Rex Gildo

HOSSA Rex Gildo ist sechzig Jahre alt, aber er sieht aus, fragt man ihn selbst, wie Anfang zwanzig. Ein Supertyp, braungebrannt, charmant und obendrein ...

Rex Gildo ist sechzig Jahre alt, aber er sieht aus, fragt man ihn selbst, wie Anfang zwanzig. Ein Supertyp, braungebrannt, charmant und obendrein einer, der noch die Klamotten trägt, die man trug, als er wirklich Anfang zwanzig war. Außerdem hat er einen Künstlernamen, den man cool fand - damals sagte man: kolossal -, als Gildo noch Alexander Ludwig Hirtreiter hieß.

Rex Gildo war als Bub bei den Regensburger Domspatzen, seine Kindheit verbrachte er also - man schaue sich die Uniformen solcher Chöre an - als kleiner Erwachsener. Als das vorbei war, muss er wohl beschlossen haben, für den Rest seines Lebens jugendlich zu bleiben.

Am vergangenen Wochenende unternahm Gildo einen mysteriösen Selbstmordversuch. Er sprang aus dem Toilettenfenster einer im zweiten Stock gelegenen Wohnung.

Sehr gelitten, so erzählte es ein Freund, hat Rex Gildo nicht etwa unter seinem Künstlernamen, was verständlich wäre, sondern darunter, dass ihn vor allem junge Leute nicht ernst nehmen: Im Guildo-Horn-Boom wirkt er nämlich auf Zuhörer, die, anders als er, wirklich zwanzig sind, bloß als der "Hossa"-Depp.

1972 kam Fiesta Mexicana auf den Markt, und nur wenige, er selbst gehört dazu, wussten damals schon, dass sein "Hossa"-Ruf eigentlich eine grandiose Qualität besitzt.

Amerika lag Johnny Weissmueller nicht etwa deswegen zu Füßen, weil er ein begnadeter Schauspieler gewesen wäre, sondern weil er wie kein Anderer den Tarzan-Schrei beherrschte.

Keiner ruft Hossa wie Rex Gildo, in Amerika hätte man vielleicht gedichtet: Nobody sings Hossa like Dylan, aber hiesiges gebildetes Volk wird so etwas nie verstehen.

Und was er gerufen hat, auf der kurzen Strecke zwischen Toilettenfenster und Gehwegplatten ...? Wir wissen es nicht.

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