Badische Sonnenkönige

UMWELT UND RENDITE Die Solarstrom AG versucht, mit alternativen Energien Kohle zu machen

Umwelt und Rendite lassen sich durchaus verbinden, meint Dr. Harald Schützeichel, Vorstand der SAG Solarstrom AG in Freiburg. Kürzlich ging das jüngste Projekt der innovativen Solarunternehmer ans Netz: ein regeneratives Doppelkraftwerk im südbadischen Grenzach-Whylen an der Schweizer Grenze. Es produziert emissionsfreien Öko-Strom aus Sonnen- und Wasserkraft und ist bislang in Europa einzigartig. Die rund eine Million Mark teure Photovoltaik-Anlage liefert jährlich 67.000 Kilowattstunden Sonnenstrom. Dafür sorgen Solarmodule auf einer Fläche von 720 Quadratmetern auf dem Dach des Gebäudes.

Ein Projekt ganz nach dem Geschmack der badischen »Sonnenkönige«. Denn mit der Liberalisierung des deutschen Strommarktes haben sich die Chancen für den Ausbau der Solarstromerzeugung enorm verbessert. Solarenergie in Deutschland wächst zweistellig, allein 1997 um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zeichen der Zeit hat Georg Salvamoser, der Gründer der Freiburger Solarfabrik, frühzeitig erkannt. Von dem 49jährigen Münchner - mittlerweile Träger des Deutschen Umweltpreises - stammt die Idee, bundesweit Sonnenstrom an Energieversorger zu verkaufen und mit der industriellen Massenproduktion von Solarstrommodulen ins Solarzeitalter einzusteigen. Seit fünfzehn Monaten arbeitet sein Unternehmen im sonnenverwöhnten Breisgau, betreibt Solarkraftwerke und verkauft den Strom an unterschiedliche Abnehmer. Im Falle des südbadischen Doppelkraftwerks ist es die NaturEnergie AG, Deutschlands erster im Netz vertretener Ökostromhändler. Die Firma ist eine Tochter des Kraftwerks Laufenburg und der Kraftübertragungswerke Rheinfelden. NaturEngergie gibt den Ökostrom mit einem Aufpreis von acht Pfennig je Kilowattstunde auf den üblichen Marktpreis an ihre Kunden weiter.

Mit verschiedenen lokalen Energieversorgern bestehen bereits Kooperationsverträge. Sie sollen den Öko-Strom an die Endverbraucher bringen. Sowohl die Freiburger Energie- und Wasserversorgungs-AG als auch die Stadtwerke Heidelberg AG haben neuerdings Solarstrom der SAG im Angebot. In Freiburg etwa kommt er vom Dach der Ganter-Brauerei, wo eine 70 kW-Anlage mit einem Jahresertrag von 65.000 kW/h gut 300 Haushalte mit Öko-Strom versorgt. In Heidelberg soll das erste Solarkraftwerk mit einer Modulfläche von 500 Quadratmetern ab Sommer 1999 im Jahr 46.000 kW/h erzeugen. Der »Heidelberger Solar-Tarif« ermöglicht den Haushalten den Bezug von Solarstrom in Paketen zu jeweils 100 kW/h bei einem Aufpreis von 10 Mark monatlich.

Zusammen mit der Umweltstiftung WWF hat die SAG im März die »Initiative Solar-Unternehmen 2001+« gestartet, um den umweltbewußten Mittelstand zu erreichen. Gesucht werden Unternehmen, die bereit sind, auf dem Dach ihres Firmengebäudes eine Solarstromanlage zu installieren. Im Gegenzug übernimmt die SAG die Projektierungsarbeiten, die Leistungskontrolle und die Wartungs- und Versicherungskosten.

Seit dem 6. April 1999 wird SAG als Europas erste »Solar-Aktie« im Freiverkehr an der bayrischen Börse München gehandelt. Sie bietet erstmals allen, die Solarstrom unterstützen wollen, eine attraktive Möglichkeit, sich am zukunftsträchtigen ökologischen Strommarkt zu beteiligen. Die vor dem Börsengang vollzogene Privatplazierung ging im Sommer letzten Jahres in Rekordzeit über die Bühne. Bereits wenige Wochen nach Beginn der Zeichnungsfrist waren sämtliche Anteile für 3,20 Euro das Stück von 2.700 Aktionären gezeichnet, darunter Bundesaußenminister Fischer, Fernsehjournalist Franz Alt und sogar ADAC-Präsident Otto Flimm.

»Mit der Solar-Aktie tritt die Sonnenenergie aus ihrem Schattendasein einer allein aus Idealismus finanzierten Energiequelle heraus«, sagt SAG-Chef Schützeichel. Im Sommer oder Herbst soll es wieder eine Kapitalerhöhung geben. Das Geld aus dem Verkauf der Aktien wird für den Bau neuer Solarkraftwerke verwendet. Jährlich sollen Kapazitäten im Umfang von 1,5 Megawatt entstehen. Standorte sind Dächer von Industrieanlagen, Baumärkten und Parkhäusern. Zusammen mit dem ADAC wollen die Freiburger solare Parkhäuser in der gesamten Bundesrepublik betreiben.

Auch international expandiert die SAG. Im Oktober 1998 wurde in Bern eine Tochtergesellschaft gegründet, die Solarstrom AG Schweiz. Zwei Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von insgesamt 300 Kilowatt sind bereits in Planung, eine im städtischen Gewerbepark in Bern und eine für die Solarstrombörse in Zürich. Auch in der Alpenrepublik ist der Börsengang noch in diesem Jahr vorgesehen.

Nur für kurze Zeit!

12 Monate lesen, nur 9 bezahlen

Freitag-Abo mit dem neuen Roman von Jakob Augstein Jetzt Ihr handsigniertes Exemplar sichern

Print

Erhalten Sie die Printausgabe zum rabattierten Preis inkl. dem Roman „Die Farbe des Feuers“.

Zur Print-Aktion

Digital

Lesen Sie den digitalen Freitag zum Vorteilspreis und entdecken Sie „Die Farbe des Feuers“.

Zur Digital-Aktion

Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag abonnieren und dabei mithelfen, eine vielfältige Medienlandschaft zu erhalten. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Jetzt kostenlos testen

Was ist Ihre Meinung?
Diskutieren Sie mit.

Kommentare einblenden