Martin Schlak
Ausgabe 3814 | 19.09.2014 | 06:00 20

Konspirative Chips?

Roboterautos Während in Kalifornien selbstfahrende Autos getestet werden, lösen sie hierzulande eher Ängste aus. Dabei sind diese größtenteils irrational

Konspirative Chips?

EIn Vorgänger vom Roboterauto: der Autoroboter (1975)

Foto: Central Press / Getty Images

Roboter haben ein Betriebssystem, Menschen haben Liebeskummer. Roboter werden nicht müde, und sie trinken keinen Alkohol. Sind Maschinen also die besseren Autofahrer? Im US-Bundesstaat Kalifornien dürfen seit dieser Woche selbstfahrende Autos auf öffentlichen Straßen getestet werden. Hierzulande überwiegen die Ängste vor den Roboterfahrzeugen. Dabei sind sie großteils irrational.

Es stimmt, dass viele technische und rechtliche Fragen noch unbeantwortet sind, etwa wer bei einem Unfall den Schaden bezahlt. Die Ablehnung wurzelt aber vor allem in unserer Angst vor Kontrollverlust. Zu verbreitet ist das Gefühl, Computer-Algorithmen regierten mittlerweile uns und nicht andersherum. Gas, Bremse und Kupplung bilden dagegen eine technologische Dreifaltigkeit, die wir noch vollständig zu beherrschen glauben. Die meisten Fahrer sperren sich deswegen ja schon gegen ein Automatikgetriebe.

Das Misstrauen gegenüber vermeintlich eigenmächtig handelnden Robotern sitzt tief. Genährt wird es von der Unterhaltungsindustrie, die gern Geschichten von machtbesessenen Maschinen erzählt. Wie im Film I, Robot sind diese im besten Fall zwielichtig, im schlechteren Fall unterjochen sie die Menschen wie in der Terminator-Reihe.

Nun wird überlegt, dass sich Roboterautos auch vernetzen sollen, um sich gegenseitig vor Gefahren und Staus zu warnen. Vom Vernetzen bis zum Verbünden verläuft in den Augen mancher ein schmaler Grat. Dabei droht die Gefahr, wenn das Auto online geht, nicht von konspirativen Mikrochips, sondern von Menschen – und zwar von Hackern, die aus der Ferne das Betriebssystem manipulieren könnten.

Am meisten verschreckt aber der Gedanke, Roboterautos könnten sich zu einer moralischen Instanz aufschwingen. Man stelle sich vor, ein Kind springt auf die Straße und der Wagen hat nicht mehr genug Zeit, zu bremsen. Soll er dann in den Gegenverkehr ausweichen? In welchen Fällen ein Computerprogramm in einem Auto „über Leben und Tod von Menschen entscheiden“ dürfe, wollte die Linke bereits von der Bundesregierung wissen. Die Frage zeigt, wie emotional die Debatte geführt wird. Tatsächlich sind Roboterautos aber weit davon entfernt, sich selbst Gesetze zu geben. Sie folgen auch in Dilemmasituationen bloß komplexen Algorithmen, die Programmierer ihnen beigebracht haben. Umso wichtiger ist es, dass am runden Tisch des Verkehrsministeriums zum automatisierten Fahren nicht nur Versicherungs- sondern auch die ethischen Fragen transparent diskutiert werden.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 38/14.

Kommentare (20)

Martin Schlak 19.09.2014 | 13:31

Wie im Text angedeutet, versprechen sich die Autohersteller von der Automatisierung typisch menschliche Fehler- und Unfallquellen zu vermeiden (etwa übermüdete oder alkoholisierte Fahrer). Auch sollen vernetzte Autos dafür sorgen, dass der Verkehr flüssiger fließt. Sind Autos mit einer gemeinsamen Gruppengeschwindigkeit unterwegs, sinkt etwa die Staugefahr im dichten Verkehr.

Es stecken natürlich starke Interessen der Autoindustrie dahinter. Näheres z.B. hier.

Lethe 19.09.2014 | 13:33

Die eigentliche Problematik selbststeuernder Fahrzeuge wird überhaupt nicht angesprochen. Die allerbeste elektronische Mustererkennung darf getrost als "unfähig" gegenüber menschlicher Mustererkennung eingestuft werden. Wenn überhaupt, funktioniert sowas in formalisierten Situationen mit überschaubarer Anzahl an Akteuren und mit formalisierten, stereotypen Verhaltensweisen. Was machen wir mit Radfahrern und Fußgängern?

Und wehe, wenn nicht in allen Autos exakt dieselben Musterkennungsalgorithmen eingesetzt und die exakt gleiche Leistungsfertigkeit der elektronischen Signalverarbeitung gegeben ist. Und das in einer Industrie, in der man alles liebt, nur nicht die Einigung auf gemeinsame Standards.

DonFerrando 19.09.2014 | 14:04

Das Automatisierte Fahren wird kommen, dessen bin ich mir sicher. Es ist die logische Schlussfolgerung aus der immer größer werdenden Elektronik welche in die Autos gestopft wird. Automatisiertes Fahren gibt es ja bereits: zB Parkroboter, welcher genauer in eine Parklücke einparken als der Mensch, oder automatik-Assistenten welche im Stau selbst fahren. Logisch, dass diese Systeme immer weiter entwickelt werden.

Wenn man das System zu Ende denkt, entstehen aber auch eine Reihe von Problemen:

-Der Ausfall von Sensoren oder Elektronik ist vorprogrammiert, was passiert wenn auf der Autobahn bei Tempo 130 die Elektronik ausfällt?

-die angesprochene Hacker-Problematik, theoretisch würde dann die Möglichkeit bestehen, dass sich ein Krimineller in mein Auto "einhackt" und mich damit gegen einen Baum fährt?

-braucht man dann eigentlich noch eine Fahrschule? Eigentlich nicht.

-Taxifahrer würden auch überflüssig

-theoretisch könnten auch Kinder dann ein Auto "fahren", es ist fast wie Bus fahren, man steigt ein drückt auf einen Knopf und wird ans Ziel gefahren

-durch das viele automatisierte Fahren, würden die meisten Menschen das "echte" Autofahren verlernen, die Reaktionsfähigkeit nimmt ab, eine Gefahr, wenn die Technik mal ausfällt.

Der große Vorteil ist, dass die häufigsten Unfallursachen, wie überhöhte Geschwindigkeit, riskannte Überholmanöver, oder Rotlicht-Fahrten technisch ausgeschlossen wären. Ich bleibe gespannt, was die Zukunft bringt.

knattertom 19.09.2014 | 15:52

"-theoretisch könnten auch Kinder dann ein Auto "fahren", es ist fast wie Bus fahren, man steigt ein drückt auf einen Knopf und wird ans Ziel gefahren"

Ganz genau so sehe ich es auch und verstehe von daher auch den Denkansatz dieses automatisierten Fahrens nicht im geringsten.

Das erscheint mir in etwa so logisch, wie die Mülltrennung auf der Konsumentenseite.

Der "Individual"verkehr lockt uns doch vor allem mit der Freiheit dort entlang fahren zu können wo wir wollen, und wenn es der hinterletzte Feldweg ist.

Das System dahingehend weiterzuentwickeln, dass sich jeder in seinem einzeln bewegten farradayschen käfig fortbewegt (wird) und langweilt, anstatt in Gruppenverkehrsmitteln von Knotenpunkt zu Knotenpunkt, um dann nur für die letzten Kilometer auf die individuelle Lösung umzusteigen, lauchtet mir nicht ein. Um so zu denken, muss man wohl Autobauer sein.....

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Ehemaliger Nutzer 19.09.2014 | 20:35

Abgesehen von den technisch für die Fahrzeuge noch zu bewältigenden Aufgaben kommen noch die technisch nicht bewältigten und nicht zu bewältigenden Aufgaben hinzu, da jede Technik immer Fehler enthält, sei es in der Software, den Bordrechnern, den Sensoren, der Steuerung oder Material- und/oder Konstruktionsfehler bei den Fahrzeugen.

Die wirkliche Science-Fiction [nicht die Dystopien] war da allerdings schon immer einige Jahre voraus. Man stelle sich Leitsysteme vor, die die Fahrzeuge zusätzlich zur Bordsteuerung auf Kurs halten und notfalls zum Stehen bringen. Beispielsweise durch Satellitensteuerung und/oder durch bodengebundene Sender.

Diese Robotik führt den Menschen vor Augen, dass die bisherige Art der individuellen Freiheit immer schon eine Illusion war. Man hat in einer beliebigen Umwelt immer nur eine bestimmte durch die Umwelt und durch das Individum begrenzte Freiheit.

Hunter S.T. 20.09.2014 | 09:53

Die NSA und ähnliche Verbrecherbanden warten schon sehnsüchtig darauf. Vordenker wie King, Lennon, Kennedy usw. Müssen dann nicht mehr umständlich durch angeblich verrückte Einzeltäter (siehe MKUltra) erschossen werden, sondern werden einfach per Hack vor den nächsten Baum gesetzt- ups Systemfehler, kann ja mal passieren. Endlich nicht mehr nur Passagierflugzeuge, sondern auch PKW fernsteuern können, der feuchte Traum der Geheimdienste, die doch so fleissig daran mitwirken, die 'Full Spectrum Dominance' der USA mit allen Mitteln durchzuboxen. Ja ja ich weiß- alles Verschwörungstheorien ;)

gweberbv 20.09.2014 | 16:04

Die eigentliche Problematik selbststeuernder Fahrzeuge wird überhaupt nicht angesprochen. Die allerbeste elektronische Mustererkennung darf getrost als "unfähig" gegenüber menschlicher Mustererkennung eingestuft werden. Wenn überhaupt, funktioniert sowas in formalisierten Situationen mit überschaubarer Anzahl an Akteuren und mit formalisierten, stereotypen Verhaltensweisen. Was machen wir mit Radfahrern und Fußgängern?

Word up!

gweberbv 20.09.2014 | 16:21

Das System dahingehend weiterzuentwickeln, dass sich jeder in seinem einzeln bewegten farradayschen käfig fortbewegt (wird) und langweilt, anstatt in Gruppenverkehrsmitteln von Knotenpunkt zu Knotenpunkt, um dann nur für die letzten Kilometer auf die individuelle Lösung umzusteigen, lauchtet mir nicht ein.

Zwei Gründe: Individualverkehrs ist flexibler und meistens auch schneller.

Vor zwei Jahren dachten meine Frau und ich kurz darüber nach, uns kein neues Auto mehr zu kaufen. Nun, nach den ersten vier Monaten mit unserer Tochter brauchen wir es dringender denn je. Ich glaube, ich würde ausrasten, wenn ich irgendwo ein halbe Stunde warten müsste, weil ich z. B. den Bus verpasst habe.

Daniel Uxa 21.09.2014 | 20:06

Zwei Gründe: Individualverkehrs ist flexibler und meistens auch schneller.

Das kann man ja vor allem an den Verkehrs-Zuständen in deutschen Großstädten sehen - nicht. Individualverkehr führt zu erst mal zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen gegenüber Gruppentransportmitteln. Gleichzeitig steigt der Platzbedarf der Infrastruktur, die Abnutzung derselben, die Emissionen der Transportmittel und die Unfallgefahr derselben.

Vor zwei Jahren dachten meine Frau und ich kurz darüber nach, uns kein neues Auto mehr zu kaufen. Nun, nach den ersten vier Monaten mit unserer Tochter brauchen wir es dringender denn je. Ich glaube, ich würde ausrasten, wenn ich irgendwo ein halbe Stunde warten müsste, weil ich z. B. den Bus verpasst habe.

Das ist aber eine Konditionierungsfrage, und ebenso widersprüchlich wie alle Technik, die durch Beschleunigung Zeit spart - die man dann doch nicht als solche wahrnimmt, weil man dann eben mehr Dinge tut. Entschleunigung wäre das Stichwort. Man könnte sich auch fragen, wie die Menschen früher ohne Auto überhaupt überlebt haben - wo man sein ganzes Leben mit Auf-den-Bus-Warten verbracht hat. Das müssen die grausamen Jahre gewesen sein, als man unterwegs keine Mails abrufen konnte, noch Karten und Bücher lesen musste und die Läden schon um 18:00 geschlossen haben. Sind ja damals verhungert die Leute, weil man nach Feierabend nicht mehr einkaufen konnte.

Ich glaube, die Automatisierung des Transports verfehlt noch einen anderen wichtigen Aspekt, nämlich wie man zukünftig der Ressourcen - und Treibstoffproblematik begegnen will. Wie sehen die Transportsysteme aus (also Gruppen - vs. Individualtransport, ausschließlich landgestützt oder weiter fliegend), woraus werden sie hergestellt, womit werden sie angetrieben. Bis dato sieht es da richtig finster aus, was die Zukunftsfähigkeit angeht. Mit der Elektromobilität könnte man in Deutschland wenigstens einen ersten Schritt weg vom Öl beim Antrieb gehen. Gleichzeitig wieder mehr Transport aufs Wasser und die Schiene verlegen, wäre auch nicht verkehrt - wozu haben wir schließlich das Transportnetz? Aber dann fielen für die Wirtschaft die fahrenden Lagerhäuser "on demand" weg.

doubter 21.09.2014 | 22:26

Was ist eigentlich schlimmer: eine biologische Waffe oder eine Computerwaffe? – Beide sind gleich verabscheuenswürdig.

Der Genetiger entwickelt eine Waffe, die effektiv eine bestimmte Gruppe von Menschen töten kann. Und einige Informatiker entwickeln Programme, die Menschen so manipulieren können, dass sie gegeneinander in den Krieg ziehen oder Regierungen wählen, die sie mit freiem Willen nie wählen würden.

Die Gefahr geht nicht von den Hackern aus, die Computer manipulieren, sondern von denen, die Computer zur Datensammlung und dann zur Manipulation verwenden. Davon sind auch die neuen Autocomputer nicht ausgenommen. Und leider sind die heutigen „komplexen Algorithmen“ so geschrieben, dass sie sich in ihren Schranken weiter entwickeln können und somit zu Steuerungsentscheidungen kommen können, die kein Mensch vorhersagte.

Ich finde, wir brauchen eine Ethik in der Ausbildung unserer Wissenschaftler – nicht Ethiker, die versuchen, getane Entwicklungen in eine richtige Richtung zu bringen – die kommen immer zu spät.

knattertom 22.09.2014 | 20:02

"Ich glaube, ich würde ausrasten, wenn ich irgendwo ein halbe Stunde warten müsste, weil ich z. B. den Bus verpasst habe."

Auf dem Land verständlich, da wäre alle halbe Stunde ein Bus zum Teil schon luxuriös. In der Stadt wiederum drehen die Menschen durch, wenn sie länger als eine halbe Stunde nach einem Parkplatz suchen........

Im übrigen stimme ich @Daniel Uxa zu. Alles Gewöhnungssache, und mit einem guten Buch, vergeht eine halbe Stunde wie im Flug :o)

gweberbv 23.09.2014 | 14:53

Das kann man ja vor allem an den Verkehrs-Zuständen in deutschen Großstädten sehen - nicht.

Dann müssen wohl die Menschen alle irre sein, die dort mit dem eigenen PKW unterwegs sind? Ich kann dir versichern, dass selbst im dichtbevölkerten Rhein-Main-Gebiet ein PKW in vielen Fällen das schnellste Verkehrsmittel ist. Sofern er ohnehin vorhanden ist und man daher nur die Sprit- und Abnutzungskosten in Rechnung stellt, auch noch das günstigste.

Außer Berlin ist mir in Deutschland gar keine Stadt bekannt, wo man selbst 10 bis 20 km vom Stadtzentrum entfernt noch einerseits eine sehr gute ÖPNV-Versorgung und andererseits ein verstopftes Straßennetz hat, so dass dort ein PKW oftmals unnütz ist.

Man könnte sich auch fragen, wie die Menschen früher ohne Auto überhaupt überlebt haben - wo man sein ganzes Leben mit Auf-den-Bus-Warten verbracht hat.

Du kannst dich auch fragen, ob 10 m2 Wohnfläche pro Person nicht genug sind und man die 30 weiteren m2, die heute im Schnitt zur Verfügung stehen, nicht doch nur mit unsinnigem Krimskrams vollstellt.

Wenn man z. B. eine Arbeitsstelle, die 40 km vom eigenen Wohnort entfernt liegt, nicht annehmen kann, weil man nicht in akzeptabler Zeit dorthin gelangen kann, dann ist das halt so. Wenn man aber diesen Job dank eigenem Auto erreichen kann und sich auch noch daran gewöhnt hat, auf dem Nachhauseweg je nach Lust und Laune den Wocheneinkauf tätigen zu können, für den man zuhause auch nicht erst einen Einkaufszettel schreiben braucht, weil man sich per Handy mit der Frau kurzschließen kann, was grade Not tut, dann will man diese Annehmlichkeiten nicht mehr missen.

Und wenn einen der steigende Spritpreis bei stagnierenden Einkommen finanziell stranguliert, dann entscheiden sich aktuell die meisten Menschen dafür, ihre ländliche Heimat zu verlassen und in die nähere Umgebung der Städte zu ziehen. Dort, wo all das (noch) vorhanden ist, was sie an Einkaufs-, Freizeit- und Arbeitsmöglichkeiten gewöhnt sind.

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Ehemaliger Nutzer 23.09.2014 | 15:12

Vielleicht sollte hier einfach auch mal erwähnt werden, dass z. B. Google die Konstruktion dieser Fahrzeuge durchführt und damit natürlich ihre BETRIEBSSYSTEME in derartige Geräte installiert.

Google & Co. unterliegen in gleichsam pathologischer Weise dem betriebswirtschaftlichen ZWANG, so viele Nutzerdaten wie irgend möglich zu sammeln und zu viel, viel Geld zu machen. Das ist ihr Geschäftsmodell.

Je persönlicher diese Daten sind, desto wertvoller sind sie für die Industrie. NO LIMITS.

Wer 1 und 1 zusammenzählen kann, weiß, dass die Automatisierung des individuellen Bewegungsverhaltens wieder primär zum schäbigen Zwecke der Abschöpfung privater Nutzer- bzw. Bewegungsdaten dient. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Die Fahrzeuge solcher Hersteller sind schlichtweg trojanische Pferde.

Solange nicht die vollkommen transparente und unveränderliche DATENHOHEIT FÜR DIE FAHRZEUGNUTZER gewährleistet ist, gehören solche Pläne postwendend in den Schredder!

Diese google'sche Datenschnüffelei und -handelei ist das Widerlichste und das Erniedrigenste, was dem mündigen Bürger passieren kann, ES IST DIE PEST des digitalen 21. Jahrhunderts.

Wie soll man sich dieser galoppierenden Orwellisierung erwehren, wenn jeder Depp sich mit derartigen Lockangeboten zum Veräußern von personenbezogenen Daten verführen lässt? Das hat zur Folge, dass Privatsphärenfeindlichkeit in der Gesellschft zum Standard wird, überall wird sich die Frechheit herausgenommen, selbstverständlich alles an Daten abzugreifen, was das Zeug hält ("Die anderen machen das schließlich auch!").

Und damit wird letztlich mehr und mehr ein Grundrecht angegriffen, das DAS RECHT AUF INFORMATIONELLE SELBSTBESTIMMUNG ERODIERT. Dieser Prozess ist schon seit Jahren im Gange.

Unsere Persönlichkeit wird aus Profitgier zur Ware, wir werden gegen unseren Willen VERDECKT UND MIT ALLEN TRICKS GLÄSERN GEMACHT.

Die Pläne, dass (zumindest) der Schnüffelkonzern mit den sechs farbenfrohen Buchstaben auch physikalisch in unsere Häuser eindringt, sind übrigens längst geschmiedet. Mit "Nest" will sich Google freilich noch den Zugang zu vernetzten Informationen INNERHALB UNSERER HÄUSER sichern (Kontrolle / Steuerung von Hausgeräten).

Wenn es nach der Google-Logik ginge, würden sie womöglich gleich so pervers sein und Sexroboter herstellen, um auch noch alles über unser Sexualleben herauszubekommen ...

Mit immer wieder der gleichen PERFIDEN ARGUMENTATION, dass es mit ihren Angeboten doch einen so schönen Nutzen für uns gibt, ZÜCHTEN sie sich alles und jeden fügsam. Diese Unternehmen lassen nichts unversucht.
Es ist ihr Geschäft! Begriffen?

Daniel Uxa 23.09.2014 | 16:29

Dann müssen wohl die Menschen alle irre sein, die dort mit dem eigenen PKW unterwegs sind? Ich kann dir versichern, dass selbst im dichtbevölkerten Rhein-Main-Gebiet ein PKW in vielen Fällen das schnellste Verkehrsmittel ist. Sofern er ohnehin vorhanden ist und man daher nur die Sprit- und Abnutzungskosten in Rechnung stellt, auch noch das günstigste.

Keine Ahnung, ob die alle irre sind ;) Wollte ich nicht unterstellen.

Aber wenn ich mal die Beispiele Hamburg und Berlin nehme, kann ich aus eigener Erfahrung nur das Gegenteil von dem behaupten, was du angeführt hast. Die Innenstädte sind permanent, selbst sonntags, verstopft mit Autoverkehr. Trotz teilweise 3-spuriger Stadtautobahnen wird dicht gedrängt gefahren, oft in geringem Tempo, oft mit viel Stress für die Fahrer. Dann fehlen jetzt schon permanent Parkplätze. Es ziehen aber immer mehr Menschen in die Städte, es herrscht Wohnungsmangel. Wenn die Wohnungen gebaut werden, fehlt weiterhin der Platz für Parkplätze. Selbst wenn z.B. in Hamburg der ÖPNV teilweise recht umständliche Verbindungen hat, möchte ich wetten, dass die mit dem Auto eingesparte Zeit bei der Parkplatzsuche wieder draufgeht.

Andere Probleme: wo mehr Straßen gebaut werden müssen, um dem Verkehrsaufkommen gerecht zu werden, gleichzeitig Wohnungen gebaut werden, um dem Zuzug gerecht zu werden, verschwindet Fläche, die eigentlich für Grün, für Spielplätze und der Gleichen gebraucht würde. Dann die durch das Verkehrsaufkommen nicht unerhebliche Lärmbelastung.

Das dennoch oft nicht nur 1, sondern 2 PKW pro Haushalt genutzt werden - ich weiß nicht, ist das nicht bisschen irre? Zu den Kosten: für den Preis einer Jahreskarte zB für den HVV bekommt man doch kein Auto unterhalten, mit TÜV, Reparatur, Sprit und Versicherung. Und grad in Hamburg ist die Fahrt von außerhalb durch den Elbtunnel eine Katastrophe und kann mit Stau gern mal in 1,5 h Fahrzeit ausarten, wo mit der Regionalbahn nur 15 Minuten gefahren wird. Klar, die Netze des ÖPNV, der Bahn etc. sind unbedingt ausbaufähig, stimme ich zu, und es gibt genug Gegenden, wo tote Hose herrscht.

Du kannst dich auch fragen, ob 10 m2 Wohnfläche pro Person nicht genug sind und man die 30 weiteren m2, die heute im Schnitt zur Verfügung stehen, nicht doch nur mit unsinnigem Krimskrams vollstellt.

Kann man das so vergleichen? Für mich ist Platz zum Leben deutlich wertvoller. Wieviel es schließlich sein sollen, und ob man den übrigen Platz nicht nur mit Krams vollstellt - ist doch eine Frage des Einkommens und der Präferenz. Ist es bei den von mir beschriebenen Problemen mit dem innerstädtischen Autoverkehr aber nicht.

Wenn man z. B. eine Arbeitsstelle, die 40 km vom eigenen Wohnort entfernt liegt, nicht annehmen kann, weil man nicht in akzeptabler Zeit dorthin gelangen kann, dann ist das halt so. Wenn man aber diesen Job dank eigenem Auto erreichen kann und sich auch noch daran gewöhnt hat, auf dem Nachhauseweg je nach Lust und Laune den Wocheneinkauf tätigen zu können, für den man zuhause auch nicht erst einen Einkaufszettel schreiben braucht, weil man sich per Handy mit der Frau kurzschließen kann, was grade Not tut, dann will man diese Annehmlichkeiten nicht mehr missen.

Generelle Zustimmung. Die Problematik Arbeitsplatz und Erreichbarkeit hat mich selbst schon zur Verzweiflung gebracht. Könnte aber mit einem adäquaten ÖPNV-Netz ebenso gelöst werden. Naja und Einkaufszettel schreiben halte ich jetzt nicht für die schrecklichste Bürde der Welt bzw. keinen mehr schreiben zu müssen für den Segen des 21. Jahrhunderts.

Und wenn einen der steigende Spritpreis bei stagnierenden Einkommen finanziell stranguliert, dann entscheiden sich aktuell die meisten Menschen dafür, ihre ländliche Heimat zu verlassen und in die nähere Umgebung der Städte zu ziehen. Dort, wo all das (noch) vorhanden ist, was sie an Einkaufs-, Freizeit- und Arbeitsmöglichkeiten gewöhnt sind.

Ja, und wenn das Auto dann trotzdem weiter genutzt wird, kommen die erwähnten innerstädtischen Probleme zustande.

Sascha 24.09.2014 | 18:19

Ich bezweifle, dass ein technologie-zentrierter Pragmatismus wirklich geeignet ist, Ängste und gesunde Skepsis vor automatisierten Autos auszuräumen. Wenn ich als Fußgänger eine Strasse überquere und ein Auto auf mich zukommt, dann darf ich darauf setzen und vertrauen, dass ein mitfühlender Mensch drin sitzt und darauf achtet, mich nicht zu überfahren. Bei einem automatisierten Fortbewegungsmittel kann ich mir dessen überhaupt nicht mehr sicher sein - auch dann nicht, wenn mir die Autohersteller noch so oft suggerieren wollen, dass die Sicherheit durch technischen Schnickschnack garantiert wird. Fehler sind menschlich und ja, es ist furchtbar, wenn solche Fehler zu Unfällen führen. Aber trotzdem vertraue ich bei meiner Sicherheit im Strassenverkehr mehr auf menschliche Empathie (und nehme dabei die Fehleranfälligkeit in Kauf) als auf automatisierte, vermeintliche "Perfektion", der jede Empathie fehlt. Und dass es angeblich ein Vorteil sein soll, wenn Schwachstellen wie Übermüdung oder Betrunkenheit ausgeräumt werden, halte ich für reine Ideologie und einen Gag der Autoindustrie. Es wäre nämlich weit sinnvoller - etwa durch Bildung - daran zu arbeiten, dass die Menschen eben mehr daran denken, nicht übermüdet oder betrunken ins Auto zu steigen. Leider ist klar, dass gute Ideen, zb wie man der Übermüdung und Alkoholisierung am Steuer entgegenwirkt, schon an dem Einfluss der Autoindustrie und ihrer Lobby scheitern.

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Ehemaliger Nutzer 25.09.2014 | 20:00

Darf ich es mit einer Frage formulieren - was ist schon facebook?

Was daran ist denn so unverzichtbar, und was daran müsste dringend verbessert werden, wird aber keinesfalls verbessert werden? Fragen Sie sich das mal selbst.

Es bedarf lediglich einiger klarer, ambitionierter Gerichtsurteile gegen die Zuckerbergbande, und weg ist der geldscheffelnde Voyeuristen-Verein. Die EU ist noch viel zu zögerlich bei dem, was sie eigentlich tun könnte.

Schöner und erstrebenswerter wäre es allerdings, wenn die Entwickler-Gemeinden offener Netzanwendungen ihre Open-Source-Pendants konkurrenzfähig und erfolgreich etablieren könnten. Dadurch könnten all die Sümpfe mit den üblen Datenkraken ausgetrocknet werden.
Die Mozilla-Community mit ihrem Browser Firefox oder dem E-Mail-Client Thunderbird sind gute, nicht-proprietäre Beispiele.

Das Non-Profit-Projekt diaspora.com besteht, ist leider(!) noch nicht angemessen würdig gefördert.

"Big Data" (hier im neutralen Sinn) kostet i. d. R. viel Geld. Und schnüffelsicheres Hosting ist darüber hinaus noch ein weiterer sensibler Punkt.

Perfide Sache das, die geduldete, langsame Zersetzung des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung.
Sieht man nicht, tut ja irgendwie auch nicht weh.

Und wenn wir im Lande schon so weit gekommen sind, dass sich Regierungspolitiker in unbotsamer Manier arrogant und halsstarrig gegen die Bürgeranliegen, gegen die Durchsetzung von Bürgerrechten stemmen, stehen wir als Staat am Anfang dessen, wodurch die DDR einst niederging.