Filmfestivals für Fortgeschrittene 2014

NIPPON CONNECTION: In der letzten Maiwoche fand zum 14. mal in Frankfurt am Main NIPPON CONNECTION - das japanische Filmfestival statt.
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Neu war, dass das Filmfestival nicht wie in den Vorjahren am Mittwoch begann sondern schon am Dienstag und damit eine Dauer von sechs Tagen hatte. Der Feiertag am Donnerstag dieser Woche, den Viele mit anschließendem Brückentag als verlängertes Wochenende planen, wurde sehr zielsicher genutzt. Nicht mehr ganz so neu ist der Veranstaltungsort. War zwölf Jahre lang der Frankfurter Universitätscampus Bockenheim mit seinem Studierendencampus das Festivalzentrum, wechselte das Festival 2013 in das Künstlerhaus Mousonturm und das benachbarte Naxos-Theater; die Universität zieht an andere Standorte um und wird neu bebaut. Vorteil des alten Festivalortes war das großräumige Universitätsgelände, auf dem mehrere Tausend Festivalbesucher/innen ausreichend Platz hatten; eindeutiger Nachteil war der Mehrzwecksaal des Studierendenhauses mit seiner Mehrzweckbestuhlung, auf denen mehrere Kinovorstellungen an einem Tag sehr anstrengend und unbequem waren. Der Vorteil der neuen Spielorte sind im Gegensatz dazu die Theaterräume mit verhältnismäßig bequemen Stühlen. Der Nachteil ist, dass hier - besonders am Festivalzentrum Mousonturm - viel weniger Platz ist und es daher zwischen den Filmvorführungen zu viel mehr Gedrängel kommt. Weitere Spielorte sind ein etwas entfernt liegendes kleines Programmkino im Frankfurter Nordend, in dem Wiederholungen gezeigt werden sowie das Kino des Deutschen Filmmuseums; beide Kinos sind als Spielorte angenehm, aber vom Festivalzentrum etwas entfernt und ein Programmablauf funktioniert aufgrund der Fahrerei nicht unbedingt ohne größere Pausen.

Ein sehr großer organisatorischer Vorteil ist, dass die Filme und der Spielplan sofort nach Fertigstellung im Internet veröffentlicht werden und eine gute bis sehr gute Planung ermöglichen. Knappe zwei Wochen vor Festivalbeginn war auch das Programmheft im Internet eingespielt und ermöglichte es, die Filme und den Zeitplan sehr angenehm zu lesen.

Im weiteren Verlauf gebe ich die Filmbesprechungen mit einer kurzen Inhaltsangabe aus dem Filmprogramm sowie meinen Kommentaren und ggf. Zusatzinformationen wieder. Für den Nipppon-Cinema-Award werden Stimmkarten verteilt, die bei Bewertungen zwischen Fünf Sternen (sehr gut) und einem Stern (schlecht) eingerissen werden können; anhand dieses Bewertungschemas gebe ich ebenfalls meine Benotungen.

Alle Filme werden in japanischer Originalfassung mit englischen Untertiteln gezeigt.

Dienstag, 27. Mai 2014 um 19:30 Uhr

Ich bin seit kurz nach 5:00 Uhr wach und arbeitete noch vor diesem Kinoabend. Für ein notwendiges Nachmittagsschläfchen fehlte die Zeit und ich hoffe, diesen Abend durchzuhalten.

Es ist die Eröffnungsvorstellung. Da ist es unvermeidlich, dass ausgiebige Reden gehalten werden, sämtlichen privaten und öffentlichen Sponsoren gedankt wird und Kulturvertreter von Stadt und Land zu Wort kommen. Der Frankfurter Kulturdezernent hält sich zum Glück verhältnismäßig kurz. Vom Land Hessen ist niemand da; der nach der Hessenwahl 2013 vom Innenminister zum Kulturminister degradierte Boris Rhein hatte keine Lust und / oder keine Zeit und sein Vertreter war krank; danke und gute Besserung.

Eröffnungsfilm: Fuku-chan of Fukufuku Flats

Es kommen noch der britische und der deutsche Co-Produzent des Films zu Wort. Es ist eine japanisch-britisch-italienisch-taiwanesich-deutsche Co-Produktion - man könnte auch sagen: Ein Asia-Euro-Pudding in Anlehnung an den Begriff Euro-Pudding für multinationale europäische Coproduktionen. Der Regisseur ist ebenfalls angekündigt, verpasste aber seinen Flug oder der Flug hat Verspätung.

Der rundliche Fuku-chan ist gutmütig, beliebt und kann hervorragend mit verbundenen Augen Knubbeltierchen zeichnen. Hinter seiner immerfrohen Fassade ist Fuku-chan ein wenig einsam, doch will es mit der Liebe einfach nicht klappen, allen Kupplungsversuchen seines Kollegen Shimacchi zum Trotz. Als eines Tages eine vergessen geglaubte Mitschülerin auftaucht, um sich für einen bösen Streich aus ihrer Jugend zu entschuldigen, streut sie Salz in Fuku-chans alte Wunden. NIPPON CINEMA AWARD-Preisträger Yosuke FUJITA beweist sich wieder als Meister des absurden Humors: Mit viel Witz und mindestens genauso viel Feingefühl für seine schrägen Charaktere schafft er ein filmisches Kleinod, das neben all seinem Klamauk erstaunlich präzise von Einsamkeit, Angst, Glück und Vergebung erzählt.

Nach dem Film ist der Regisseur leider immer noch nicht da und der britische Co-Produzent klärt uns darüber auf, dass die Hauptrolle des Fukuchan von einer Frau gespielt wurde. Die in Japan bekannte Fernsehkomikerin war die überzeugendste Kandidatin für den Charakter und bekam einfach den Kopf rasiert.

Der Film ist gut gespielt und die Handlung ist nicht uninteressant. Jedoch wird durchgehend mit einer unbeweglichen Kamera gearbeitet, die ausschließlich feste Bildausschnitte zeigt und auch nicht mit dem Focus arbeitet. Dazu sind auch noch alle Einstellung mehr oder weniger gleich lang. Das alles hat einen sehr trägen Erzählfluss zur Folge und macht den Film zähflüssig, langatmig und auch ermüdend. Die europäischen Co-Produzenten hätten vielleicht darauf achten sollen, dass ein kleines bischen auf westliche Sehgewohnheiten eingegangen wird und eine bessere Kameraarbeit sowie eine etwas dynamische Montage eingesetzt werden.

Note: leider nur **

22:30 Uhr: LESSONS OF EVIL von Takashi Miike

Die Lehrer einer Eliteschule wollen etwas gegen Betrug bei Prüfungen unternehmen. Nur der populäre Englischlehrer Hasumi interessiert sich wirklich für die jungen Menschen und entdeckt einen Abgrund aus kleinen Gemeinheiten, Quälereien und Sex. Voller Verständnis für die missliche Lage seiner Schützlinge besorgt er sich eine großkalibrige Schusswaffe, um Opfer und Täter von ihrem Leid zu erlösen. Doch es sind einfach so viele… Vielfilmer Takashi MIIKE kehrt mit diesem Über-Slasher zu seinen Wurzeln zurück. Die Menge an exzessiver Gewalt beeindruckt genauso wie der abgrundtief böse Charakter des Lehrers Hasumi. Von nicht minder bösem Humor durchzogen, macht dieser Film alle anderen Collegefilme überflüssig.

Takashi Miike ist einer der international bekanntesten japanischen Filmemacher und er ist sicher der fleißigste Filmemacher. Seine Filmografie umfasst - wenn ich mich hier nicht verzähle - 80 Filme und der Arbeitssüchtige dreht in Spitzenzeiten bis zu sechs Filme in einem Jahr. Glücklicherweise hatte die Festivalleitung bisher sehr oft die Gelegenheit, Filme von Takashi Miike zu zeigen.

Das mit dem Humor ist so eine Sache. Humorvoll finde ich den Film eigentlich gar nicht, böse schon. Die Themen Leistungsdruck und schulisches Mobbing werden durchaus seriös und gekonnt thematisiert und vor dem großen Amoklauf kommt es bereits zu diversen Morden an Schülerinnen und Schülern als auch an einem Lehrer, wobei die Tötungsmethoden vom Brandanschlag bis zur Strangulation ein großes und flexibles Spektrum aufweisen. Der große Amoklauf ist sehr brutal und kompromisslos und wirkt durch zynische Sprüche des Täters noch gnadenloser. Die Opfer, die getroffen werden, fliegen durch die Gewalt des Schusses oft mehrere Meter durch den Raum. Hier applaudiert und jubelt eine kleine Gruppe vom Festivalgästen; der Film ist kein Fun- und Jubel-Splatter sondern ein durchaus seriöses Gesellschaftsdrama mit bewusst inszeniertem Zynismus und daher finde ich das eher daneben.

Schauspielerisch, optisch und technisch ist der Film auf einem sehr hohem Niveau und spannend erzählt.

Note: ****

Dem Programmheft nach wird eine Blue-Ray gezeigt. Das finde ich ein bischen ärgerlich und darauf sollte nur dann zurück gegriffen werden, wenn es keine andere Möglichkeit gibt. Auf einem Filmfestival haben kinotaugliche Formate zu laufen. Bei sehr kontrastreichen Bildinhalten und bei den Schlusstiteln sind dann auch manche Ecken und Kanten auf der Leinwand zu sehen, bei denen die Bildauflösung hätte besser sein müssen.

Zwei Wochen nach dem Festival kommt er auf DVD / Blue-Ray heraus.

Mittwoch, 28. Mai 2014 um 22:30 Uhr: Why Don’t You Play in Hell? von Sion Sono

Im neuen Film von Enfant terrible Sion SONO kreuzen sich schicksalhaft die Wege einer Gruppe erfolgloser Filmemacher und zweier miteinander in Konflikt stehender Yakuza-Gangs. Das Finale mündet in einem epochalen Blutbad, wie man es seit KILL BILL nicht im Kino gesehen hat. Diese herrlich überdrehte Satire mit wunderbar-pathetischen Momenten nimmt in ihrem Meta-Ebenen-Plot die zeitgenössische Kinoindustrie kräftig auf die Schippe. In schönstem Widescreen gedreht, mit schier unerschöpflicher Energie und vielen fantasievollen Einfällen ist WHY DON’T YOU PLAY IN HELL? ein unterhaltsamer, selbstironischer, wahnsinnig schneller Film mit dem eingängigsten Zahnpasta-Werbesong aller Zeiten.

Sion Sono ist auch ein international bekannter japanischer Regisseur. Auch von ihm laufen bei Nippon Connection regelmäßig Filme. 2009 stellte Sion Sono sein überwältigendes fast vierstündiges Melodram LOVE EXPOSURE vor. 2011 gab es eine Retrospektive von ihm. Waren seine bisherigen Filme übewiegend düster, bedrückend und teilweise auch bedrückend, ist er diesmal nicht wieder zu erkennen und präsentiert uns eine witzige, temporeiche, sexy und teilweise schrille und auch - im positiven Sinn - alberne Komödie. Neben den Fehden zweier Yakuza-Gangs und allen Gags über Schwertkampf und das Filmemachen ist der Film aber auch eine Liebeserklärung an die große Zeit des japanischen Genrekinos und eine Verbeugung vor ihren Meistern vor und hinter der Kamera.

Allen Darstellern/innen ist deutlich anzusehen, wie viel Spaß sie bei der Arbeit hatten, und so eine Atmosphäre breitet sich zwangsläufig auf das Publikum ausbreiten. Den einen Yakuza-Häuptling spielt Japans Alt-Star Jun Kunimura mit der ganzen Bandbreite seines Könnens; zehn Jahre zuvor wurde er bei einem Gastauftritt in Tarantino´s KILL BILL VOL. 1 mit dem Samurai-Säbel geköpft.
Beim finalen Blutbad sind die Blutfontänen unübersehbare Computeranimationen. Die Wände sind von oben bis unten bespritzt und Yakuza-Boss Muto alias Jun Kunimura bekommt im weißen Anzug keinen Spritzer ab. Abgehackte Körperteile sind als Gummiatrappen zu erkennen. Die Szenerie ist völlig absurd und übergeschnappt.

Bewertung: Volle fünf Sterne ! *****

Am Donnerstag genieße ich das verhältnismäßig schöne Wetter und bleibe dem Festival fern. Die Nachtvorstellung klingt zwar interessant, aber ich muss am Freitag noch mal arbeiten und kann es mir nicht leisten, erst um 1:30 Uhr im Bett zu sein.

Freitag, 30. Mai um 20:00 Uhr: THE SNOW WHITE MURDER CASE

Schneewittchen-Seife ist ein Verkaufsschlager mit tödlichen Nebenwirkungen. Die attraktive Noriko, Angestellte einer Kosmetikfabrik, wird eines Tages ermordet aufgefunden. Der Verdacht fällt bald auf Miki, die graue Maus im Betrieb. Neid und Eifersucht wären ja plausible Motive, finden jedenfalls die Kolleginnen. Nachdem Miki untergetaucht ist, macht sich ein Sensationsreporter auf ihre Spur, um endlich die Story seines Lebens zu schreiben. Doch immer mehr Aussagen führen zu immer mehr unterschiedlichen Versionen der Geschichte. Doch welche davon stimmt? RASHOMON meets Twitter: ein intelligenter und medienkritischer Krimi nach einer Romanvorlage von CONFESSIONS-Autorin Kanae MINATO, der Spannung bis zur letzten Minute bietet.

Prinzipiell ist die Handlung sehr klug und interessant aufgebaut. Verschiedene Handlungselemente fügen sich im Rahmen der Recherchen des Fernsehreporters erst nach und nach zu einem Gesamtbild aus verschiedenen Blickwinkeln zusammen. Leider dauert es über eine halbe Stunde, bis die Handlung richtig in Gang kommt und dann doch sehr spannend wird. Besonders nervig ist, dass immer und immer wieder Dialoge über SMS und Twitter eingeblendet werden und auch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Das nimmt ständig das Tempo aus dem Film und hemmt den Handlungsfluss. Genauso überflüssig sind längere Passagen aus einer japanischen Fernsehsendung, die als japanische XY-Ungelöst-Variante Verbrechen und deren Aufklärung schildert.

Ein guter Film mi erheblichen Schönheitsfehlern in der Erzählstruktur. *** von fünf.

22:30 Uhr: KILLERS von den Mo-Brothers

Originalfassung, japanisch und indonesisch mit englischen Untertiteln

Nomura ist ein smarter japanischer Serienkiller aus Tokio, der seine grausamen Morde dokumentiert und ins Netz stellt. In Indonesien wird der Journalist Bayu auf die Videos aufmerksam und gerät immer mehr in den Sog der abstoßenden, aber zugleich faszinierenden Bilder. Die japanisch-indonesische Coproduktion KILLERS punktet mit einer spannungsgeladenen Dramaturgie, formalen (zum Teil manipulativen) Extravaganzen und dem diabolischen Spiel von Kazuki KITAMURA (bekannt aus KILL BILL). Abgeschmeckt ist die Reise ins Herz der Finsternis mit viel schwarzem Humor, der die Parallelen und Unterschiede zwischen Indonesien und Japan ironisch akzentuiert. Auf dem diesjährigen Sundance Film Festival zählte die gewalttätige Parabel zu einem der meistdiskutierten Beiträge.

Auch Journalist Bayu lässt sich dazu hinreißen zum Mörder zu werden. Allerdings mordet der Japaner Nomura zum Vergnügen. Bayu mordet aus Gerechtigkeitsempfinden und Rache im Umfeld eines Mafiabosses. Dabei werden die Morde am Anfang des Films noch verhältnismäßig zurückhaltend inszeniert und im weiteren Verlauf immer grausamer, wobei manches Tötungsszenario wie lebendig Verbrennen doch überflüssig ist. Nach ersten Kontakten über eine Videokonferenz kreuzen sich die Wege der Beiden, als Nomura in Indonesien Bayu und seine zerrüttete Familie heimsucht.

Der harte Stoff wirkt noch lange nach und lässt das Publikum auch mit seiner Schlussszene eines sehr eigenwilligen Handy-Videos nachdenklich zurück.

Für das Programm des bevorstehenden Fantasy-Filmfestes im Spätsommer sind die KILLER schon gebucht. Aber Nippon-Connection kann wieder einmal stolz behaupten, einen der interessantesten japanischen bzw. asiatischen Filmbeiträge zuerst gehabt zu haben.

Note = **** von 5

Samstag, 31. Mai 2014 um 22:30 Uhr: R100 von Hitoshi MATSUMOTO

Ein Mann tritt einem Bondage-Club bei. Der Clou: Ein Jahr lang kommen immer wieder Dominas unterschiedlichster Couleur bei ihm vorbei, um ihn zu bestrafen. Ist der Vertrag erst einmal geschlossen, kann er nicht mehr gekündigt werden. Was dem Herrn anfangs noch gefällt, findet er bald nicht mehr so lustig: Als die Latex-Furien auf seiner Arbeit und zu Hause bei seinem kleinen Sohn erscheinen, wird das anfängliche Vergnügen zum Albtraum. Der neueste MATSUMOTO-Streich bietet schnelles Tempo, irre Einfälle, schrägen Witz und reiht sich nahtlos in das Oeuvre des Regisseurs ein. In Anbetracht von so viel Wahnsinn verpasst sich der Film selbst die Freigabe R100: Frei ab 100 Jahren.

Auch Regisseur Matsumoto ist ein Dauergast bei Nippon Connection. Bisher lief jeder seiner schrägen Filme hier. Also besorge ich mir schnellstmöglich eine Karte im Vorverkauf. Allerdings bietet die interessant klingende Idee kein schnelles Tempo - außer in den Bewegungen der Dominas, die ihr Opfer gleich zu Beginn des Films eine Treppe hinunterstoßen oder später brutal zusammentreten - sondern überrascht eher negativ durch sein überwiegend lahmar***iges Tempo. Die Schrägheit hält sich sehr in Grenzen und witzig finde ich ihn überhaupt nicht. Die Szene, in welcher der Arzt an seinem Arbeitsplatz auf dem Klo überfallen wird, ist nur noch peinlich und ärgerlich.

Nach dieser Szene breche ich auf, fahre nach Hause und habe eine Stunde mehr Schlaf als in den kurzen Nächten davor.

Note = * von 5

Sonntag, 1. Juni 2014 um 17:15 Uhr im Theater der Naxos-Halle: BAND OF NINJA von Nagisa Oshima

In Zusammenarbeit mit der Japan Visualmedia Translation Academy (JVTA) zeigen wir ein ganz besonderes historisches Kleinod. BAND OF NINJA (1967) von Regielegende Nagisa OSHIMA bietet eine faszinierende Filmerfahrung an der Schnittstelle zwischen Manga und Animationsfilm. Durch den innovativen Einsatz von Bildmontage und Sprache verwandelte OSHIMA den Manga-Klassiker von Sanpei SHIRATO in ein "Motion Comic". Bild für Bild erwachen SHIRATOs Zeichnungen zum Leben und führen in Japans kriegerisches 16. Jahrhundert. Der junge Fürstensohn Jutaro will Rache nehmen an den Mördern seines Vaters. Unvermutet tritt Kagemaru in sein Leben, der trickreiche Kämpfer und Anführer der rebellischen Kage Ninja.
Über den Regisseur: Nagisa OSHIMA (1932-2013) studierte politische Geschichte an der Universität Kyoto und begann 1954 als Regieassistent beim Filmstudio Shochiku. 1959 drehte er sein Regiedebüt A TOWN OF LOVE AND HOPE und galt schon bald als führender Vertreter der japanischen "Nouvelle Vague". Nach dem Rauswurf bei Shochiku gründete er seine eigene Produktionsfirma Sozosha. Mit dem Skandalfilm IN THE REALM OF THE SENSES (IM REICH DER SINNE, 1976) wurde er international bekannt.

Nagisa Oshima war ein großer Regisseur des klassischen japanischen Kinos und so gönne ich mir zum Abschluss diese Rarität, die sicher nie wieder auf einer deutschen Leinwand zu sehen sein wird. Der Film ist kein Anime - japanischer Zeichentrickfilm - wie sie Viele kennen und lieben sondern eine abgefilmte Dia-Show von gezeichneten Einzelbildern mit eingesprochenen Dialogen und Erzählungen. Die Handlung besteht aus über 30 Jahren Bürgerkrieg mit Mord, Totschlag, Quälereien, Elend, Hunger, Krankheit und allen Schikanen. Der Film ist in seiner Art und in seiner visuellen Wucht wirklich ein Kunstwerk, aber sehr sehr anstrengend und ich bin froh, als die zwei Stunden zu Ende sind, was auch an der schwülen und sehr stickigen Luft im Theater liegt.

Note = *****

Fazit:

Ein überwiegend gelungenes Filmfestival mit teilweise sehr sehenswerten Filmen auf einem nur teilweise geeigneten Festivalgelände.

Bemerkenswert ist noch, dass zeitgleich ein anderes japanisches Filmfestival in Hamburg stattfand. Es wäre sehr wünschenswert, wenn sich die Macher der beiden Filmfestivals abstimmen würden, um diese beiden Filmfestivals zu unterschiedlichen Terminen stattfinden zu lassen. Noch besser wäre natürlich eine intensive Zusammenarbeit.

s. auch:

06:31 06.06.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Martin Betzwieser

Personifizierter Ärger über Meinungsmanipulation, Kino- und Kabarattliebhaber
Martin Betzwieser

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