shadyside kommt es seit Jahrzehnten zu mysteriösen Mordserien. Dabei kommt es auch zur Auferstehung früherer getöteter Mörder*innen von den Toten, die dann weiter morden. Das hat mit Hexerei und schwarzer Magie zu tun. Episode 1 und die Rahmenhandlung spielen im Jahr 1994. Teil 2 ist eine Rückblende zu einer Mordserie in einem Jugendcamp im Jahr 1978 und kombiniert geschickt gewohnte Jugendcamp-Slasher Marke FREITAG DER 13. mit dem Okkulten. Und Teil 3 geht zurück ins Jahr 1666. Die NETFLIX-Trilogie ist gut konzipiert und spannend erzählt. Die Tötungsmethoden- und Werkzeuge sind blutig und sehr abwechslungsreich (z.B. Brotmaschine). Die Filme gehören erzählerisch und künstlerisch sicher nicht zum Besten des Jahres. Aber ich war positiv überrascht und fühlte mich erstaunlich gut unterhalten. Diese Trilogie ist so gut, dass ich sie gerne auf der Leinwand gesehen hätte.

5. CONJURING 3 – IM AUFTRAG DES TEUFELS (THE CONJURING 3 – THE DEVIL MADE ME DO IT)

USA 2021, von Michael Chaves, mit Vera Farmiga, Patrick Wilson, Ruairi O’Connor, Sarah Catherine Hook, Julian Hilliard, Eugenie Bondurant, John Noble

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Ein junger Mann ermordet seinen Arbeitgeber unter dem Einfluss dämonischer Kräfte. Während die Gerichtsverhandlung läuft und die Verteidigung auf Unzurechnungsfähigkeit wegen dämonischer Besessenheit plädiert, nehmen die Dämonologen Lorraine und Ed Warren den Kampf gegen die mächtige Hexe auf, die dafür verantwortlich ist. Ed Warren erlitt bei einem vorigen Einsatz einen Herzinfarkt und ist erheblich geschwächt.
Die Dämonologen Lorraine und Ed Warren gab es wirklich. In ihren Büchern und Vorträgen erzählten sie von ihren Begegunungen und Kämpfen mit dämonischen Kräften. Von diesen Berichten kann man halten, was man will. Den Mord und den Gerichtsprozess, auf dem der Film basiert, gab es auch tatsächlich so.
Nach dem unübertrefflichen CONJURING von 2013 und einer etwas schwächeren Fortsetzung von 2016 funktioniert die Masche tatsächlich immer noch. Der Film ist spannend erzählt, clever konstruiert und gut gespielt.

4. JE MEHR DESTO BESSER (Donde caben dos)

Spanien 2021, von Paco Caballero, mit Anna Castillo, Veronica Echegui, Ana Milán, Maria León, Melina Mathews, Carlos Cuevas, Pilar Castro, Ernesto Alterio, Aixa Villagrán und Aeul Arélavo

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In einem Swingerclub sind verschiedene Leute aus unterschiedlichen Gründen unterwegs. Zwei junge Frauen sind auf der Suche nach einem verlorenen Verlobungsring. Eine Angestellte führt ihren Cousin dorthin aus. Zwei Paare verabreden, gemeinsamen Sex zu haben, was kompliziert wird, denn die eine Frau und der andere Mann waren früher ein Paar. Parallel dazu planen zwei ältere Ehepartner, zu Hause Partnertausch zu veranstalten; allerdings beginnen ausgerechnet die beiden Frauen, sich gegenseitig zu befriedigen.
Dieser Film ist wirklich komisch, originell, glaubwürdig und auch sexy. Wir lachen mit den Protagonisten und nicht über sie. Es ist ein Jammer, dass so etwas nie auf einer deutschen Leinwand zu sehen ist, sondern nur auf dem Bildschirm - hier auf NETFLIX.

3. DER VATER – THE FATHER

Großbritannie 2020, von Florian Zeller, mit Anthony Hopkins, Olivia Colman, Imogen Poots, Olivia Williams, Rufus Sewell, Mark Gatiss

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Der Mittachziger Anthony lebt noch alleine in seiner Wohnung. Seine Tochter Anne, die sich um ihn kümmert, plant, mit ihrem Lebensgefährten nach Paris ziehen, und will ihn überreden, in ein Pflegeheim zu ziehen. Zwischenzeiglich begegnet Anthony in der Wohnung, einer fremden Frau und einem fremden Mann, die sich als seine Tochter und ihr Mann ausgeben. Tochter Anne stellt Anthony eine neue Pflegekraft vor, die ihn an seine andere verstorbene Tochter erinnert. Und Anthony nimmt Veränderungen in der Wohnung wahr; schöne Möbel sind gegen billige Plastikstühle ausgewechselt und ein Bild fehlt.
Regisseur Florian Zeller verfilmt hier sein eigenes erfolgreiches Theaterstück.
Die fortschreitende Demenz ist herzzerreißend erzählt und von Sir Anthony Hopkins und allen anderen Darstellern*innen herausragend gespielt. Die Veränderungen in der Wohnung irritieren auch das Filmpublikum und gipfeln in einer traurigen und grausam logischen Auflösung.
Nach zahlreichen sehr schlechten Rollen in zahlreichen sehr schlechten Filmen (z.B. in TRANSFORMER 5, einem der schlechtesten Filme des vorigen Jahrzehnts), bei denen wir an Sir Anthony Hopkins´ Talent und Zurechnungsfähigkeiten zweifeln konnten, sehen wir ihn hier mit einer herausragenden Leistung, bei der jede Bewegung passt und die zu Recht mit einem Hauptrollen-Oscar ausgezeichnet wurde.

2. DIE HELDEN DER WAHRSCHEINLICHLEIT (Retfærdighedens ryttere)

Dänemark 2020, von Anders Thomas Jensen, mit Mads Mikkelsen, Andrea Heick Gadeberg, Nikolaj Lie Kaas, Nicolas Bro, Gustav Lindh, Roland Møller, Lars Brygmann

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Bei einem Zugunglück kommt die Frau des Berufssoldaten Markus ums Leben. Seine Tochter überlebt. Ein soeben entlassener Statistiker, der ebenfalls im Zug ist, hält das Zugunglück nicht für einen Unfall sondern für einen absichtlichen Anschlag. Zusammen mit seinen Freunden suchen sie Markus und seine Tochter auf und überzeugen sie nach und nach von ihrer Theorie. Bei den weiteren Ermittlungen kommt es zu einer gefährlichen Konfrontation mit einer Verbrecherbande.
Der Film kombiniert schreckliche Tragik mit skuriller Komik und einigen krassen Gewalteruptionen. Die exzentrischen Figuren sind abgesehen von den Verbrechern durchweg sympatisch und die Auflösung ist eine Überraschung.


1. DER RAUSCH (DRUK)

Dänemark 2020, von Thomas Vinterberg, mit Mads Mikkelsen, Thomas Bo Larsen, Magnus Millang, Lars Ranthe, Maria Bonnevie, Helene Reingaard Neumann, Susse Wold

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Einer wissenschaftlichen Theorie nach soll es dem Menschen besser gehen, wenn er dauerhaft mit einem Alkoholpegel von 0,5 Promille lebt. Diese Theorie beschließen vier Lehrer, zu testen. Die Lehrer unterrichten dann unter dauerhaftem Alkoholeinfluss, was den Unterricht wesentlich interessanter gestaltet, und überreden auch Schüler*innen mit Problemen zum Alkoholkonsum an der Schule. Mit der Zeit wird die Alkoholdosis gesteigert, was gesundheitliche und soziale Probleme in Familie und Beruf verursacht und schließlich unkontrollierbar wird. Anfängliche Komik wird mit steigender Tragik angereichert.
Hier wird tatsächlich alles richtig gemacht. Der Film ist großartig geschrieben und inszeniert. Die Dialoge sind brilliant. Die Darstellenden spielen fantastisch und machen keine falsche Bewegung. Das Meisterwerk bekam zu Recht den OSCAR für den besten internationalen Film.
Bei der OSCAR-Show erzählte Regisseur Thomas Vinterberg, dass seine Tochter bei einem Verkehrsunfall starb, dessen Verursacher während der Fahrt mit seinem Mobiltelefon beschäftigt war. Für sie war eine Rolle im Film vorgesehen und ihr ist der Film gewidmet.
Die Dänen können es einfach.
Mads Mikkelsen kann gerne als Bösewicht in schlechten Hollywood-Produktionen von MARVEL bis sonstwas auftreten, um damit seine Gage zu verdienen. Wenn ich einmal im Jahr nur einen solchen Film mit ihm aus Dänemark zu sehen bekomme, bin ich zufrieden.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Martin Betzwieser

Personifizierter Ärger über Meinungsmanipulation, Kino- und Kabarattliebhaber
Martin Betzwieser

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