„Keine Angst vor Pathos“

Interview Michael Thalheimer über sein Verständnis als Theaterregisseur und die Irrwege der Gegenwartsdramatik
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 50/2015

der Freitag: Herr Thalheimer, unter dem neuen Intendanten Oliver Reese werden Sie künftig fest als Regisseur am Berliner Ensemble, dem BE, arbeiten. Vor einigen Jahren wollten Sie noch möglichst schnell selbst Intendant werden. Hat sich Ihre Karriereplanung geändert?

Michael Thalheimer: Das war ein Lernprozess. Ich habe mich nie beworben, sondern bin beim Deutschen Theater, beim Thalia in Hamburg und auch vergangenes Jahr beim Burgtheater immer gefragt worden. Als Kulturminis-ter Ostermayer sich für Karin Bergmann entschieden hatte, war ich am ersten Tag wütend, am zweiten traurig und am dritten erleichtert. Dieses Gefühl hält bis heute an. Das ist keine Koketterie. Ich will eine Heimat bauen, eine künstlerische Familie bilden. Aber dafür muss ic