Martin Betzwieser
27.03.2014 | 18:24

Freiwillig zu Diensten?

Ehrenamt: Über die Ausbeutung von Ehrenamt und Gratisarbeit: Aufzeichnung einer öffentlichen Veranstaltung der Reihe "Frankfurter Matinee" mit der Journalistin Claudia Pinl.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Martin Betzwieser

Claudia Pinl war Journalistin und Fraktionsmitarbeiterin der Grünen im Bundestag. Heute lebt und arbeitet sie als Publizistin und Autorin in Köln. Ihr neuestes Buch befasst sich mit den 23 Millionen Ehrenamtlichen, die sich unbezahlt für das Gemeinwohl engagieren. Im Zeitalter der Globalisierung setzen wesentliche Teile des Sozial- und Bildungswesens und der kommunalen Infrastruktur aufs Ehrenamt als Dauerlösung, weil sie kein Geld mehr für die originären Aufgaben des Wohlfahrtsstaates haben. Von den Ehrenamtlichen ist mindestens ein Drittel in Bereichen tätig, die bis vor kurzem als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge galten, das heisst: sie sind billiger Ersatz für bezahltes Personal. Das ökonomische Interesse am Ehrenamt wird verschleiert mit Rechtfertigungen wie: Das persönliche freiwillige Engagement produziert “soziales Kapital“ und schafft damit gesellschaftliche Integration, es hilft den Helfenden, macht zufrieden, vermittelt neue Einsichten, schafft Kontakte. Die Autorin zerstört in ihrem im Frankfurter Nomen-Verlag erschienenen Buch “Freiwillig zu Diensten? Über die Ausbeutung von Ehrenamt und Gratisarbeit“ das schöne Bild vom ehrenamtlichen Engagement. Sie appelliert an die Freiwilligen, nicht länger den Ausputzer für politische Fehlentscheidungen zu machen.

Bei einer öffentlichen Veranstaltung am 8. Dezember 2013 in Frankfurt am Main der gemeinnützigen Vereine Business Crime Control e.V. und KunstGesellschaft e.V. stellte Claudia Pinl ihre Erkenntnisse und ihr Buch vor. Es moderiert Ulrike Holler.

Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet und kann hier im Audio-Format mp3 (ca. 1 Stunde, 55 Minuten. ca. 40 MB) nachgehört werden.


s. auch:


Weitere Aufzeichnungen von Veranstaltungen der Reihe Frankfurter Matinee:

  1. "Datenschutz - den gläsernen Menschen verhindern" mit Prof. Spiros Simitis: Teil 1 – Das Interview (ca. 1 Stunde, 14 Minuten) [ mp3 - 102 MB], Teil 2 – Die Publikumsdiskussion (ca. 41 Minuten) [mp3 - 58 MB]
  2. Ausgekocht - hinter den Kulissen hessischer Machtpolitik mit Pitt von Bebenburg
  3. Ein Insider packt aus: Über die Probleme, die Reiche, Superreiche und Regierende mit ihrer Gesetzestreue haben mit Frank Wehrheim
  4. Wie käuflich ist die Republik - Regeln für den Lobbyismus mit Herbert Hönigsberger
  5. Ein Imperium macht Politik! Wie sich BILD als Volksstimme inszeniert mit Dr. Wolfgang Storz
  6. Mein Freund Maschmeyer - eine außergewöhnliche Belastung mit Hans Scharpf
  7. Menschenrechte im Spannungsfeld wirtschaftlicher und nationaler Interessen mit Annette Groth
  8. Mutter Blamage: Warum schadet Angela Merkel Deutschland? mit Stephan Hebel
  9. Hauptstadt Karlsruhe? mit Prof. Dr. Erhard Denninger

Die "Frankfurter Matinee" ist eine Veranstaltungsreihe, die seit 2006 regelmäßig von den gemeinnützigen Vereinen Business Crime Control e.V. und KunstGesellschaft e.V. veranstaltet wird.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.