Die besten Eisenbahnfilme aller Zeiten

Kino + Film Zum Kinostart von BULLET TRAIN: Die besten Filme in Eisenbahnen und im Bahnhof.

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Aktuell im Kino: BULLET TRAIN

USA 2022, von David Leitch, mit Brad Pitt, Joey King, Brian Tyree Henry, Aaron Tayler-Johnson, Andrew Koji, Hiroyuki Sanada, Michael Shannon und Sandra Bullock

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In einem Hochgeschwindigkeitszug in Japan soll der Auftragskiller „Ladybug“ (heißt Marienkäfer, Brad Pitt“) einen Aktenkoffer bzw. dessen Inhalt vom Besitzer stehlen. Andere Auftragskiller oder Privatdetektive haben auch diesen Auftrag oder andere Aufträge, was zu zahlreichen actiongeladenen Kämpfen im Zug führt. Im Zentrum aller Handlungslinien scheint der Gangsterboss „Der weiße Tod“ zu stehen.
Der Film spielt in Japan, weil an, in und um Japan eben alles so cool ist; gedreht wurde komplett in Kalifornien. Wir sehen eine Möchtegern-coole Tarantino-Imitation mit Möchtegern-coolen Dialogen und Möchtegern-coolen Imitaten von Tarantino-Charakteren. So wirken die angeblichen Zwillinge Lemon und Tangerine wie schlechte Kopien von PULP FICTION´s Vince und Jules, die hier nicht denkwürdige Dialoge über Fußmassage und vegetarisches Essen halten sondern z.B. über Kinderfernsehen. Eher nervig sind wiederholte Dialoge über Glück, Unglück und Schicksal.
Der Name des Regisseurs David Leitch sagt sogar mir auf Anhieb nichts. Er war einst Stuntman und Stuntkoordinator, erledigte damals die Stunts für Brad Pitt in FIGHT CLUB und arbeitete sich zum Regisseur hoch. Bei JOHN WICK war er Co-Regisseur und in der Werbung heißt es „vom Regisseur von DEADPOOL 2“ – also Holzklasse der Auftragsregisseure.
Dem Regisseur gelingt es nur ansatzweise, die interessante Lokalität mit ihrem begrenzten Raum zu nutzen. In vielen Szenen weiß ich nicht, wer sich aktuell in welchem Teil des Zuges befindet. Die Handlungsabläufe sind sehr unübersichtlich. Bei aller gewollten Coolness wurde auch nicht daran gedacht oder es war nicht gewollt, unlogische Handlungsverläufe zu vermeiden. Teilweise tödliche Kämpfe mit Schusswaffen, Messern und anderen Waffen bleiben von anderen Fahrgästen unbemerkt und niemand zieht die Notbremse. Irgendwann sind alle Fahrgäste außer unseren Konfliktparteien ohne logische Erklärung aus dem Zug verschwunden.
Brad Pitt wirkt auf mich zwischenzeitlich, als ob er nicht wüsste, was er machen soll und worum es eben im Film geht. Nach seiner OSCAR-Rolle in ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD hatte er eigentlich vor, schauspielerisch etwas kürzer zu treten; es wäre nicht die schlechteste Idee gewesen.
Ein Zusammenstoß mit einem anderen Zug und die Zerstörung eines japanischen Bergdorfes mit schlecht animierten Computereffekten geben dem Film den Rest.
Der Film ist nicht schlecht aber auch nicht besonders gut. Man kann ihn anschauen, es aber auch bleiben lassen. Mein Leben wäre sicher nicht ärmer, wenn ich bis zur DVD-oder Netflix-Veröffentlichung gewartet hätte.

10. SNOWPIERCER

USA, Südkorea , Frankreich, Tschechien 2013, von Bong Joon-ho, mit Chris Evans, Tilda Swinton, Song Kang-ho, Ko Ah-seong, Ed Harris, Jamie Bell, Ewen Bremner, Octavia Spencer und John Hurt

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Missglückte Versuche, die globale Erderwärmung zu stoppen, sorgten für eine Klimakatastrophe und machten die Erde zu einer Eiswüste, auf der kein Leben möglich ist. Einige tausend Überlebende fahren in einem Hochgeschwindigkeitszug um die vereiste Erde. Dabei sind die Reisen in unterschiedliche Klassen eingeteilt, deren unterste Schichten armselig in Großraumwagons eingepfercht sind, wärend die Erste-Klasse-Reisen im Luxus leben. Einziges Nahrungsmittel sind wenig appetitliche Proteinriegel.
Der spätere mehrfache Oscar-Preisträger Bong Joon-ho (PARASITE) dreht zum ersten mal mit internationaler Besetzung, was überwiegend gut funktioniert; nur Chris „CAPTAIN AMERICA“ Evans wirkt auf mich unfähig und störend. Die sozialen und gesellschaftlichen Unterschiede und Konflikte sind sehr gut herausgearbeitet, allerdings nicht ganz so gut wie eben im Meisterwerk PARASITE.

9. DIE TODESKARTEN DES DR. SCHRECK (DR. TERRORS HOUSE OF HORRORS)

Großbritannien 1965, von Freddie Francis, mit Peter Cushing, Donald Sutherland, Roy Castle, Michael Gough, Katy Wild, Ann Bell und Christopher Lee

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In London fährt ein Zug ab. Zu den fünf Herren in einem Abteil setzt sich der sinistre Dr. Terror / Dr. Schreck, packt seine Tarot-Karten aus und trägt den fünf Herren der Reihe nach das unangenehme Schicksal mit, dass ihnen die Karten voraussagen. Die fünf Geschichten sind dann als Episoden zu sehen. Die Episoden spielen nicht im Zug, aber die Rahmenhandlung im Zug ist sehr stimmungsvoll und spannungsgeladen. Die Atmosphäre ist hier knistern bedrohlich, denn eine Flucht ist nicht möglich, was auch immer kommen könnte. Diese Art des angenehmen schleichenden Schauers im klassischen britischen Genrekino liebe ich sehr.

8. TRANSAMERICA EXPRESS (SILVER STREAK)

USA 1976, von Arthur Hiller, mit Gene Wilder, Richard Pryor, Jill Clayburgh, Patrick McGoohan, Ned Beatty, Clifton Jones

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Bei einer Zugfahrt verknallt sich Autor George in Hilly. Eine Leiche taucht auf – Hilly´s Chef – lebt dann aber doch noch. FBI-Agent Grover macht dann bei der Aufklärung mit. Der Industrielle Devereau und seine Helfer versuchen, die Drei umzubringen. Dabei fliegen sie ein paar mal aus dem Zug oder werden evakuiert, schaffen es aber wieder an Bord, bis der Zug ungebremst und spektakulär in den Kopfbahnhof von Chicago knallt.
Einfach gute Unterhaltung mit gut gelaunten Schauspieler*innen. Früher lief er öfter im Fernsehen. Ich würde ihn gerne mal wieder sehen.

7. HORROR EXPRESS

Spanien, Großbritannien 1972, von Eugenio Martin, mit Christopher Lee, Peter Cushing, Silvia Tortosa, Alberto de Mendoza, Alice Reinheart und Telly Savallas

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Und erneut haben wir es mit den Hammer-Ikonen Christopher Lee und Peter Cushing in einem Zug zu tun, der uns durch diese spanisch-britische Produktion fährt. Archäologe Professor Saxton konnte ein tiefgefrorenes Wesen im Himalaya bergen und lässte es in der Transsibirischen Eisenbahn transportieren. Die Kreatur erwacht, kann Gegner*innen mit dem rot-glühenden Auge töten und sogar in ihren Körper eindringen, um sich verborgen zu halten. Haben wir es mit einem außerirdischen Besucher zu tun ...
Beim schaurigen Mönch Pujardov (Alberto de Mendoza) denke ich fast bis zum Schluss es sei Jacinto Molina alias Paul Naschy.
Für den schick-schaurigen Stil britischer Gruselfilme ist die spanische Sorglosigkeit, mit der in den 70ern Horrorfilme produziert wurden (z.B. DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN), wirklich eine Bereicherung.

6. RUNAWAY TRAIN – EXPRESS IN DIE HÖLLE

USA 1985, von Andrej Konchalovsky, mit Jon Voight, Eric Roberts, Rebecca De Mornay, John Ryan

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Zwei Häftlinge fliehen in Alaska aus dem Gefängnis und steigen in einen Güterzug ein. Der Zugführer erleidet einen Herzinfarkt und fällt tot aus dem Zug. Die beiden Fahrgäste versuchen, den Zug zu stoppen, und beginnen einen Psychokrieg gegeneinander.
Die Idee hatte einst der japanische Meisterregisseur Akira Kurosawa, konnte sie aber in Japan aus finanziellen und logistischen Gründen nicht umsetzen. Das Ergebnis, das wir hier sehen, ist sehr gut gespielt, spannend und nihilistisch.

5. EINE DAME VERSCHWINDET (THE LADY VANISHES)

Großbritannien 1938, von Alfred Hitchcock, mit Margaret Lockwood, Dame May Witty, Michael Redgrave, Paul Lukas, Cecil Parker

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Miss Froy lauscht dem Gesang eines Straßenkünstlers, der ermordet wird. Miss Froy soll als mutmaßliche Zeugin beseitigt werden, obwohl sie den Mord gar nicht beobachtete. Ein für sie gedachter Blumentopf trifft aus Versehen die junge Iris Henderson am Kopf. Miss Froy kümmert sich im Zug um sie ... und verschwindet währed der Zugfahrt spurlos. Alle behaupte, keine Miss Froy gesehen zu haben und Iris wird verdächtigt zu lügen oder Wahnvorstellungen zu haben.
Es ist ein schöner und spannender Verschwörungskrimi, der leider nie regulär im deutschen Kino lief und erst 1971 für das Fernsehen synchronisiert wurde.

4. SUBWAY

Frankreich 1985, von Luc Besson, mit Christophe Lambert, Isabelle Adjani, Richard Bohringer, Jean Hugues Anglade, Jean Bouise, Arthur Sims, Eric Serra, Jean Reno und Michel Galabru

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Punker Fred war zu einer Party eingeladen, sprengte aber dort den Tresor und stahl vertrauliche Dokumente. Auf der Flucht mit dem Wagen fährt er in den Zugang zu einer U-Bahn-Station. Im Untergrund der Pariser Metro lernt er interessante Leute kennen, freundet sich mit ihnen an, verliebt sich in Helena, die Frau des bestohlenen Gastgebers, und plant, eine Band mit den Musikern des Untergrunds zu gründen. Das grelle Neon-Spektakel kann auch nach fast 40 Jahren noch voll überzeugen.
Den brummbärigen Kommisar Gesbert von der Bahnpolizei spielt übrigens Michel Galabru, der frühere Dienststellenleiter von Gendarm Ludovic Cruchot alias Louis de Funés am Strand von Saint Tropez.

3. DER GENERAL (THE GENERAL)

USA 1926, von Buster Keaton und Clyde Bruckman, mit Buster Keaton, Marion Mack, Charles Henry Smith, Fred Barnes, Glen Cavender

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Im amerikanischen Bürgerkrieg wird die Dampflokomotive „The General“ von feindlichen Spionen gestohlen. Lokführer Johnny Gray nimmt die Verfolgung auf, um die Lok zurück und das Herz seiner geliebten frisch zu erobern.
Kinopionier Buster Keaten & Co. präsentieren uns sowohl eine filmische und logistische Meisterleistung als auch einen der ersten Action-Helden der Filmgeschichte.

2. PANIK IM TOKIO EXPRESS (SHINKANSEN DAIBAKUHA / 新幹線大爆破)

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Japan 1975, von Junya Sato, mit Shinichi „Sonny“ Chiba, Kensuke Takakura, Ken Utsui, Eji Go
Ein Erpresser verlangt mehrere Millionen Lösegeld. Sollten seine Forderungen nicht erfüllt werden, wird eine Bombe im vollbesetzten Hochgeschwindigkeitszug von Tokyo nach Hakata hochgehen. Zum Beweis lässt er einen Güterzug mit einer baugleichen Bombe hochgehen. Die Evakuierung des Zuges scheint unmöglich zu sein, denn die Bombe soll explodieren, wenn der Zug langsamer als 80KmH fährt. Zugführer Aoki (Japans Superstar Sonny Chiba, STREETFIGHTER, KILL BILL), Fahrdienstleiter Okita und die Polizei müssen einen Ausweg finden, die Bombe finden und entschärfen. Unter den 1.500 Passagieren*innen breitet sich Panik aus.
Der Film ist in der Originalfassung und der internationalen Fassung 153 Minuten lang. Die deutsche Kinofassung, die ich von meiner DVD kenne, wurde auf tatsächlich 94 Minuten ! gekürzt und ist noch richtig gut und spannend.
Action-Fans wird die Handlung bekannt vorkommen. Sie wurde 20 Jahre später in einen Linienbus mit den Fahrgästen Sandra Bullock, Keanu Reeves und Erpresser Dennis Hopper verlagert.
Ach ja, und der englische bzw. internationale Filmtitel lautet BULLET TRAON.

1. MORD IM ORIENT EXPRESS

Großbritannien 1974, von Sidney Lumet, mit Albert Finney, Lauren Bacall, Martin Balsam, Ingrid Bergmann, Jacqueline Bisset, Colin Blakely, Jean Pierre Cassel, Sean Connery, George Coulouris, John Gielgud, Richard Goodwin, Wendy Hiller, Jeremy Lloyd, Denis Quilley, Anthony Perkins, Vanessa Redgrave, Rachel Roberts, Richard Widmark, Michael York

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Auf dem Weg nach London wird der US-Geschäftsmann Ratchett mit zwölf Messerstichen im Orient-Express getötet. Als der Zug vor einer Lawine stehen bleibt, ermittelt der belgische Meisterdetektiv Hercule Poirot, den die Meisten auf Anhieb für einen Franzosen halten, auf Bitte seines Freundes, dem Eisenbahndirektor Bianchi.
Den Roman von Agatha Christie verfilmt Hollywood-Profi Sidney Lumet (DIE ZWÖLF GESCHWORENEN) mit einem selten gesehenen Staraufgebot und großartigen Kulissen und Kostümen. Wer den Film noch nicht kennt, wird über die Auflösung sehr überrascht sein.
Es ist immer wieder ein Vergnügen, diesen Klassiker zu sehen und immer noch und immer wieder etwas Neues zu entdecken.
Eine weitere Verfilmung von Regisseur und Poirot-Darsteller Kenneth Branagh aus dem Jahr 2017 ist ansehbar, aber im Vergleich zur 1974er Verfilmung schwach und banal.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Martin Betzwieser

Personifizierter Ärger über Meinungsmanipulation, Kino- und Kabarattliebhaber
Martin Betzwieser

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